Was ist der Concours du Meilleur Boudin?
Einmal im Jahr wird ein kleines Städtchen in der Normandie zum Nabel der Fleischhandwerks-Welt. Mortagne-au-Perche, rund 150 Kilometer südwestlich von Paris gelegen, ist für Charcutiers und Metzger das, was Cannes für Filmschaffende ist: der Ort, an dem Ruhm errungen – oder verpasst – wird. Der Anlass: der Concours International du Meilleur Boudin, der internationale Wettbewerb um die beste Blutwurst der Welt.
2026 fand der Bewerb zum 63. Mal statt. Und Österreich war dabei – mit einem Ergebnis, das sich sehen lassen kann.
Seit mehr als 50 Jahren findet der Concours jeweils am dritten Märzwochenende statt – organisiert von der Confrérie des Chevaliers du Goûte-Boudin, einer gastronomischen Bruderschaft, die sich dem Erhalt und der Förderung der Blutwurst-Tradition verschrieben hat. Die Veranstaltung ist eingebettet in die Foire au Boudin, ein dreitägiges Volksfest, das rund 25.000 Besucher und 170 Aussteller anzieht. Hunderte Proben aus allen Ecken Frankreichs, Europas und darüber hinaus treten an um den begehrten Titel des besten Boudins.
Wer darf teilnehmen?
Zugelassen sind Charcutiers, Metzger und Fleischer sowie Lehrlinge – sofern ihr Ausbildner ebenfalls persönlich antritt. Jeder Teilnehmer muss ehrenwörtlich bestätigen, dass das eingereichte Produkt aus eigener Herstellung stammt.
Wie läuft der Wettbewerb ab?
Die Einsendungen müssen bis spätestens 11. März einlangen und müssen 800 Gramm Blutwurst auf Basis von gekochtem Blut in natürlichem Darm umfassen. Empfohlen wird Vakuumverpackung und Versand per Expresspost.
Das Beurteilungsverfahren läuft zweistufig: Eine Vorauswahl trifft am Donnerstag eine Kommission aus Fachleuten, Mitgliedern der Confrérie und Konsumenten. Die endgültige Auswahl obliegt am Freitag einem Grand Jury aus namhaften Persönlichkeiten der Charcuterie sowie Mitgliedern der Académie Normande des Confréries Gastronomiques. Entscheidend: Die Blutwürste werden kalt und ungegrillt verkostet. Kein Tamtam, keine Dekoration – nur das Produkt selbst zählt.
Kategorien und Auszeichnungen
Für die Kategorie „Boudin Traditionnel“ wurden sieben geografische Zonen gebildet, die jeweils gesondert bewertet werden. Kreativwürste – süß und salzig – sowie der Boudin Antillais werden auf nationaler Ebene verglichen. Für die deutschsprachigen Länder gilt eine eigene internationale Wertung.
Die Auszeichnungen reichen vom Grill d’Or National über den Grill d’Or Régional bzw. International bis zu Goldmedaille, Silbermedaille, Bronzemedaille und Mention Honorable.
Österreich 2026: Neun Medaillen, vier Bundesländer
Beim 63. Concours, dessen Ergebnisse am 16. März 2026 veröffentlicht wurden, holte Österreich insgesamt 9 Medaillen – dreimal Gold, dreimal Silber, dreimal Bronze.
Markus Dormayer, Langenzersdorf (NÖ) ist der große österreichische Überflieger des Jahres: Er sicherte sich Medaillen in gleich vier Kategorien – Gold im Boudin Traditionnel, Silber im Boudin Créatif Salé, Bronze im Boudin Créatif Sucré und Bronze beim Boudin à Frire. Eine Leistungsbreite, die europaweit ihresgleichen sucht.
Lukas Haudum (Helfenberg, OÖ) und Christoph Ostermann (Pöndorf, OÖ) erkämpften sich je eine Goldmedaille in der Kategorie Boudin à Frire – Oberösterreich zeigte damit besondere Stärke in dieser handwerklich anspruchsvollen Disziplin.
Julia Fröhlich (Wien) holte Silber im Boudin Traditionnel – ein starkes Ergebnis für die Bundeshauptstadt im direkten Vergleich mit deutschen und französischen Konkurrenten.
Matthias Sandtner (Salzburg) sicherte sich Silber beim Boudin à Frire. Julius Meiringer (Gols, Burgenland) komplettiert das österreichische Medaillenaufgebot mit Silber im Boudin Créatif Sucré – bemerkenswert, dass aus der burgenländischen Weinregion auch handwerkliche Kreativität auf höchstem Niveau kommt.
| Teilnehmer | Ort | Kategorie | Medaille |
|---|---|---|---|
| Markus Dormayer | Langenzersdorf, NÖ | Boudin Traditionnel | 🥇 Gold |
| Lukas Haudum | Helfenberg, OÖ | Boudin à Frire | 🥇 Gold |
| Christoph Ostermann | Pöndorf, OÖ | Boudin à Frire | 🥇 Gold |
| Julia Fröhlich | Wien | Boudin Traditionnel | 🥈 Silber |
| Markus Dormayer | Langenzersdorf, NÖ | Boudin Créatif Salé | 🥈 Silber |
| Julius Meiringer | Gols, Burgenland | Boudin Créatif Sucré | 🥈 Silber |
| Matthias Sandtner | Salzburg | Boudin à Frire | 🥈 Silber |
| Markus Dormayer | Langenzersdorf, NÖ | Boudin Créatif Sucré | 🥉 Bronze |
| Markus Dormayer | Langenzersdorf, NÖ | Boudin à Frire | 🥉 Bronze |
Ein Signal für das österreichische Fleischerhandwerk
Das Ergebnis ist mehr als eine Ansammlung von Medaillen. Es zeigt, dass österreichische Metzger und Fleischer im internationalen Vergleich nicht nur mithalten können – sondern in mehreren Kategorien zur Weltspitze gehören. Der Concours du Meilleur Boudin ist kein Marketing-Event, sondern ein streng blindes Fachjury-Verfahren. Wer dort Gold holt, hat es sich verdient.
Die Preisverleihung findet am 30. März 2026 in der Salle des Fêtes in Mortagne-au-Perche statt.





