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Handel & Direktvermarktung

Platz da! Wie steht es um die Pute in Österreich?

Wenn es um Haltungsbedingungen geht, steht die heimische Pute gut da: Mit nur etwa zwei schlachtreifen männlichen Tieren pro Quadratmeter hat Österreich in Sachen Tierwohl bei diesem Geflügel die Nase vorn. Dennoch wird besonders in der Gastronomie häufig Putenfleisch aus dem Ausland serviert. Mit dem Wissen um ihre Haltung könnte man Konsumentinnen und Konsumenten heimische Pute und ihre Qualität schmackhaft machen.

Wenn es um den Einkauf geht, sind alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten sich meist selbst am nächsten: Der Preis bestimmt zu einem großen Teil, was letzten Endes auf den Tellern landet – so auch bei Putenfleisch. Wüssten Konsumentinnen und Konsumenten jedoch Bescheid, welche Haltung sie mit dem Griff zu importierter Pute zeigen, sähe die Sache wohl anders aus. Denn die Produktionsstandards außerhalb Österreichs sind mitunter deutlich niedriger als hierzulande. Die heimische Geflügelbranche ist, was Tierwohl betrifft, im internationalen Vergleich sogar ein regelrechter Überflieger: Mehr Platz als in unseren Ställen haben Puten per Gesetz in kaum einem anderen Land.

Mast-Standard, ein Must-have?

EU-weite, gesetzliche Vorgaben hinsichtlich der Besatzdichte bei konventionellen Putenmastställen existieren nicht. Die österreichische Tierhaltungsverordnung spricht jedoch eine klare Sprache. Hierzulande sind nicht mehr als 40 Kilogramm Pute pro Quadratmeter zugelassen. Das entspricht in etwa zwei ausgewachsenen männlichen Tieren. In anderen EU-Ländern wird es für Puten enger, dort sind 60 bis 70 Kilogramm pro Quadratmeter Standard. Vereinzelte freiwillige Beschränkungen, wie sie etwa in Deutschland zu finden sind, bilden die Ausnahme.

Höhere Standards in der Mast machen die Pute aus Österreich dennoch nicht zu einem „Must“ (have), wie die Konsumzahlen zeigen: Im Lebensmitteleinzelhandel legen Konsumentinnen und Konsumenten lediglich etwa zur Hälfte heimisches Putenfleisch ins Wagerl. Im Außer-Haus-Verzehr kommen sogar nur rund zehn Prozent des Putenfleisches aus Österreich. Eine der Ursachen ist der geringe Preis, um den importiertes Putenfleisch erhältlich ist.

Kopf oder Zahl? Haltung zeigen!

Wie lässt sich der Wettbewerbsnachteil des höheren Preises in den Köpfen also durch den Tierwohlvorteil ersetzen? Indem Zweiterer so klar wie möglich vermittelt wird: So äußern Konsumentinnen und Konsumenten in Umfragen durchaus den Wunsch nach mehr Tierwohl. Hier hätte die österreichische Pute mit ihrer geringen Besatzdichte leichtes Spiel. Ihre Haltung müsste jedoch in der Wahrnehmung von verarbeitenden Betrieben, Gastronomie und schlussendlich Konsumentinnen und Konsumenten verankert werden.
Wie lässt sich der Griff ins Regal – oder zum Gericht mit heimischen Zutaten – also in Richtung Österreich bewegen? Zum Beispiel, indem die Branche sich selbiges auf die Fahnen heftet. Ein Konzept, das funktioniert, wie der zunehmende Erfolg von Gastronomiebetrieben zeigt, die die Verwendung heimischer Lebensmittel kommunizieren. Die Pute ist eines dieser Lebensmittel, bei dem es gilt, Haltung zu zeigen.

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