Ein Nachmittag, der zeigt, was möglich ist, wenn eine Branche zusammensteht: Das Fleisch-Könner-Treffen am 19. März in der Landesberufsschule Hollabrunn war mit rund 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht nur hervorragend besucht, sondern auch von einer spürbar positiven Aufbruchsstimmung getragen. Die Initiatoren Wolfgang Seidl, Doris Steiner, Martin Steiner und Jakob Ellinger konnten ihren Stolz kaum verbergen.
Starker Start mit klarer Agenda in Hollabrunn
Zum Auftakt stand eine Besichtigung der Landesberufsschule am Programm, bevor es in den Veranstaltungssaal ging. Dort wurde rasch klar, dass es nicht um ein gewöhnliches Branchentreffen ging, sondern um eine Plattform mit klarer inhaltlicher Richtung und konkreten Zielen.
Fleischerhandwerk unter Druck: Zahlen zeigen klare Entwicklung
Wolfgang Seidl eröffnete mit einer engagierten Rede und gab einen Überblick über die Arbeit der Steuerungsgruppe. Im Zentrum standen zahlreiche Gespräche mit Politik und Wirtschaft sowie ein umfassend erarbeitetes Positionspapier. Besonders deutlich wurde die Situation im Wettbewerb angesprochen: Rund 90.000 landwirtschaftliche Betriebe stehen etwa 35.000 Direktvermarktern gegenüber, davon rund 10.500 im Fleischbereich. Dem gegenüber stehen nur mehr 603 gewerbliche Fleischereibetriebe mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zahlen, die die Dimension der Verschiebung klar machen. Gefordert werden daher faire Rahmenbedingungen im Anlagenrecht, Steuerrecht und bei Kontrollen. Ein zentrales Anliegen: beraten statt strafen. Gleichzeitig wurde der Blick nach vorne gerichtet, etwa mit der geplanten Hollandreise, bei der erfolgreiche Organisationsmodelle analysiert werden sollen.
Mitarbeiter finden und halten: Neue Wege im Personalmanagement
Dass die Fleisch-Könner nicht nur analysieren, sondern auch konkrete Impulse setzen, zeigte der Vortrag von Mag. Gerhard Habitzl zum Thema Personalmanagement. Mitarbeitergewinnung funktioniert heute ähnlich wie Kundenbindung. Betriebe müssen sich als attraktive Arbeitgeber positionieren und aktiv auf potenzielle Mitarbeiter zugehen. Ergänzend wurde die Bedeutung moderner Jobbörsen hervorgehoben. Entweder man bespielt jede große Plattform einzeln oder nutzt branchenspezifische Lösungen wie die Jobbörse von Fleisch & Co, die relevante Ausschreibungen bündelt und eigene Inserate ermöglicht.
Meister mit Matura: Ausbildung als Schlüssel zur Fachkräftebindung
Wie eng Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung zusammenhängen, wurde im nächsten Programmpunkt deutlich. Mit „Meister mit Matura“ entsteht eine Ausbildungsschiene, die Lehrlingen innerhalb von sechs Jahren sowohl den Meisterabschluss als auch die Matura ermöglicht. Ein Modell, das Betrieben hilft, Fachkräfte langfristig zu sichern und jungen Menschen echte Perspektiven zu bieten. Das Angebot ist für Betriebe und Lehrlinge kostenfrei. Weitere Informationen finden sich unter www.meistermitmatura.at. Eine detaillierte Vorstellung folgt in der nächsten Ausgabe von Fleisch & Co.
12 Millionen Kontakte: Fleisch-Könner steigern Sichtbarkeit
Wie stark die Initiative auch in der Öffentlichkeit wirkt, zeigte KommR. Mag. Wolfgang Kessler. Die Werbeaktivitäten reichen von klassischen Kampagnen bis zu Social Media und erzielten zuletzt eine Reichweite von rund 12 Millionen Kontakten pro Jahr. Ein klares Signal für die gestiegene Sichtbarkeit des Fleischerhandwerks.
Lehrlingswettbewerb Niederösterreich: Gold, Silber und 3x Bronze
Emotionaler Höhepunkt war die Siegerehrung des Landeslehrlingswettbewerbs – Gold, Silber und gleich drei Mal Bronze wurden vergeben. Die Ergebnisse wurden erst beim Treffen bekanntgegeben, entsprechend groß war die Spannung im Saal. Neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich zuvor anspruchsvollen Aufgaben gestellt – vom fachgerechten Auslösen eines Kröpels über präzises Zuschneiden bis hin zu Arbeiten unter Zeitdruck und der Präsentation. Die Bewertung erfolgte streng und nachvollziehbar durch mehrere Juroren unter der Organisation von Ing. Thomas Bergmann.
Den Sieg holte sich Thomas Spindlberger vom Ausbildungsbetrieb Peter Bauer in Arbesbach, gefolgt von Tobias Sengseis von der Fleischerei Lechner in Scheibbs. Besonders spannend wurde es beim dritten Platz: Gleich drei Teilnehmer – Bianca Neimer von der Martin Böck GmbH, Andreas Rammer von der Berer GmbH und Andreas J. Spreitzer von der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollenstein – erreichten dieselbe Punkteanzahl und wurden ex aequo ausgezeichnet. „Unser Berufsnachwuchs hat absolute Top-Leistungen gezeigt“, betonte Doris Steiner bei der Siegerehrung.
Prominente Stimmen: Unterstützung für Fleischereibetriebe
Auch die prominenten Ehrengäste unterstrichen die Bedeutung der Branche. Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister hob die zentrale Rolle der dualen Ausbildung hervor, die Praxis und Wissen verbindet und damit die Basis für qualifizierte Fachkräfte bildet. WKNÖ-Vizepräsident Christian Moser verwies auf die massiven Herausforderungen durch Energiekosten, Bürokratie und Wettbewerbsnachteile gegenüber Direktvermarktern und betonte gleichzeitig die Stärke des heimischen Fleischerhandwerks. AK-Präsident Markus Wieser stellte die Bedeutung von Regionalität in den Mittelpunkt und unterstrich: „Ich bin ein Bündnispartner für Regionalität.“
Fleisch-Könner 2026: Imagekampagne wird weiter ausgebaut
Ein starkes Signal kam auch von BIM-Stellvertreter Horst Stierschneider, der die Initiative als vorbildlich bezeichnete und eine mögliche Ausweitung auf ganz Österreich ins Spiel brachte. Gleichzeitig wurde klar: Die erfolgreiche Imagekampagne „Fleischkönner“ wird 2026 weitergeführt und mit zusätzlichen regionalen Schwerpunkten weiter intensiviert.
Starker Abschluss mit Standing Ovations
Beim anschließenden Ausklang mit Buffet und Gesprächen wurde deutlich, wie viel Energie in dieser Branche steckt. Der offizielle Teil endete mit Standing Ovations und einer sichtlich gerührten Doris Steiner – ein Moment, der zeigt, dass es hier um mehr geht als nur um ein Treffen: um Zusammenhalt, Engagement und die Zukunft des Fleischerhandwerks.





















































