Die Situation fu?r Schweinema?ster:innen ist momentan nicht einfach. Neben einer optimalen Futterverwertung, der Steigerung der Fresslust sowie der Vitalita?t der Tiere stellt auch die hohe Ammoniakkonzentration im Schweinestall oftmals eine Herausforderung fu?r Mensch und Tier dar. In Vollspaltenbo?den entsteht zudem ein Problem, wenn die Gu?lle nicht gut abfließt. Wird vermehrt Stroh eingesetzt, kann das ebenso Nachteile mit sich bringen. Jedoch welche, denen man mit dem FKE von Multikraft leicht entgegenwirken kann. „Mit unserem fermentierten Kra?uterextrakt ko?nnen wir eine Lo?sung fu?r fast alle Herausforderungen bieten: Die Fresslust der Tiere und die Fruchtbarkeit von Zuchtsauen wird damit gesteigert, die Tiere sind vitaler, Ferkeldurchfall wird reduziert und die Schweine sind im Allgemeinen ruhiger in Stresssituationen. Zudem fo?rdert er eine fließfa?higere, homogenere und geruchsneutralere Gu?lle, reduziert den Ammoniakausstoß und sorgt fu?r eine Verbesserung des gesamten Stallklimas“, erkla?rt Andreas Danninger, Experte fu?r Tierhaltung und Ackerbau bei Multikraft. „Wenn ich mit einem neuen Betrieb zusammenarbeite und nach rund zwei Monaten wieder hinkomme, fallen die Geruchsreduktion und ruhigeren Tiere gleich auf. Das sind auch die ersten wesentlichen Faktoren fu?r Betriebe. Durch die Unterstu?tzung des Magen-Darm-Trakts und dank der besseren Luft im Stall gibt es einfach insgesamt weniger Stress. Diese deutlich sichtbaren Ergebnisse fu?hren dazu, dass wir, trotz schwieriger Zeiten am Schweinesektor, empfohlen werden“, fu?hrt der Experte fort.

Seit 2011 ist Lukas Hader Gescha?ftsfu?hrer von Multikraft, der Vertrieb der Produkte erfolgt mittlerweile in mehr als 25 La?nder weltweit. © Dedl

Weniger klimarelevante Gase und Senkung der VOC-Emissionen

Multikraft hat Wissenschafter:innen der Wiener Universita?t fu?r Bodenkultur und des LFZ Raumberg-Gumpenstein mit einer Studie zur Wirksamkeit ihrer Produkte MK Boden und FKE in der Schweinemast, mit Fokus auf die Ammoniak-Reduzierung, beauftragt. Die zentrale Frage: Hat der Einsatz von „Fermentierter Kra?uterextrakt“ einen Effekt auf die Freisetzung von NH3, CH4 und N2O im Haltungssystem Schra?gbodenstall? Dabei wurden in zwangsentlu?fteten Abteilen mit 16 Buchten zu je zehn bis zwo?lf Schweinen klima- und geruchsrelevante Emissionen mit einem hochauf lo?senden FTIR-Spektrometer gemessen. Die Wirkung des probiotischen Zusatzes wurde im Abteil mit Schwemmentmistung gepru?ft. Dazu wurde eine Lo?sung mit erho?hter Konzentration (7 Liter MK Boden in 7 Liter Wasser) ta?glich im Stall verspru?ht. Spa?ter wurde die Menge reduziert. Nach einiger Zeit wurde dem Flu?ssigfutter FKE beigemengt (3 Liter FKE in 1000 Liter Futtersuppe). Das Ergebnis sei bemerkenswert, berichtet Robert Rotter, wissenschaftlicher Leiter bei Multikraft: „Im Mittel konnten die CH4-Emissionen um 33 Prozent gesenkt wer- den. Bei den NH3-Emissionen kam es zu einer Reduktion von 22 Prozent und die N2O-Emissionen wiesen um rund 40 Prozent niedrigere Werte auf. Das bedeutet rund 35 Prozent weniger klimarelevante Emissionen. Das ist auch im Sinne des Klimaschutzes ein sehr erfreuliches Ergebnis. Zudem sanken die VOC-Emissionen (Volatile Carbon), die als Indikator fu?r das Geruchsemissionspotenzial gelten, um 78 Prozent!“

