Seit 1. September geben 30 Billa und zehn Billa Plus Märkte in Wien Frischfleisch an karitative Einrichtungen weiter. Das gemeinsame Projekt von Billa und Die Tafel Österreich wurde zuvor mehr als ein Jahr lang getestet. Dabei konnten bereits über zwei Tonnen Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch vor der Entsorgung bewahrt werden.

Die Besonderheit des Projekts liegt vor allem im Umgang mit einem besonders sensiblen Lebensmittel. Bei Frischfleisch sind Haltbarkeit, Haftung, Hygiene und die lückenlose Kühlkette entscheidend. Gemeinsam mit der Lebensmittelbehörde wurde deshalb ein eigener Prozess für die sichere Weitergabe entwickelt.

Von acht auf 40 Märkte

Seit April 2025 beteiligten sich zunächst fünf Billa und drei Billa Plus Märkte in Wien am Testbetrieb. Mit September wurde das Projekt für vorerst drei Monate auf insgesamt 40 Standorte erweitert.

Gespendet wird ausschließlich abgepacktes Fleisch aus dem Selbstbedienungsbereich und nur am Tag des Verbrauchsdatums. Besonders sensible Produkte wie Faschiertes und Innereien bleiben von der Weitergabe ausgeschlossen.

Bei Geflügel gelten zusätzliche Anforderungen: Es wird nur übernommen, wenn es noch am selben Tag vollständig durcherhitzt beziehungsweise verkocht wird.

Fleischspenden-Abholung bei einer BILLA PLUS Filiale durch Die Tafel Österreich © BILLA/Robert Harson
Fleischspenden-Abholung bei einer BILLA PLUS Filiale durch Die Tafel Österreich © BILLA/Robert Harsonmehr anzeigen
Endlich wieder Fleisch : Gemeinsames Essen im Häferl © Janine Schranz
Endlich wieder Fleisch : Gemeinsames Essen im Häferl © Janine Schranzmehr anzeigen
Fleischspenden-Abholung bei einer BILLA PLUS Filiale durch Die Tafel Österreich © BILLA/Robert HarsonEndlich wieder Fleisch : Gemeinsames Essen im Häferl © Janine Schranz

Kühlkette bleibt entscheidend

Die Abholung erfolgt durch Die Tafel Österreich sowie beteiligte soziale Einrichtungen mit Kühlfahrzeugen oder entsprechenden Kühlboxen. Die Empfänger können das Fleisch noch vor Ablauf des Verbrauchsdatums verkochen, weitergeben oder tiefkühlen.

Die Tafel Österreich stellt den beteiligten Einrichtungen darüber hinaus einen Leitfaden für den sicheren Umgang mit den Produkten zur Verfügung und koordiniert Abholung und Verteilung über ihre digitale Tafel-Drehscheibe.

Für den Fleischbereich ist dieser geregelte Ablauf wesentlich. Anders als bei vielen anderen Lebensmitteln lässt die kurze Haltbarkeit kaum Spielraum bei Transport und Weiterverarbeitung.

Mehr als 400 Teller

Zu den Einrichtungen, die bereits während der Testphase Fleisch erhielten, gehört das „Häferl“ der Stadtdiakonie Wien. Das sogenannte „Wirtshaus für Alle“ versorgt armutsbetroffene und wohnungslose Menschen mit frisch gekochten Mahlzeiten.

Nach Angaben von Häferl-Leiter Tobias Riener steigt die Zahl der ausgegebenen Portionen an Tagen mit Fleischgerichten um bis zu ein Viertel. Teilweise werden mehr als 400 Teller serviert. Aufgrund der zusätzlichen Waren konnte die Einrichtung mittlerweile einen zweiten Fleischtag pro Woche einführen.

Neue Wege gegen Lebensmittelverluste

Hintergrund des Projekts ist auch eine Veränderung bei der klassischen Lebensmittelrettung. Optimierte Bestell- und Warenwirtschaftssysteme sorgen im Handel dafür, dass insgesamt weniger überschüssige Lebensmittel entstehen. Für karitative Organisationen bedeutet das allerdings auch geringere verfügbare Mengen.

Die Tafel Österreich versucht deshalb, zusätzliche Warenströme zu erschließen. 2025 konnte die Organisation nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Tonnen gerettete Lebensmittel an über 85.000 Menschen in Österreich weitergeben.

Auch Billa arbeitet bereits mit zahlreichen sozialen Einrichtungen zusammen. Nach Unternehmensangaben wurden 2025 über 23 Millionen sogenannte Mahlzeiten-Äquivalente gespendet.

Mit dem neuen Modell wird nun ein Bereich erschlossen, der aufgrund seiner hygienischen Anforderungen bislang besonders schwierig war. Gelingt der dreimonatige Rollout in den 40 Wiener Märkten, könnte daraus auch für die Weitergabe hochwertiger tierischer Lebensmittel ein dauerhaft praktikabler Weg entstehen.