Die geplante Einführung eines Sachbezugs für privat genutzte Elektro-Dienstautos sorgt in Österreich für deutlichen Widerstand aus Wirtschaft und Leasingbranche. Im Zentrum der Kritik steht die angekündigte Abschaffung der bisherigen steuerlichen Begünstigung für E-Firmenfahrzeuge im Rahmen des Doppelbudgets 2027/2028. Unternehmen warnen vor steigenden Kosten, fehlender Planungssicherheit und möglichen Rückschritten bei der Mobilitätswende.

Unternehmen warnen vor Vertrauensverlust

Besonders kritisch sehen viele Betriebe die geplante Änderung, weil in den vergangenen Jahren gezielt in Elektromobilität investiert wurde. Zahlreiche Unternehmen haben ihre Fuhrparks auf E-Fahrzeuge umgestellt, Ladeinfrastruktur aufgebaut und neue Mobilitätskonzepte entwickelt.

Die Wirtschaftskammer Österreich spricht dabei von einem problematischen Signal für den Standort. „Wer Unternehmen zuerst in Richtung E-Mobilität lenkt und dann die Spielregeln ändert, beschädigt das Vertrauen in den Standort massiv“, erklärt Markus Roth, Obmann der Bundessparte Information und Consulting der WKÖ.

Gerade langfristige Investitionen würden stabile politische Rahmenbedingungen benötigen. Rückwirkende Änderungen könnten laut Wirtschaftskammer die Investitionsbereitschaft vieler Betriebe bremsen.

Höhere Kosten für Arbeitnehmer und Betriebe

Bislang waren rein elektrische Dienstfahrzeuge von der Sachbezugsbesteuerung ausgenommen. Dieser Vorteil machte E-Autos vor allem im Firmenbereich attraktiv. Laut dem Verband österreichischer Leasing-Gesellschaften werden rund 70 Prozent aller neu zugelassenen Elektroautos in Österreich von Unternehmen angeschafft.

Mit der geplanten Neuregelung müssten Arbeitnehmer künftig auch bei Elektro-Dienstwagen einen geldwerten Vorteil versteuern, etwa bei privater Nutzung oder Fahrten zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Dadurch steigen die laufenden Kosten für Beschäftigte deutlich.

Hinzu kommt, dass viele Elektrofahrzeuge in der Anschaffung weiterhin teurer sind als vergleichbare Verbrenner. Der steuerliche Vorteil spielte daher für viele Unternehmen eine zentrale Rolle bei Investitionsentscheidungen.

Sorge um Wettbewerbsfähigkeit und Fachkräfte

Die WKÖ sieht zusätzlich Risiken für den Wirtschaftsstandort Österreich. Besonders wissensintensive Branchen nutzen steuerlich begünstigte E-Dienstfahrzeuge gezielt als Vorteil im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter.

Nach Berechnungen der Wirtschaftskammer könnten Unternehmen mit größeren Elektroflotten erhebliche Mehrkosten entstehen. Als Beispiel nennt die Bundessparte einen Betrieb mit 25 E-Firmenautos, bei dem zusätzliche Belastungen von rund 40.000 Euro pro Jahr möglich wären.

Leasingwirtschaft fordert stabile Rahmenbedingungen

Auch die Leasingbranche spricht sich gegen kurzfristige Änderungen aus. Alexander Nekolar, Präsident des Verbandes österreichischer Leasing-Gesellschaften, fordert langfristig verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen.

Neben wirtschaftlichen Auswirkungen verweist der Verband auch auf die klimapolitische Bedeutung elektrisch betriebener Firmenfahrzeuge. Elektroautos im betrieblichen Einsatz leisten laut VÖL einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von CO₂-Emissionen und zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.

Übergangsregelungen gefordert

Sowohl die WKÖ als auch der VÖL sprechen sich zumindest für klare Übergangsregelungen aus. Bereits angeschaffte Fahrzeuge und laufende Investitionen sollten von möglichen Änderungen ausgenommen bleiben. Neue Regelungen sollten ausschließlich für zukünftige Anschaffungen gelten.

Damit könnten Unternehmen ihre Investitionsstrategien schrittweise anpassen und ein Teil der Planungssicherheit erhalten bleiben.

Auch Handwerks- und Lebensmittelbetriebe betroffen

Die Diskussion betrifft längst nicht nur Großunternehmen. Auch viele Handwerks-, Gewerbe- und Lebensmittelbetriebe setzen zunehmend auf elektrische Firmenfahrzeuge, etwa für Zustellungen, Serviceeinsätze oder regionale Lieferketten.

Gerade kleinere und mittlere Unternehmen kalkulieren Investitionen oft über viele Jahre. Änderungen bei steuerlichen Rahmenbedingungen wirken sich daher direkt auf Fuhrparkplanung, Betriebskosten und Mobilitätsstrategien aus.

Zwischen Klimazielen und Budgetdruck

Die Debatte rund um den Sachbezug für Elektro-Dienstautos zeigt den schwierigen Balanceakt zwischen Budgetkonsolidierung, Klimapolitik und wirtschaftlicher Planbarkeit. Für viele Unternehmen steht dabei weniger die grundsätzliche Besteuerung im Mittelpunkt als die Frage nach verlässlichen und langfristig stabilen Rahmenbedingungen für Investitionen in Elektromobilität.