Zwei obero?sterreichische Betriebe

Aber nicht nur die Geruchsbelastung und die klimarelevanten Emissionen ko?nnen maßgeblich reduziert werden, mit FKE kann auch das Wohlbefinden der Tiere gesteigert werden. Das Projekt „SauWohl“ untersuchte die Wirkung eines fermentierten Kra?uterextrakts (FKE), der neben Kra?utern auch Laktobazillen und Hefen beinhaltet. Damit sollen Durchfall oder Atemwegsprobleme sowie Schwanzbeißen reduziert werden. Das kann die Haltung von Schweinen mit intakten Schwa?nzen fo?rdern, was sowohl gesellschaftlich als auch gesetzlich gefordert ist. Letztlich soll sich auch die Tiergesundheit und damit die Qualita?t fu?r die Konsument:innen verbessern. Hersteller des fermentierten Kra?uterextrakts FKE ist die Multikraft GmbH aus Pichl bei Wels. Sie stellte im Projekt das probiotische Erga?nzungsfuttermittel, die Dosiertechnik und die Anwendungsempfehlungen zur Verfu?gung. Die sogenannte Multi-Farm-Studie wurde in drei Schweinebetrieben in Obero?sterreich durchgefu?hrt. Die drei Betriebe beliefern den Schwanensta?dter Fleischverarbeiter Hu?tthaler KG und nehmen am Tierwohlprogramm „Hu?tthalers Hofkultur“ teil. In diesem geht es um bessere Tierhaltung und Tiergesundheit. Hu?tthaler-Mitarbeiter:innen unterstu?tzten auch die Sammlung von Kotproben und Daten. Am betriebseigenen gla?sernen Schlachthof bewerteten Veterina?rmediziner:innen die Gesundheit der Schweine und dokumentierten sie in den Schlachtprotokollen.

Wissenschaftliche Begleitung

Das Institut fu?r Nutztierwissenschaften an der Universita?t fu?r Bodenkultur Wien (BOKU) und die Abteilung Erna?hrungsphysiologie der Veterina?rmedizinischen Universita?t Wien (Vetmeduni) begleiteten das Projekt wissenschaftlich. Die Tiere wurden dazu auf jedem Betrieb ab dem Absetzen – also ab dem Zeitpunkt, an dem die Ferkel von der Muttersau getrennt werden – in eine FKE-Gruppe und in eine Kontrollgruppe ohne FKE-Fu?tterung aufgeteilt und bis zum Schlachten begleitet. Die Wissenschafter:innen erhoben klinische Daten wie Durchfall, Verletzungen und Schwanzla?ngen, beobachteten das Verhalten der Tiere, sammelten und analysierten die Kotproben. Um die Aussagekraft der Studie zu erho?hen bzw. eine Voreingenommenheit auszuschließen, wussten die Wissenschafter:innen erst nach der Datenerhebung, zu welcher Gruppe die einzelnen Tiere geho?rten.

Weniger verletzte Schwa?nze und bessere Gesundheit

Das wichtigste Ergebnis: In der FKE-Gruppe waren am Ende der Mastperiode nur bei 5,13 % der Tiere die Schwa?nze verku?rzt, in der Kontrollgruppe bei 71,1 % der Tiere. „Da am Ende der Mast deutlich mehr Tiere eine normale Schwanzla?nge – also keinen Hinweis auf Schwanzbeißen wa?hrend der gesamten Periode – aufwiesen, spricht dies fu?r den Einsatz von Fermenten wie FKE in der Schweineproduktion“, sagt Natalia Nöllenburg von der BOKU Wien. Außerdem husteten und niesten FKE-Tiere auch weniger. „Unsere Hypothese, dass FKE die Diversita?t des Mikrobioms fo?rdert, sich positiv auf den Darm auswirkt und zu weniger Schwanzverletzungen fu?hrt, wurde besta?tigt.“

Mikrobiom und Verhalten

In der Praxis werden seit vielen Jahren verschiedene probiotische Pra?parate oder auch Phytobiotika eingesetzt, da bekannt ist, dass das Verhalten von Tieren mit dem Mikrobiom im Darm zusammenha?ngen kann. Die BOKU und die Vetmeduni forschen schon seit Jahrzehnten zum Tierwohl und zur Verbesserung der Haltungssysteme von Schweinen in jeglicher Lebensphase. Das Projekt „SauWohl“ trug dazu bei, physiologische Vorga?nge im Zusammenhang mit anatomischen (a?ußerlichen) Indikatoren wie z. B. Schwanzverletzungen besser zu verstehen. So konnte zum ersten Mal in Praxisbetrieben ein Zusammenhang zwischen Schwanzla?ngen sowie verletzten Schwa?nzen und Vera?nderungen des Darm-Mikrobioms hergestellt werden. Die Ergebnisse zeigten auch, dass diese Zusammenha?nge abha?ngig vom Alter der Schweine und vom Betrieb waren.

