Beim vierteljährlichen Pressegespräch am 8. Juli 2026 zeichnete Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), gemeinsam mit Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria ein durchwachsenes Bild der Konjunktur – und nutzte die Gelegenheit, um scharfe Kritik an der aktuellen Kürzung der Lehrlingsförderung zu üben. Denn ausgerechnet jene Betriebe, die die Basis der dualen Ausbildung in Österreich bilden, trifft die Maßnahme mit voller Wucht.

Konjunktur ohne Schwung

Die zarte Erholung, die sich nach dem ersten Quartal 2026 in der Bauwirtschaft angedeutet hatte, ist wieder verpufft. Der Konflikt im Nahen Osten, stark gestiegene Energiepreise und die Rückkehr der hohen Inflation haben die Erwartungen zunichtegemacht. „Die aktuellen Konjunkturdaten bestätigen leider, was viele unserer Betriebe im Alltag spüren. Wir kommen nicht vom Fleck“, brachte es Denk auf den Punkt.

Die Zahlen der KMU Forschung Austria zeigen das Ausmaß: Im ersten Quartal 2026 sanken die Auftragseingänge bzw. Umsätze nominell um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Da die Preise im selben Zeitraum um 2,6 Prozent gestiegen sind, fällt die reale, mengenmäßige Entwicklung mit minus 4,6 Prozent noch deutlicher aus. Nur knapp ein Viertel der Betriebe (24 %) konnte Steigerungen verzeichnen, ein Drittel (33 %) musste Rückgänge hinnehmen, 43 Prozent lagen auf Vorjahresniveau.

Geschäftslage bleibt angespannt

Auch im zweiten Quartal 2026 bleibt das Stimmungsbild negativ: 22 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut, 30 Prozent als schlecht, knapp die Hälfte (48 %) als saisonüblich. Der Saldo liegt bei minus 8 Prozentpunkten – nach minus 12 Punkten im Vorquartal immerhin ein leichter Aufwärtstrend. „Die Lage ist heterogen, insgesamt aber ohne erkennbare Dynamik. Besonders in den konsumnahen Branchen spüren wir die Kaufkraftzurückhaltung der Haushalte, während im Baubereich nach wie vor die notwendige Investitionsdynamik fehlt“, analysierte Enichlmair.

Bei den investitionsgüternahen Branchen – dazu zählen unter anderem Baugewerbe, Baunebengewerbe, Tischler, Metalltechniker, Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker, Elektro- und Gebäudetechniker, Kunststoffverarbeiter, Gärtner und Floristen sowie Chemische Gewerbe – zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Zuwächse beim Auftragsbestand verzeichneten Hafner, Platten- und Fliesenleger sowie Keramiker mit 10,1 Prozent, das Baugewerbe mit 8,0 Prozent, Chemische Gewerbe sowie Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger mit 4,7 Prozent und Metalltechniker mit 4,2 Prozent. Deutlich rückläufig war der Auftragsbestand dagegen bei Kunststoffverarbeitern (-15,3 %), im Bauhilfsgewerbe (-14,9 %) und im Holzbau (-11,5 %) – vor allem in den nachgelagerten Branchen des Baugewerbes. Zusätzlich ist der Anteil der Unternehmen mit einem längerfristigen Auftragsbestand von zehn und mehr Wochen zurückgegangen.

Bei den konsumnahen Branchen – Mechatroniker, Fahrzeugtechnik, Kunsthandwerke, Mode- und Bekleidungstechnik, Gesundheitsberufe, Lebensmittelgewerbe, Fußpfleger/Kosmetiker/Masseure, Fotografen, Friseure sowie Personaldienstleister und Sicherheitsgewerbe – verzeichnete keine einzige Branche einen positiven Umsatz-Saldo. Immerhin verbesserten sich einige gegenüber dem Vorjahr: die Fahrzeugtechnik (Saldo -1 Punkt, im Jahresvergleich +5 Punkte), Friseure (-6 Punkte, +7) und Mechatroniker (-20 Punkte, +8). Verschlechtert hat sich die Lage dagegen bei Fußpflegern, Kosmetikern und Masseuren (-19 Punkte, im Jahresvergleich -11), bei Personaldienstleistern und dem Sicherheitsgewerbe (-17 Punkte, -3) sowie im Kunsthandwerk (-10 Punkte, -18).

