Nach jahrelanger Diskussion hat Vorarlberg wieder einen größeren Schlachtbetrieb im Rheintal: Der neue Schlachthof der ZÄMMA Schlacht- und Zerlege GmbH in Rankweil-Brederis ist in Betrieb. Die Anlage soll vor allem lange Tiertransporte reduzieren und die regionale Fleischwertschöpfung vom landwirtschaftlichen Betrieb bis zur Vermarktung wieder stärker im Land halten. Nach Angaben des ORF sollen dort künftig rund 6.000 Rinder jährlich verarbeitet werden.

Seit Dezember 2021 fehlte in Vorarlberg ein größerer Schlachthof. Damals musste der frühere Schlachthof in Dornbirn schließen. Nun ist nach jahrelanger Planung die Nachfolgelösung in Rankweil-Brederis Realität. Der neue Betrieb befindet sich auf dem Gelände des bestehenden Schweinemast- und Schlachtbetriebs von Markus Gstach. Über die Inbetriebnahme berichtete ORF Vorarlberg am 13. August 2026.

Für die regionale Landwirtschaft ist der neue Standort weit mehr als ein zusätzlicher Verarbeitungsbetrieb. Gerade bei Rindern und Kälbern sollen Transportwege deutlich verkürzt werden. Damit geht es gleichzeitig um Tierwohl, regionale Wertschöpfung und die Frage, wie viel Infrastruktur eine eigenständige Fleischwirtschaft in einem Bundesland braucht.

Rund 6.000 Rinder sollen in Rankweil verarbeitet werden

Nach aktuellen Angaben des ORF plant die ZÄMMA Schlacht- und Zerlege GmbH, jährlich rund 6.000 Rinder am Standort Rankweil zu verarbeiten. Das entspricht laut ORF ungefähr jener Kapazität, die früher der Dornbirner Schlachthof hatte.

Bei früheren Planungen waren die Kapazitäten noch etwas anders dargestellt worden. Das Land Vorarlberg sprach beim Spatenstich im Oktober 2025 von rund 6.000 Nutztieren pro Jahr, darunter Kühe, Rinder, Kälber und Schweine. Die Landwirtschaftskammer Vorarlberg beschreibt die Anlage als Schlacht- und Zerlegebetrieb für Rinder, Kälber, Schweine, Schafe und Ziegen.

Die unterschiedlichen Zahlen zeigen auch, dass sich Betriebsplanung und Auslastung während der Aufbauphase weiterentwickelt haben. Entscheidend für die Vorarlberger Fleischwirtschaft ist zunächst, dass wieder eine leistungsfähige regionale Schlacht- und Zerlegestruktur vorhanden ist.

Weniger Kälber über die Grenze transportieren

Besonders wichtig ist der neue Schlachthof für die Kälbervermarktung. In den vergangenen Jahren mussten Tiere aus Vorarlberg teilweise über weite Strecken zu Schlachtbetrieben außerhalb des Bundeslandes und auch ins benachbarte Ausland transportiert werden.

Bereits in einem früheren Bericht von Fleisch & Co über die Planungen in Rankweil wurde darauf hingewiesen, dass Rinder unter anderem nach Süddeutschland gebracht werden mussten. Gerade für die regionale Vermarktung von Kälbern aus der Milchviehhaltung war das zunehmend problematisch.

Mit dem neuen Betrieb sollen nun möglichst viele Tiere wieder im eigenen Bundesland geschlachtet werden. Das verkürzt die Transportdauer, reduziert Belastungen für die Tiere und erleichtert regionalen Vermarktern eine durchgängige Herkunftsgeschichte.

Tierwohl beginnt bereits vor der Betäubungsbox

Beim Neubau wurde auch die Gestaltung der Tierannahme neu gedacht. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Vorarlberg verfügt die Anlage über einen geräuscharmen Wartestall und eine sogenannte Temple-Grandin-Kurve als Zutrieb zur Betäubungsbox.

Das Konzept nutzt das natürliche Bewegungsverhalten von Rindern und soll einen möglichst ruhigen und stressarmen Zutrieb ermöglichen. Großzügige Kühlkapazitäten und eine moderne Schlacht- und Zerlegeanlage sollen zusätzlich hohe Hygiene- und Qualitätsstandards ermöglichen.

Die Anlage ist laut Landwirtschaftskammer AMA-zertifiziert beziehungsweise für die Teilnahme an den relevanten Vorarlberger Markenprogrammen vorgesehen. Damit können regionale Qualitäts- und Vermarktungsprogramme direkt über den neuen Standort abgewickelt werden.

