Die trockene Witterung bringt Österreichs Rinderhalter zunehmend unter Druck. Auf vielen Betrieben werden die Futterreserven knapp, Weiderinder müssen deshalb früher als ursprünglich geplant vermarktet werden. Das zusätzliche Angebot trifft nun auf einen Markt, der diese Mengen kurzfristig aufnehmen muss.

Billa reagiert darauf mit einer um 20 Prozent höheren Abnahme von Rindfleisch aus den Programmen Ja! Natürlich und ALMO „Fair zum Tier!“. Die zusätzlichen Tiere werden zu fix vereinbarten Preisen übernommen. Grundlage dafür sind die bestehenden Partnerschaften mit österreichischen Landwirten und der Erzeugergemeinschaft ARGE Rind.

Für die heimische Rinderwirtschaft ist das vor allem deshalb relevant, weil der wetterbedingte Angebotsdruck nicht aus einer gestiegenen Produktion entsteht. Vielmehr zwingt der Futtermangel Betriebe dazu, Tiere früher abzugeben und damit Vermarktungsentscheidungen vorzuziehen.

Mehr Rindfleisch kommt früher auf den Markt

Trockenperioden treffen Rinderbetriebe doppelt. Sinkende Erträge auf Wiesen und Weiden reduzieren zunächst die verfügbare Futtermenge. Gleichzeitig steigt der Druck, vorhandene Vorräte für die kommenden Monate zu sichern.

Gerade bei Weiderindern kann das dazu führen, dass Tiere früher verkauft werden müssen. Laut ARGE Rind bleibt vielen Betrieben bei knapper Futterversorgung derzeit kaum eine andere Möglichkeit.

„Verlässliche Abnahmepartner sind gerade in solchen Ausnahmesituationen besonders wichtig“, betont ARGE-Rind-Geschäftsführer Werner Habermann.

Dass zusätzliche Mengen jetzt in bestehende Vermarktungsprogramme übernommen werden, kann den kurzfristigen Preisdruck zumindest abfedern. Entscheidend ist dabei, dass nicht nur einzelne besonders gut verkäufliche Teilstücke zusätzlich nachgefragt werden.

Billa setzt auf das ganze Rind

Billa will die höheren Mengen nach dem Nose-to-Tail-Prinzip vermarkten. Im Rahmen der Tierwohlprogramme übernimmt der Händler das gesamte Tier und nicht ausschließlich Filet, Beiried oder andere stark nachgefragte Edelstücke.

Genau darin liegt für die Fleischwirtschaft ein wesentlicher Punkt. Zusätzliche Schlachtmengen lassen sich nur nachhaltig vermarkten, wenn auch weniger gefragte Teilstücke entsprechende Absatzwege finden.

In den kommenden Wochen sollen Produkte aus den Programmen ALMO „Fair zum Tier!“, Ja! Natürlich Weidegenussrind und Ja! Natürlich Weidejungrind verstärkt in den Billa- und Billa-Plus-Märkten angeboten werden. Geplant sind Aktionen im Selbstbedienungsbereich ebenso wie an den Bedientheken.

Erich Szuchy, Vorstandsvorsitzender von Billa, sieht die Maßnahme als Unterstützung für die heimische Landwirtschaft. „Solche Phasen lassen sich nur gemeinsam bewältigen“, erklärt Szuchy. Die höheren Abnahmemengen sollen zusätzliche Absatzmöglichkeiten schaffen und den Markt entlasten.

Fixe Preise geben den Betrieben Planungssicherheit

Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist neben der zusätzlichen Menge vor allem die Preisfrage entscheidend. Billa übernimmt die zusätzlichen Rinder nach Unternehmensangaben zu fixen Preisen, die im Rahmen der bestehenden Partnerschaften vereinbart wurden.

Damit unterscheidet sich die Maßnahme von einer reinen kurzfristigen Aktionsvermarktung. Gerade in einer Phase mit erhöhtem Angebot schützt eine vereinbarte Preisbasis die Produzenten zumindest teilweise davor, dass wetterbedingt notwendige Verkäufe unmittelbar in stärkeren Preisabschlägen enden.

Wie stark die zusätzlichen 20 Prozent den gesamten österreichischen Rindfleischmarkt tatsächlich entlasten können, hängt allerdings vom weiteren Verlauf der Trockenheit, den verfügbaren Futtermengen und der Entwicklung der Schlachtzahlen ab. Für die betroffenen Partnerbetriebe schafft die zusätzliche Abnahme zunächst einen konkreten Absatzkanal.

Tierwohlfleisch erreicht bei Billa 50 Prozent Umsatzanteil

Die Aktion fügt sich zugleich in die langfristige Fleischstrategie des Händlers ein. Nach eigenen Angaben bietet Billa seit 2020 Frischfleisch über alle Kategorien hinweg ausschließlich aus österreichischer Herkunft an. Dazu zählen Rind, Kalb, Schwein, Geflügel, Wild und Lamm.

Die Tiere werden laut Unternehmen in Österreich geboren, aufgezogen und verarbeitet. Neben der heimischen Wertschöpfung verkürzen sich dadurch Transportwege und Lieferketten.

Mittlerweile entfallen nach Angaben von Billa 50 Prozent des Umsatzes im Frischfleischsegment auf Tierwohlprodukte. Für den österreichischen Fleischmarkt ist das eine bemerkenswerte Größenordnung: Höhere Haltungsstandards sind damit zumindest innerhalb dieses Sortiments längst kein kleines Zusatzsegment mehr.

Zusätzlicher Absatz muss auch beim Konsumenten ankommen

Für die kommenden Wochen liegt der entscheidende Schritt nun im Verkauf. Die 20 Prozent höhere Abnahme kann landwirtschaftliche Betriebe nur dann dauerhaft entlasten, wenn die zusätzlichen Mengen auch vom Markt aufgenommen werden.

Mit österreichweiten Rindfleisch-Schwerpunkten und Aktionen will Billa genau diesen Absatz stimulieren. Für Produzenten, Fleischwirtschaft und Handel wird dabei interessant sein, wie gut sich nicht nur die klassischen Edelteile, sondern das gesamte Tier vermarkten lässt.

Die aktuelle Situation macht einmal mehr deutlich, wie unmittelbar Witterung, Landwirtschaft, Schlachtplanung und Lebensmittelhandel miteinander verbunden sind. Wenn Futter knapp wird, verschiebt sich innerhalb weniger Wochen das Angebot entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die zusätzliche Abnahme schafft hier kurzfristig Luft – und setzt zugleich voraus, dass österreichisches Rindfleisch auch auf Konsumentenseite entsprechend nachgefragt wird.