Auch der Ausblick trübt sich ein

Alarmierend ist, dass auch die Erwartungen für das dritte Quartal 2026 gedämpft bleiben: 16 Prozent der Betriebe rechnen mit Steigerungen bei Auftragseingängen bzw. Umsätzen, 57 Prozent erwarten keine Veränderung, 27 Prozent gehen von Rückgängen aus. Per Saldo überwiegen die pessimistischen Einschätzungen um 11 Prozentpunkte – schlechter als im Vorquartal (-6 Punkte), aber auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Die investitionsgüternahen Branchen blicken mit einem Saldo von minus 15 Prozentpunkten deutlich skeptischer in die Zukunft als die konsumnahen Branchen mit minus 5 Punkten.

„Wir können uns nicht darauf verlassen und abwarten, dass die Krisen von selbst verschwinden. Österreich und Europa müssen sich ihrer Stärken besinnen, statt sich ständig selbst zu fesseln“, appelliert Denk zu Eigeninitiative in mehreren Bereichen. Dazu zählt für ihn eine stärkere Unabhängigkeit von Energieimporten – vom Ausbau der Erneuerbaren Energie und Energieinfrastruktur über grünen Wasserstoff und die Nutzung von Geothermie bis hin zur Förderung heimischer Gasvorkommen als Brückentechnologie. Viele Betriebe im Gewerbe und Handwerk könnten davon als „Motoren und praktische Umsetzer der Klima- und Energiewende“ profitieren.

Entlastung: zwei Schritte vor, eineinhalb zurück

Beim Bürokratie-Abbau seien der Bundesregierung einige Erfolge gelungen, so Denk. Diese drohen jedoch an anderen Stellen zunichtegemacht zu werden – etwa durch die überkomplizierte Mehrwertsteuersenkung für Grundnahrungsmittel oder das Bürokratie-Ungetüm zur EU-Lohntransparenz-Richtlinie, das dem Sozialministerium vorschwebt. „Auf zwei Schritte vorwärts folgen eineinhalb zurück. Diese Selbstfesselung muss ein Ende haben, wenn wir weiterkommen wollen“, mahnt Denk. Er wünscht sich eine rasche Umsetzung des One-Stop-Shops für Bau- und Genehmigungsverfahren, um das „Behörden-Pingpong“ zu beenden, und sieht dafür aus Niederösterreich positive Signale: „Jetzt ist die Reformpartnerschaft gefragt, rasch Resultate zu liefern.“

Als „Stimmungsaufheller“ bezeichnet Denk die Senkung der Lohnnebenkosten ab 2028 – ein aus seiner Sicht großer interessenpolitischer Erfolg der Wirtschaftskammer. Die Betriebe im Gewerbe und Handwerk, der größten Arbeitgebersparte, würden davon am stärksten profitieren: Sie werden um fast 400 Millionen Euro pro Jahr entlastet. „Das ist mehr als ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Davon darf man sich schon einen Schub für Investitionen, Beschäftigung und Wachstum erwarten.“

Lehrlingsförderung: Kürzung mit Ansage

Besonders für ausbildende Betriebe im Gewerbe und Handwerk – und damit auch für viele Fleischereibetriebe – bringt das laufende Jahr eine spürbare Änderung: Für alle Lehrjahre, die ab dem 1. Juli 2026 enden, sinkt die Basisförderung auf 75 Prozent der bisherigen Berechnungsgrundlage. Bisher galt gestaffelt: drei kollektivvertragliche Bruttolehrlingseinkommen für das erste Lehrjahr, zwei für das zweite, je eines für das dritte bzw. vierte. Eine Ausnahme bleibt: Pro Ausbildungsbetrieb und Kalenderjahr kann ein selbst gewählter Lehrling weiterhin zu 100 Prozent der bisherigen Berechnungsgrundlage gefördert werden.

Genau hier setzt Denk mit deutlicher Kritik an. „Knapp 50 Prozent der Betriebe bilden nur einen Lehrling aus“, rechnet er vor. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte der Ausbildungsbetriebe trifft die Kürzung ab dem zweiten Lehrling – und damit ausgerechnet jene Betriebe, die ohnehin schon an der Grenze ihrer Ausbildungskapazität arbeiten. Denk sieht hier die Prioritäten falsch gesetzt.

