Steigende Energiepreise, unsichere Märkte, Personalmangel und neue Auflagen setzen Europas Fleischerbetriebe zunehmend unter Druck. Bei der Frühjahrstagung des Internationalen Fleischerverbandes (IBC) in Klagenfurt diskutierten Branchenvertreter aus mehreren Ländern über die größten Herausforderungen für das europäische Fleischerhandwerk – aber auch über gemeinsame Lösungen und neue Perspektiven.
Die Herausforderungen für Europas Fleischer werden nicht kleiner, im Gegenteil. Steigende Energiepreise, unsichere Märkte, Rekordpreise bei Rindfleisch und immer neue bürokratische Auflagen setzen die Betriebe zunehmend unter Druck. Dazu kommen Nachwuchssorgen und akuter Personalmangel, die Fleischereien quer durch Europa beschäftigen. Genau darüber diskutierten Anfang Mai die Delegierten der Mitgliedsverbände des Internationalen Fleischerverbands (IBC) bei ihrer Frühjahrstagung in Klagenfurt.

Ein Highlight der Besichtigung in der Lehrwerkstätte war die vollständig restaurierte, historische Innungsfahne des Kärntner Fleischergewerbes (v. l.): Generalsekretärin Kirsten Diessner, der Präsident des französischen Fleischerverbands Jean-François Guihard, IBC-Präsidentin Jaqueline Balzer und Bundesinnungsmeister Raimund Plautz. © Johannes Rottensteiner
IBC-Präsidentin Jacqueline Balzer begrüßte dazu die Vertreter aus Deutschland, Frankreich, Österreich, den Niederlanden und Luxemburg zur Ratssitzung und Generalversammlung. Die Delegierten aus Dänemark waren entschuldigt. Wie bei den Generalversammlungen üblich eröffnete Balzer die Tagung mit einem ausführlichen Bericht über den „Zustand des europäischen Fleischerhandwerks“. Dabei machte sie deutlich, dass die Branche weiterhin vor massiven Herausforderungen steht:
- Die globale geopolitische Lage hat sich weiter verschlechtert.
- Das Umfeld wird zunehmend instabil: Die Energiepreise steigen rasant, der Welthandel ist gestört, Kunden und Beschäftigte sind verunsichert.
- Die Rindfleischpreise erreichen Rekordhöhen und bedrohen den Rindfleischkonsum.
- Weiters leiden natürlich die Betriebe europaweit unter ähnlichen Problemen: Nachwuchssorgen, Personalmangel und ein Übermaß an Bürokratie halten die Fleischer auf dem Kontinent in Trab.
Handwerk bleibt flexibel
Trotz der vielen problematischen Entwicklungen zeigte sich Balzer in ihrer Grundsatzerklärung durchaus optimistisch. Gerade handwerkliche Betriebe seien ihrer Ansicht nach besonders gut aufgestellt, um ihr Angebot an neue Gegebenheiten und veränderte Märkte anzupassen. Gleichzeitig hob sie die Arbeit des IBC hervor, die wesentlich dazu beitrage, dass neue Vorschriften für kleine und mittlere Unternehmen im Fleischerhandwerk überhaupt praktikabel bleiben.
„Wir haben es wahrlich nicht einfach, trotzdem müssen wir die Flinte nicht ins Korn werfen. Unsere Betriebe zeigen sich immer wieder erstaunlich resilient und offen für Neuentwicklungen“, zeigte sich die europäische Fleischerchefin kämpferisch optimistisch.
Lobbying zeigt Wirkung
IBC-Generalsekretärin Kirsten Diessner berichtete in Klagenfurt auch über mehrere Erfolge gemeinsamer Lobbyarbeit, die sich zuletzt positiv auf Fleischereibetriebe ausgewirkt hätten. Dazu zählen unter anderem Vereinfachungen bei der EU-Entwaldungsverordnung sowie beim sogenannten Omnibus-I-Paket, das die Nachhaltigkeitsberichterstattung und Sorgfaltspflichten betrifft. Fortschritte habe es außerdem beim Schutz von Fleisch und Fleischerzeugnissen sowie bei Maßnahmen gegen unlautere Handelspraktiken gegeben, insbesondere im grenzüberschreitenden B2B-Handel, betonte Diessner.
Streitpunkte bleiben auf dem Tisch
Breiten Raum nahmen bei der Sitzung außerdem die aktuellen politischen und legislativen Entwicklungen in Europa ein, die das Fleischerhandwerk unmittelbar betreffen. Der IBC diskutierte dabei weitere Strategien zu mehreren zentralen Themen. Dazu zählen etwa die Bestrebungen einzelner Mitgliedstaaten, die verpflichtende Herkunftskennzeichnung auf möglichst viele Lebensmittel auszuweiten, ebenso wie die drohende Gefahr, dass traditionelle Räuchermethoden künftig gesetzlich erschwert oder gar verboten werden könnten.
