Landwirtschaft & Umwelt

Früheres Aus für dauernde Anbindehaltung bei Milchkühen 

Die sogenannte „dauernde“ Anbindehaltung bei Milchkühen ist in Neubauten seit einigen Jahren verboten, das Tierschutzgesetz sieht für bestehende Ställe Ausnahmen vor, die 2030 auslaufen. Um Betriebe zu einem früheren Umstieg zu motivieren, treibt die AMA Marketing nun die Weiterentwicklung des Gütesiegels für Milch und Milchprodukte voran. Gleichzeitig schnürt Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig ein Investitionsprogramm, um Bäuerinnen und Bauern auf diesem Weg zu unterstützen.

Die AMA Marketing setzt gemeinsam mit der Branche den nächsten Schritt und entwickelt das AMA Gütesiegelprogramm für Milch und Milchprodukte weiter: Ab 1. Jänner 2024 wird es keine dauernde Anbindehaltung auf AMA-Gütesiegel Milchviehbetrieben mehr geben.

Die Ausnahme betrifft aktuell noch ca. 10% der Milchbetriebe in ganz Österreich,

das sind etwa 2.500 Betriebe. Laut konservativen Schätzungen der AMA-Marketing wird mindestens die Hälfte dieser Betriebe mit Umsetzung des weiterentwickelten Gütesiegels umsteigen.

Investitionsprogramm für Umstiegshilfe

Zusätzlich erlässt Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig eine Sonderrichtlinie für ein Investitionsprogramm, da der Umstieg bis 2024, wie im AMA-Fachgremium beschlossen, und der gesetzliche bis 2030 Bäuerinnen und Bauern vor eine große Herausforderung stellt. Ziel ist, Betriebe, die bis zu 2 Jahre vor der gesetzlichen Frist aus der dauernden Anbindehaltung umsteigen – also bis Ende 2027 – finanziell zu unterstützen. Dafür stehen 30 Mio. Euro jährlich zur Verfügung.

„Um der gesellschaftlichen Erwartungshaltung gerecht zu werden, entwickelt die AMA-Marketing ihr Gütesiegel für Milch und Milchprodukte weiter: Ab 2024 werden die Ausnahmetatbestände für die dauernde Anbindehaltung nicht mehr anerkannt. Im neuen Tierschutzpaket endet die dauernde Anbindehaltung mit Ende 2030. Beides ist für die betroffenen Bäuerinnen und Bauern eine große Herausforderung. Darum schnüre ich ein Investitionsprogramm, um Betriebe, die bis Ende 2027 umsteigen, zu unterstützen. Das ist vielleicht nicht der leichte Weg, aber der richtige, den wir gemeinsam mit den Bauern gehen.“

Stefan Lindner, Obmann Rinderzucht Austria

„Das AMA-Gütesiegel ist weiterhin ein Garant für hohe Qualität, kontrollierte Herkunft und mehr Tierwohl. Mit dem Ende der dauernden Anbindehaltung in der Basisstufe setzt die Branche nun den nächsten Schritt. Darüber hinaus werden im neuen Modul für höhere Tierwohlstandards mindestens 120 Auslauftage garantiert. Mit dem Bekenntnis zum Einsatz von Futtermitteln aus Europa setzt die Branche ein starkes Zeichen in Richtung Klimaschutz und Umweltverantwortung und sichert damit die kleinen Familienbetriebe im österreichischen Berggebiet ab.“

Georg Strasser, Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses

„Unsere Bauernfamilien profitieren von mehr Tierwohl. Denn nur ein gesundes Tier ist auch ein leistungsfähiges Tier. Das Ende der dauernden Anbindehaltung ist ein unumgänglicher Schritt für die Rinderhaltung und festigt die weltweite Vorreiterrolle Österreichs. Mit Blick auf die internationalen Märkte bleibt die österreichische Milchwirtschaft damit absolut konkurrenzfähig. Wir verbessern unsere Standards und sichern zugleich die Kombinationshaltung dort ab, wo es notwendig ist. Dafür braucht es aber bei Investitionen die notwendige politische Unterstützung. Mit dem Investitionsprogramm des Landwirtschaftsministeriums ist schon ein erster wichtiger Schritt gelungen. Jetzt sind Handel und Konsumenten an der Reihe, den geleisteten Mehraufwand für die höheren Standards in der Rinderhaltung abzugelten.“

Josef Moosbrugger, Präsident Landwirtschaftskammer Österreich

„Der Weg ist klar: Die dauernde Anbindehaltung bei Rindern ist ein Auslaufmodell, die Weichen werden jetzt gestellt. Das stärkt die Position der AMA Gütesiegel-Produkte am Markt. Die Konsumenten müssen aber mitziehen, ihre Solidarität ist genauso gefragt.“

„Wir fordern die Molkereien auf, in enger Abstimmung mit der Landwirtschaft praxistaugliche Übergangslösungen für unsere betroffenen Bauernhöfe zu erarbeiten. Das ist für den Erhalt dieser tierhaltenden Betriebe und die heimische Versorgungssicherheit wichtig. Für Betriebe, die mitziehen und umrüsten, braucht es gesicherte Abnahmegarantien von weiteren 24 Monaten. Das ist wichtig, damit die Betriebe auch in der Lage sind, die notwendigen Veränderungen und damit verbundenen Investitionen zu tätigen.“

Innovative, praxistaugliche Stallbaulösungen bei „Bergmilchvieh-Projekt“ erarbeitet

„Um eine fachliche Unterstützung für die betroffenen Betriebe zu liefern, haben wir im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) gemeinsam mit der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, den Molkereien und Bio Austria das ‚Bergmilchvieh-Projekt‘ durchgeführt. Dabei konnten wir innovative Stallbaulösungen – gerade für kleinere Bergbauernhöfe – entwickeln und auf ihre Praxistauglichkeit untersuchen. Das ist ein weiterer wichtiger Ansatz, um unsere Bauernfamilien auf dem Weg raus aus der dauernden Anbindehaltung zu unterstützen“, berichtet der LKÖ-Präsident.

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