Zerlegung bringt Chancen für Metzger und Direktvermarkter

Für die Fleischwirtschaft liegt ein weiterer wichtiger Punkt in der Zerlegung. ZÄMMA bietet nicht nur die Schlachtung an, sondern kann Tiere anschließend auch zerlegen. Davon profitieren neben Metzgereien insbesondere bäuerliche Direktvermarkter.

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer können Direktvermarkter geschlachtete Tiere beispielsweise verkaufsfertig zu Mischpaketen zerlegen lassen. Damit entsteht im Land eine Dienstleistung, die für kleinere Betriebe wirtschaftlich kaum selbst abzubilden wäre.

Gerade bei regionalen Fleischprogrammen entscheidet schließlich nicht allein die Herkunft des Tieres über die Wertschöpfung. Schlachtung, Kühlung, Zerlegung, Verarbeitung und Vermarktung müssen ebenfalls funktionieren. Je mehr dieser Schritte in der Region stattfinden, desto größer ist der Anteil der Wertschöpfung, der tatsächlich im Land bleibt.

Breite bäuerliche Beteiligung hinter ZÄMMA

Die ZÄMMA Schlacht- und Zerlege GmbH wurde 2023 gegründet. Hinter dem Unternehmen steht keine einzelne Organisation, sondern eine breite Kooperation aus der Vorarlberger Landwirtschaft und Fleischwirtschaft.

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer gehören zu den Gesellschaftern der Maschinenring Vorarlberg, die VMG Vermarktungsgemeinschaft Ländle Qualitätsfleisch eGen, Bio Vorarlberg, die Ländle Vieh Vermarktung eGen, Spar-Lieferanten sowie Markus Gstach und Elmar Weißenbach.

Geschäftsführer des neuen Schlachtbetriebs ist Reinhold Kräutler, Obmann der Vorarlberger Fleischrinderzüchter und Biobauer aus Koblach. Für die Viehannahme ist Metzger Philipp Hochenhofer zuständig. Zu Beginn sind laut Landwirtschaftskammer Dienstag und Freitag als Schlachttage vorgesehen.

Drei Millionen Euro Unterstützung des Landes

Ohne öffentliche Unterstützung wäre das Projekt in dieser Form kaum entstanden. Das Land Vorarlberg fördert die Investition mit rund drei Millionen Euro. Bei der Grundsteinlegung beziehungsweise dem Spatenstich im Oktober 2025 bezeichneten die Landesräte Christian Gantner und Daniel Allgäuer den Schlachthof als wichtigen Schritt für Regionalität, Tierwohl und Wertschöpfung.

Das Land argumentiert dabei auch mit Versorgungssicherheit. Regionale Schlachtkapazitäten reduzieren die Abhängigkeit von Betrieben außerhalb Vorarlbergs und können insbesondere bei Tierseuchen, Transportbeschränkungen oder anderen Krisensituationen eine wichtige Rolle spielen.

Die öffentliche Finanzierung war allerdings über Jahre politisch umstritten. Die SPÖ kritisierte wiederholt die Höhe der Landesunterstützung. Auch frühere Planungen für eine Schlachthoflösung sorgten für Diskussionen. Laut ORF kostete ein früheres Konzept mit 44 Präsentationsfolien 126.000 Euro und führte zu Kritik des Landes-Rechnungshofes.

Von der jahrelangen Debatte zum laufenden Schlachtbetrieb

Dass nun tatsächlich Tiere in Rankweil geschlachtet werden, ist deshalb der entscheidende Unterschied zu den vergangenen Jahren. Seit 2016 wurde in Vorarlberg über die Zukunft der regionalen Schlachtstruktur diskutiert. Nach der Schließung des Dornbirner Schlachthofs Ende 2021 wurde die Situation für Landwirtschaft, Direktvermarkter und regionale Fleischprogramme nochmals dringlicher.

Im August 2023 wurde schließlich die ZÄMMA Schlacht- und Zerlege GmbH gegründet, im Oktober 2025 erfolgte der Spatenstich. Anfang Juli 2026 sollte die neue Anlage nach Angaben der Landwirtschaftskammer ihren Betrieb aufnehmen. Mitte August bestätigte der ORF schließlich die erfolgte Inbetriebnahme.

Für Vorarlberg beginnt damit jetzt der praktisch entscheidende Teil: Der neue Schlachthof muss ausreichend ausgelastet werden und dauerhaft wirtschaftlich arbeiten. Je mehr heimische Tiere tatsächlich in Rankweil geschlachtet, zerlegt und anschließend regional vermarktet werden, desto stärker kann die Anlage jene Aufgabe erfüllen, für die sie nach vielen Jahren Diskussion errichtet wurde: kürzere Wege für die Tiere und mehr Wertschöpfung für die Vorarlberger Landwirtschaft und Fleischwirtschaft.

„`