
Die Diskussion über die neuen Tiertransportvorschriften der EU-Kommission am Montag im Agrarrat zeigte deutlich, wie unterschiedlich die Prioritäten der Mitgliedstaaten sind. Während einige Länder auf striktere Regeln drängen, pochen andere auf den Schutz ökonomischer Interessen, insbesondere jene an den EU-Außengrenzen.
Ambitionierte Standards gefordert
Deutschland, Dänemark, die Niederlande, Österreich und Luxemburg setzen sich für strengere Tierwohlstandards ein. Diese Länder argumentieren, dass die Bürger der Europäischen Union höhere Standards beim Tierwohl wünschen. Die deutsche Staatssekretärin Silvia Bender betonte die Notwendigkeit besserer Regelungen für Langstreckentransporte, besonders bei Jungtieren und Transporten per LKW und Schiff. Luxemburg forderte sogar ein Verbot der Ausfuhr von Schlachttieren aus der EU, da europäische Normen in Drittstaaten oft nicht eingehalten würden. Frankreich hingegen lehnt Einschränkungen bei lebenden Tierexporten ab.
Widerstand aus Osteuropa
Tschechien gehört zu den Ländern, die weniger weitreichende Regeln bevorzugen und wirtschaftliche Interessen betonen. Die tschechischen Vertreter verwiesen auf die Bedürfnisse der Bauern und deren jüngste Proteste. Bulgarien und Rumänien forderten längere Übergangsfristen für die neuen Regelungen, wobei Rumänien auf die zusätzlichen Kosten hinwies, die durch strengere Standards entstehen würden. Polen betonte die möglichen negativen Konsequenzen für Verbraucher und Produzenten und fordert daher eine sorgfältige Abwägung der Entscheidungen.
Bedenken von Randstaaten
Auch Spanien äußerte Skepsis gegenüber den Vorschlägen. Insbesondere Staaten in Rand- oder Insellagen, wie Irland, Zypern und Griechenland, unterstrichen ihre geografischen Besonderheiten und die damit verbundenen Herausforderungen. Irland befürchtet eine Abkopplung vom europäischen Binnenmarkt. Finnland kritisierte den Vorschlag, Außentemperaturen bei Transporten über neun Stunden auf mindestens minus fünf Grad zu begrenzen, als unpraktikabel.
Tiertransporte in der EU – Einingung noch nicht in Sicht
Die Diskussionen im Agrarrat zeigen, wie unterschiedlich die Ansichten innerhalb der EU zu den Tiertransportvorschriften sind. Während einige Länder striktere Standards fordern, betonen andere die Notwendigkeit wirtschaftlicher Rücksichtnahme und langer Übergangsfristen. Die endgültige Einigung bleibt abzuwarten.