Darüber hinaus berichteten die Delegierten über nationale Maßnahmen und Problemfelder in ihren jeweiligen Ländern. Diskutiert wurden unter anderem neue Lebensmittelsteuern, Herausforderungen bei der Kennzeichnung von Tierhaltungsprodukten sowie drohende Verbote des Einsatzes von Zeitarbeitern im Fleischsektor.
Die Sitzung endete nach viereinhalb Stunden intensiver Diskussionen. Präsidentin Balzer dankte allen Teilnehmern für ihre äußerst wertvollen Beiträge. Ein besonderer Dank galt den österreichischen Delegierten für die Gastfreundschaft in Klagenfurt, einer Stadt mit einzigartiger geografischer Lage und hoher Lebensqualität, nicht zuletzt auch kulinarisch.

Beim Festbankett im Restaurant Maria Loretto hatten sich auch hohe heimische Wirtschaftsvertreter eingefunden (v. l.): Kärntens Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl, IBC-Generalsekretärin Kirsten Diessner, der Obmann des Fleischerverbands Anton Karl und Bundesinnungsmeister Raimund Plautz. © Johannes Rottensteiner
Österreich als Gastgeber
Die heimische Delegation mit Bundesinnungsmeister Raimund Plautz, Bundesinnungsgeschäftsführerin Anka Lorencz und Wiens Fleischerchef Horst Stierschneider hatte für die internationalen Gäste ein umfangreiches Programm vorbereitet. Auf dem Besuchsplan standen unter anderem die Filiale des Fleischerverbands in Klagenfurt, die Lehrwerkstätte des Kärntner Fleischergewerbes sowie die Villacher Fleischerei Frierss.
Das Traditionsunternehmen gilt als Aushängeschild der Branche und ist nicht nur für Kärntner Spezialitäten bekannt, sondern auch für italienische Wurst- und Fleischwaren wie Salami, Mortadella und Prosciutto. Gleichzeitig bietet Frierss ein breites Sortiment österreichischer Wurst- und Schinkenklassiker an.
Seniorchef Rudolf Frierss und Marketingchefin Bettina Rabitsch empfingen die internationale Fleischerabordnung persönlich. Bei einem Betriebsrundgang konnten sich die Gäste vom hohen Niveau der Fleischverarbeitung überzeugen. Produziert wird sowohl im Stammbetrieb in Villach als auch im Schinkenreifebetrieb in Treffen bereits in fünfter Generation.
Die hohe Qualität des Unternehmens wurde über Jahrzehnte hinweg mit hunderten Goldmedaillen ausgezeichnet. Ein besonderer Höhepunkt war dabei die Goldmedaille bei der Weltausstellung in Paris im Jahr 1910.
Zu den kulinarischen Höhepunkten der Tagung zählten außerdem der Besuch im Restaurant Maria Loretto am Wörthersee sowie das abschließende Mittagessen im Feinen Haus von Frierss.
Starkes Signal aus Klagenfurt
Bundesinnungsmeister und Gastgeber Raimund Plautz zog am Ende der Tagung ein äußerst positives Resümee:
„Unsere Gäste haben sich in Klagenfurt pudelwohl gefühlt. Frau Präsidentin Balzer hat mir das bestätigt. Es war uns eine große Freude und Ehre, die Mitglieder des IBC in meiner Heimatstadt Klagenfurt begrüßen zu dürfen.“
Auch Bundesinnungsgeschäftsführerin Anka Lorencz zeigte sich hochzufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung:
„Alle Teilnehmer an der Tagung waren vollkommen hingerissen. Wir hatten ausgesprochen konstruktive Gespräche und konnten die Beziehungen weiter vertiefen.“
IBC – Stimme des europäischen Fleischerhandwerks
Die International Butchers’ Confederation (IBC) vertritt die Interessen des europäischen Fleischerhandwerks auf EU-Ebene. Der Verband vereint sieben nationale Branchenorganisationen aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, den Niederlanden und Dänemark. Insgesamt repräsentiert die IBC mehr als 150.000 handwerkliche Fleischerei- und Cateringbetriebe mit rund einer Million Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro.
Die Wurzeln der Organisation reichen bis ins Jahr 1907 zurück. Seit 1991 unterhält die IBC ein ständiges Generalsekretariat in Brüssel und vertritt dort die Anliegen des Fleischerhandwerks gegenüber den EU-Institutionen.
Zu den wichtigsten Aufgaben zählen die Interessenvertretung bei europäischen Gesetzgebungsverfahren, der Einsatz für praktikable Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Betriebe sowie der internationale Austausch innerhalb der Branche. Darüber hinaus dient die IBC ihren Mitgliedern als Plattform für Vernetzung, Fachinformation und gemeinsame Lobbyarbeit.
Präsidentin der IBC ist die Französin Jacqueline Balzer. Österreich ist mit Bundesinnungsgeschäftsführerin Anka Lorencz als Vizepräsidentin im Präsidium vertreten.