Dominik Eckl, Tierarzt und Hofkultur- Projektleiter. © Hütthaler

Gesunde Tiere – hochwertige Lebensmittel

Die Partnerbetriebe, die fu?r das Tierwohllabel „Hu?tthalers Hof kultur“ arbeiten, eigneten sich fu?r das Projekt ganz besonders. Denn die Schweine haben in der Mastperiode doppelt so viel Platz, eingestreute Liegefla?chen sowie Zugang zu einem Außenklimabereich. Die Schwa?nze werden nicht kupiert. „Nur gesunde Tiere ko?nnen die Basis fu?r qualitativ hochwertige Lebensmittel tierischen Ursprungs darstellen“, betont Dominik Eckl, Tierarzt und Hofkultur-Projektleiter. Er war von Beginn des Projekts an davon überzeugt, dass die Zufütterung von FKE positive Auswirkungen auf das Tier haben kann und die Tiegesundheit verbessert. „Dies hat sich nun durch das Projekt ”Sauwohl” und der professionellen, wissenschsftlichen Betrachtung in vielen Bereichen positiv bestätigt. Einige gewonnene Aspekte bilden nicht nur einen Mehrwert fu?r die Landwirtschaft, sondern laden auch dazu ein, genauer hinzuschauen und mo?gliche Folgeprojekte daraus zu generieren“, erga?nzt Eckl. Die Hu?tthaler KG will nun die Verwendung von FKE in der Zufu?tterung weiter fo?rdern.

Die Niederl GmbH von Markus, Alois und Gabi Niederl (v.l.n.r.) im steirischen Gnas setzt seit vielen Jahren auf die Kraft von FKE. © The Schubidu Quartet

Erfolge mit Multikraft: Praxis- Bericht von Schweinezu?chter Niederl

Alois Niederl, Schweinema?ster in der Su?doststeiermark, war einer der Ersten, der Fermentierten Kra?uterextrakt von Multikraft in seinem Stall angewandt hat. Bereits 1997 begann er ihn probeweise einzusetzen, um Geru?che zu reduzieren. Er nennt es selbst einen vollen Erfolg: „Der Effekt war nicht nur, dass der aggressive Geruch verschwunden war, sondern dass auch die Tiere ruhiger geworden sind. Die Nachbarn in unserem unmittelbaren Umfeld sind natu?rlich begeistert, weil die Geruchsemission so gering gehalten wird“, berichtet er. Besucht man seinen Betrieb, spu?rt man die Vorteile des langja?hrigen Einsatzes von FKE, erza?hlt Andreas Danninger: „Wir kommen meistens zu Kunden, wenn sie bereits massive Probleme haben – die merkt man auch gleich bei der Ankunft. Der langja?hrige Einsatz von FKE auf dem Betrieb von Alois Niederl ist der Beweis dafu?r, dass der langfristige Einsatz unserer Produkte dafu?r sorgt, dass man keine Probleme mehr hat oder erst gar keine bekommt. Wer den Betrieb kennt, weiß, dass er tolle Leistungen erbringt und die Geruchsbelastung dabei a?ußerst gering ist. Das ist natu?rlich fu?r Mensch und Tier von Vorteil und so sollte es auch sein.“

Kleiner Anfang, stetiger Ausbau

Alois Niederl startete damit, FKE in den Molkebeha?lter zu leeren – das war fu?r ihn am einfachsten. Als er merkte, dass die Tiere ruhiger wurden, begann er nach dem Auswaschen Bo?den, Decke und Wa?nde damit zu bespru?hen. „Das machen wir nach u?ber zwanzig Jahren immer noch so“, erza?hlt er. Das Desinfizieren habe er durch diese probiotische Variante kurzerhand ersetzt. Den Einsatz von FKE hat er schließlich auf die Zucht und auf die Ferkel ausgeweitet. Dadurch seien die Fliegen viel weniger geworden und auch die Gu?llewirtschaft habe sich auffallend zum Positiven entwickelt. „Fru?her mussten wir in den Vollspalten die Gruben aufru?hren, damit die Gu?lle abfließt. Seit fu?nfzehn Jahren brauchen wir jetzt schon die Gu?llepumpe gar nicht mehr. Es reicht, wenn wir FKE mitfu?ttern und anschließend den Stall damit ausspru?hen. Die Gu?lle fließt, wenn man sauber auswa?scht, einwandfrei ab. Das ist natu?rlich eine enorme Arbeitserleichterung“, berichtet der Schweinehalter. Auch den Kleinstferkeln sei damit geholfen: Wenn bei ihnen Durchfall auftritt, stellt er FKE auch pur und nach Belieben zur freien Entnahme ein; das wirke a?hnlich, als wu?rde man sie mit einem Medikament behandeln, ist aber vo?llig natu?rlich.