Verschärft wird die Situation aus seiner Sicht durch die zeitliche Nähe zu einer anderen Wortmeldung: Auf Aussagen von AK-Präsidentin Renate Anderl reagierte er mit Unverständnis. „Gerade an jenem Tag, an dem die staatliche Unterstützung für Ausbildungsbetriebe um ein Viertel gekürzt wird, ist die Rede von ‚großzügigen Lehrlingsförderungen‘ aus unserer Sicht schwer nachvollziehbar.“

„Wer sorgt also dafür, dass die Lehre für junge Menschen attraktiv bleibt – und wer versucht, sich aus der Verantwortung zu stehlen?“
— Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk

Denk verweist dabei auf die Faktenlage: Die Lehrlingseinkommen, die die Betriebe bezahlen, sind seit 2023 je nach Lehrberuf um 19 bis 35 Prozent gestiegen – deutlich stärker als die Inflation. Die staatliche Unterstützung blieb im selben Zeitraum unverändert, weil sie gedeckelt und nicht inflationsangepasst ist. „Unsere Hand ist ausgestreckt, aber wir wollen ein klares Bekenntnis zur Lehre. Unsere Betriebe investieren 2,5 bis 3 Milliarden Euro pro Jahr, um jungen Menschen eine solide Ausbildung und sichere berufliche Zukunft zu bieten. Das verdient Respekt, Wertschätzung und Unterstützung. Das permanente Schlechtreden muss endlich ein Ende haben.“ Zusätzlich verweist er auf eine Umfrage von AK und ÖGB, in der Lehrlinge ihren Ausbildungsbetrieben im Schnitt die Note 2,2 geben. „Ein gutes Gut!“, so Denk dazu.

Denk verweist zudem auf den Antrag „Lehre stärken – Fachkräfte sichern, Ausbildung modernisieren“, den er jüngst im Wirtschaftsparlament der WKÖ eingebracht hat. „Dieser Antrag wurde von allen politischen Fraktionen einstimmig angenommen. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass Österreich jene Fachkräfte erhält, die wir so dringend brauchen. Denn wer heute bei der Lehre spart, zahlt morgen doppelt und dreifach drauf“, so Denk abschließend.

Zwischen Wien und dem Westen: Wo die Lehrstellen fehlen

Ein Blick auf die Landkarte zeigt: Österreichweit gibt es aktuell rund 2.000 mehr Lehrstellen als Lehrstellensuchende. Das Problem liegt also nicht in der Gesamtzahl, sondern in der Verteilung. In Wien fehlen Lehrstellen, während im Westen Österreichs ein deutliches Überangebot herrscht. Für Denk führt daran kein Weg vorbei: Es gelte, junge Menschen mobiler zu machen – nur so ließen sich freie Lehrstellen und Lehrstellensuchende regional besser zusammenbringen.

Die Eckdaten im Überblick

  • Auftragseingänge/Umsätze Q1 2026: nominell -2,1 %, real -4,6 % (Preisentwicklung: +2,6 %); 24 % Steigerungen, 33 % Rückgänge, 43 % auf Vorjahresniveau
  • Geschäftslage Q2 2026: 22 % gut, 30 % schlecht, 48 % saisonüblich – Saldo -8 Prozentpunkte (Vorquartal: -12)
  • Auftragsbestand investitionsgüternahe Branchen: Zuwächse u. a. bei Hafnern/Platten-/Fliesenlegern (+10,1 %), Baugewerbe (+8,0 %), Chemischen Gewerben/Denkmal-/Fassaden-/Gebäudereinigern (+4,7 %), Metalltechnikern (+4,2 %); Rückgänge bei Kunststoffverarbeitern (-15,3 %), Bauhilfsgewerbe (-14,9 %), Holzbau (-11,5 %)
  • Umsatzentwicklung konsumnahe Branchen Q2 2026: keine Branche mit positivem Saldo; Gesamtsaldo -10 Prozentpunkte (15 % Steigerungen, 25 % Rückgänge, 60 % unverändert)
  • Erwartung Q3 2026: 16 % Steigerung, 57 % keine Veränderung, 27 % Rückgang – Saldo -11 Prozentpunkte (investitionsgüternah: -15, konsumnah: -5)
  • Basisförderung Lehre: ab Lehrjahresende 1.7.2026 nur mehr 75 % der bisherigen Grundlage – ausgenommen ein Lehrling pro Betrieb (100 %)
  • Rund 50 % der Betriebe bilden nur einen Lehrling aus
  • Lehrlingseinkommen seit 2023: +19 bis +35 % je nach Lehrberuf
  • Investitionen der Betriebe in Lehrlingsausbildung: 2,5 bis 3 Mrd. Euro pro Jahr
  • Zufriedenheit der Lehrlinge (AK/ÖGB-Umfrage): Durchschnittsnote 2,2
  • Österreichweit ca. 2.000 mehr Lehrstellen als Lehrstellensuchende – regional jedoch stark unausgewogen (Mangel in Wien, Überangebot im Westen)
  • Lohnnebenkostensenkung ab 2028: rund 400 Mio. Euro Entlastung pro Jahr für Gewerbe und Handwerk