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Fairness-Paket gefordert: Lage der Legehennen-Halter in Österreich

In Graz fordert Vizepräsidentin Maria Pein ein Fairness-Paket für heimische Legehennen-Halter. Trotz Umstellung auf Alternativhaltung stehen viele Ställe leer, während Importe dominieren.

In der Steiermark haben sich viele Legehennen-Halter traditionell der alternativen Haltung ihrer Hennen verschrieben. Doch trotz dieser nachhaltigen Herangehensweise an die Tierhaltung stehen aktuell viele Ställe leer. Maria Pein, die Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer, informiert, dass trotz der geringeren Anzahl an Hennen die Versorgung mit Ostereiern in der steirischen Bevölkerung gesichert ist. Ein Durchschnittssteirer konsumiert rund 8 gefärbte Ostereier während der Osterzeit. Ein Faktor, der zu der verminderten Haltung beiträgt, sind die gestiegenen Kosten in den Bereichen Energie, Verpackung und Logistik sowie der Druck durch massive Eierimporte aus Ländern mit niedrigeren Tierschutzstandards. In den Jahren 2021 bis 2022 hat sich die Menge der importierten Eier sogar verfünffacht. Pein und Hans-Peter Schlegl, Obmann der steirischen Legehennen-Halter, sprechen sich für ein „Drei-Punkte-Fairness-Paket“ aus, das unter anderem eine durchgängige und verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Eiern und Eiprodukten vorsieht.

Bedeutung der heimischen Eierproduktion

Die Haltung von Legehennen in Österreich, besonders in der Steiermark, zeichnet sich durch strenge Tierschutz– und Umweltstandards aus. Einige der Aspekte, die die heimische Eierproduktion auszeichnen, sind die Limitierung der Hennenanzahl pro Stall und im Freiland, die Pflicht zur Stempelung jedes Eies direkt nach der Entnahme aus dem Nest, der Verzicht auf gentechnisch modifizierte Futtermittel sowie auf das Schnabelkürzen und eine durchgehende Kontrolle der gesamten Warenströme. Darüber hinaus wird in der Steiermark und in ganz Österreich großen Wert auf eine genaue jährliche Gesundheitskontrolle durch den Tiergesundheitsdienst gelegt.

Bedenklicher Anstieg der Eierimporte

Der starke Anstieg der Eierimporte stellt eine bedeutende Herausforderung für die heimischen Betriebe dar. Deutlich wird dies am Vergleich der Importzahlen: Während im Jahr 2022 rund 62 Millionen importierte Eier verzeichnet wurden, waren es im Vorjahr bereits mehr als 300 Millionen – ein enormer Anstieg, der die lokalen Produzenten unter Druck setzt.

Lösungsansätze mit dem Fairness-Paket

Das geforderte Drei-Punkte-Fairness-Paket zielt darauf ab, die Stellung heimischer Produzenten zu stärken und den Konsumenten eine bewusste Wahl zu ermöglichen. Die bereits von einigen Betrieben umgesetzte Herkunftskennzeichnung soll dabei helfen, Transparenz zu schaffen und die Vorzüge regionaler Produkte hervorzuheben. Die Maßnahmen reichen von der verpflichtenden Kennzeichnung der Eiherkunft in der Gastronomie bis hin zur Förderung der Verwendung heimischer Eier in Kantinen und anderen Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen.

Konsumenten & Produzenten müssen umdenken

Die aktuelle Situation der Legehennen-Halter in der Steiermark und in ganz Österreich erfordert ein Umdenken bei Konsumenten, Produzenten und politischen Entscheidungsträgern. Nur durch gemeinsame Anstrengungen und die Unterstützung eines fairen Handelsrahmens kann die Zukunft der heimischen Eierproduktion gesichert werden, um weiterhin höchste Standards in Tierschutz und Qualität gewährleisten zu können.

 

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