Frisches Aroma im Betrieb

Niederl betreibt auch eine Biogasanlage, fu?r die er 30 Prozent betriebseigene Gu?lle verwendet; der Rest ist eine Ganzpflanzensilage. FKE setzt er auch zum Silieren ein – er kauft 2.000 bis 3.000 Tonnen Nassmais aus der Region zu. Da nicht jeder die gleiche Qualita?t liefert, kann mit dem Einsatz von FKE in der Silage mo?glichen Fehlga?rungen und anderen Qualita?tsverlusten sehr gut vorgebeugt wer- den. „Ich bin heilfroh, dass wir FKE haben. Das Verha?ltnis von Leistung und FKE-Einsatz passt sehr gut und ist wirtschaftlich rentabel. Auch im Ackerbau werden wir in Zukunft versta?rkt das Multikraft-System einsetzen, da der konsequente Einsatz von Medikamenten und Pflanzenschutzmitteln nicht nachhaltig ist und auch immer strenger reglementiert wird“, erza?hlt Alois Niederl. Auch die na?chste Generation mo?chte FKE weiter einsetzen. Markus Niederl, er wird der Nachfolger seines Vaters im Betrieb, ist mit dem Multikraft-System aufgewachsen und „kennt es gar nicht anders“. „Wenn man den Stall nach dem Waschen mit FKE ausspru?ht, kehrt ein frisches Aroma ein, das ist natu?rlich sehr angenehm. Durch die Flu?ssigkeitsaufnahme mit FKE sehen wir zudem einen positiven Effekt auf den Magen-Darm-Trakt der Tiere, wodurch, wie schon von meinem Vater erwa?hnt, zum Beispiel auch Ferkeldurchfa?lle sehr schnell wieder gut werden. Die Tiere nehmen es auch von selbst sehr gerne auf – fast so, als wu?ssten sie, was gut fu?r sie ist. Ich sehe also u?berhaupt keinen Grund, es nicht weitereinzusetzen“, erkla?rt der Nachwuchs-Landwirt abschließend.

Unterstu?tzung fu?r Landwirtschaft

Auch fu?r den FKE-Hersteller Multikraft hat das Projekt wichtige Erkenntnisse geliefert, vor allem fu?r die Dosierempfehlungen des flu?ssigen Erga?nzungsfuttermittels. FKE entsteht u?brigens durch die Fermentation von verschiedenen Kra?utern mittels Laktobazillen und Hefen. Multikraft-Gescha?ftsfu?hrer Lukas Hader betont: „Durch die wis- senschaftliche Evaluierung der Effekte kann eine bessere Akzeptanz der Produkte bei Tierhalter:innen und Veterina?rmediziner:innen erreicht werden. Die Daten dienen als Unterstu?tzung bei der Beratung von Landwirt:innen und einer leichteren Vermarktbarkeit.“ Die Erkenntnisse der Studie nutzt Multikraft nun fu?r die Weiterentwicklung des Produkts. „Außerdem ko?nnen wir die Anwendungsempfehlungen nun adaptieren und einen Leitfaden als Unterstu?tzung fu?r die Landwirt:innen anbieten“, sagt Hader.

Folgeprojekt sehr wahrscheinlich

Die Projektpartner haben bereits u?ber ein mo?gliches Folgeprojekt diskutiert. Inhalte ko?nnten das Ausweiten auf weitere Betriebe, der Vergleich des Darm-Mikrobioms von Tieren in verschiedenen Haltungssystemen oder die Wirkung von FKE auf tra?chtige Schweine, ungeborene Ferkel und Ferkel in der Sa?ugeperiode sein. Heidrun Hochreiter, Managerin des Lebensmittel-Clusters, ist u?berzeugt: „Das Projekt ‚SauWohl‘ hat einen wissenschaftlichen Beitrag zum Zusammenhang zwischen Schwanzbeißen und Darm-Mikrobiom geliefert. Da diese Zusammenha?nge noch wenig wissenschaftlich erforscht sind, ist ein Folgeprojekt der Partner im Lebensmittel-Cluster sehr wahrscheinlich. Somit leisten wir auch weiterhin einen wichtigen Beitrag fu?r die Tiergesundheit und Qualita?t der Lebensmittel fu?r unsere Konsument:innen.“