Der österreichische Lebensmittelhandel hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Hohe Energiepreise, neue gesetzliche Vorgaben, steigende Betriebskosten und eine äußerst preissensible Kundschaft haben den Markt 2025 massiv gefordert. Trotzdem konnte sich der Lebensmitteleinzelhandel erstaunlich stabil behaupten. Wie medianet.at berichtet, gelang dem Handel sogar ein reales Umsatzplus von 0,7 Prozent – trotz eines Umfelds, das weiterhin von Unsicherheit geprägt ist.

Vor allem Diskonter wie Hofer und Lidl konnten zulegen, während Marktführer Spar seine dominante Position weiter ausbaute. Gleichzeitig steigen entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Kosten weiter an. Die Branche fordert deshalb zunehmend Entlastung und weniger Bürokratie.

Handel zwischen Teuerung, Regulierung und Konsumdruck

Für den österreichischen Lebensmittelhandel bleibt die Lage angespannt. Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, beschreibt einen Markt, der „leider nicht zur Ruhe“ komme. Der Handel sei nicht Auslöser der Teuerungswelle gewesen, sondern selbst massiv davon betroffen.

Besonders belastend wirken laut Branche steigende Energiepreise, hohe Logistikkosten und zusätzliche gesetzliche Auflagen. Dazu zählen etwa neue Kennzeichnungspflichten bei Shrinkflation, strengere Grundpreisauszeichnungen sowie die Diskussion um weitere Abgaben wie eine Plastiksteuer oder nationale Paketabgaben.

Die Sorge innerhalb der Branche: Neue Belastungen könnten eine leichte wirtschaftliche Erholung rasch wieder abwürgen. Auch die volatile internationale Lage wirkt sich zunehmend direkt auf Preise und Versorgungssicherheit aus.

Sinkende Margen trotz steigender Umsätze

Die Umsatzentwicklung wirkt auf den ersten Blick solide. Doch viele Handelsunternehmen kämpfen mit sinkenden Margen. Christian Prauchner, Obmann des Fachverbands Lebensmittelhandel in der Wirtschaftskammer Österreich, verweist darauf, dass entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Kosten deutlich gestiegen seien.

Sichtbar wurde die schwierige Lage zuletzt unter anderem durch das Ausscheiden von Unimarkt aus Teilen des Marktes. Gleichzeitig zeigt sich aber auch die Stabilität der großen Handelsstrukturen: Viele Nahversorgungsstandorte konnten übernommen und weitergeführt werden.

Gerade in Krisenzeiten profitieren große Handelsgruppen von ihrer Logistik, ihrer Kapitalstärke und ihrer Fähigkeit, Standorte schnell zu integrieren.

Lidl und Hofer wachsen besonders stark

Klarer Gewinner der aktuellen Marktphase sind die Diskonter. Vor allem Lidl konnte 2025 kräftig zulegen. Mit einem geschätzten Umsatz von 2,03 Milliarden Euro und einem Plus von sieben Prozent erzielte das Unternehmen den stärksten Zuwachs unter den großen Handelsketten.

Lidl betreibt mittlerweile mehr als 250 Filialen in Österreich und sieht weiterhin Expansionspotenzial. Der Wettbewerb um attraktive Standorte bleibt intensiv.

Auch Hofer zählt erneut zu den großen Gewinnern des Jahres. Der Umsatz stieg auf 5,4 Milliarden Euro, der Marktanteil im österreichischen Lebensmittelhandel liegt inzwischen bei 20,6 Prozent.

Hofer profitiert dabei nicht nur von seiner Preispositionierung, sondern vor allem von starken Eigenmarken und zusätzlichen Services. Konzepte wie „Zurück zum Ursprung“, Hofer Grünstrom oder der Mobilfunkanbieter HoT zeigen, dass Diskont heute deutlich breiter aufgestellt ist als noch vor einigen Jahren.

Der moderne Diskonter verbindet Preiswürdigkeit zunehmend mit Regionalität, Bio-Angeboten und Zusatznutzen.

Spar baut Marktführerschaft weiter aus

An der Spitze des österreichischen Lebensmittelhandels bleibt Spar klar dominant. Der Marktführer steigerte seinen Umsatz 2025 auf 10,82 Milliarden Euro. Der Marktanteil liegt mittlerweile bei beeindruckenden 36,2 Prozent.

Wie medianet.at berichtet, investierte Spar zuletzt massiv in Standortmodernisierung, Digitalisierung und Sortimentserweiterung. Dazu zählen unter anderem elektronische Preisauszeichnungen und digitale Produktwelten.

Bemerkenswert ist dabei auch die Entwicklung der selbstständigen Spar-Kaufleute. Nicht nur die Filialen wachsen, sondern auch die Kaufleute innerhalb des Systems entwickeln sich weiterhin positiv.

Spar positioniert sich damit erfolgreich als Kombination aus moderner Handelsstruktur, regionaler Nähe und hoher Versorgungssicherheit.

Rewe investiert Milliarden in Logistik und Struktur

Auch Rewe bleibt einer der zentralen Player im österreichischen Lebensmittelhandel. Der Konzern steigerte seinen Bruttoumsatz 2025 auf 11,36 Milliarden Euro. Zum Konzern gehören unter anderem Billa, Billa Plus, Penny und Adeg.

Besonders stark setzt Rewe aktuell auf Investitionen. In den kommenden drei Jahren sollen rund 1,5 Milliarden Euro in Infrastruktur und Logistik fließen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Neuorganisation der Trockensortimentslogistik in Wiener Neudorf.

Zusätzlich übernahm Rewe zuletzt zahlreiche ehemalige Unimarkt-Standorte und integrierte diese in die Netze von Billa, Penny und Adeg.

Damit setzt der Konzern verstärkt auf Versorgungssicherheit, Effizienz und langfristige Marktstabilität.

MPreis und Nah&Frisch setzen auf Regionalität und Nähe

Neben den großen Konzernen versuchen auch regionale und selbstständige Handelsmodelle, sich erfolgreich zu behaupten.

Das Tiroler Familienunternehmen MPreis erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von rund 1,006 Milliarden Euro. Im Mittelpunkt stehen laut Unternehmensführung Regionalität, Kundennähe und lokale Partnerschaften.

Nah&Frisch wiederum zeigt, dass auch selbstständige Kaufleute weiterhin ihren Platz im Markt haben können. Besonders dynamisch entwickeln sich dabei sogenannte Hybridmärkte, die klassische Nahversorgung mit digitalen Konzepten kombinieren.

Diese Hybridstandorte erzielten laut Branchenangaben durchschnittliche Umsatzsteigerungen von 21 Prozent. Das Netz soll 2026 weiter ausgebaut werden.

Der LEH bleibt im Wandel

Der österreichische Lebensmittelhandel zeigt 2025 ein klares Bild: Große Systeme gewinnen weiter an Bedeutung, Diskonter wachsen stark und Investitionen in Logistik sowie Versorgungssicherheit nehmen zu.

Gleichzeitig bleibt der Druck enorm. Hohe Kosten, neue Regulierungen und sinkende Margen belasten die Branche nachhaltig.

Dennoch zeigt sich auch, dass regionale Nähe, starke Eigenmarken, moderne Handelskonzepte und flexible Strukturen weiterhin entscheidende Erfolgsfaktoren im LEH bleiben. Wie medianet.at berichtet, arbeitet sich der Handel damit Schritt für Schritt aus der Defensive – auch wenn die Herausforderungen keineswegs kleiner werden.