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Putenfleisch-Skandal: Initiative für strengere EU-Normen und lokale Produktion

Österreichs Putenfleisch-Skandal zieht Kreise: Der Bauernbund fordert dringende Maßnahmen gegen die Qual importierter Tiere. Ein 3-Punkte-Plan soll heimische Produktion fördern und Tierleid eliminieren.

In Österreich hat eine jüngst durchgeführte Recherche der Initiative „Oekoreich“ enthüllt, dass das in nationalen Supermärkten verfügbare Putenfleisch eines ausländischen Herstellers aus fragwürdigen Praktiken stammt. Insbesondere wurde das sogenannte „Toe Trimming“, das Entfernen der Krallen bei Küken kurz nach dem Schlüpfen, aufgedeckt. Diese Methode, angewandt um Verletzungen unter den Tieren zu vermeiden, ist in Österreich angesichts geringerer Besatzdichten in den Ställen und höherer Haltungsstandards gesetzlich untersagt, in anderen EU-Staaten allerdings nicht. Vor diesem Hintergrund hat der Bauernbund zusammen mit der Geflügelwirtschaft Österreich (GWÖ) und der ARGE Pute Österreich (APÖ) einen 3-Punkte-Plan entworfen, um sowohl die lokale Produktion zu fördern als auch Tierleid aus dem Angebot zu verbannen.

Der Präsident des Bauernbundes, DI Georg Strasser, betonte die Notwendigkeit eines EU-weiten Verbots des „Toe Trimmings“ und einer allgemeinen Anhebung der Haltungsstandards. Zusätzlich forderte er finanzielle Mittel und entsprechende Vorgaben im Rahmen des naBe-Plans zur Förderung nachhaltiger Lebensmittelbeschaffung. Markus Lukas, GWÖ-Obmann, und Dietmar Hipp, Obmann der APÖ, unterstrichen die Bedeutung einer durchgängigen Herkunftskennzeichnung und finanzieller Anreize zur Unterstützung heimischer Putenmäster, deren Haltungsstandards deutlich über dem EU-Durchschnitt liegen.

Lokale Auswirkungen und historischer Kontext

Die Geflügelwirtschaft spielt in Österreich eine wichtige Rolle, nicht nur aus ökonomischer Perspektive, sondern auch im Kontext von Tierwohl und nachhaltiger Landwirtschaft. Der Sektor ist historisch gewachsen und hat sich über die Jahre im Einklang mit einem steigenden Bewusstsein für Tierrechte und Umweltbelange entwickelt. Traditionell hohe Standards und der Einsatz für nachhaltige Produktionsmethoden zeichnen die österreichische Landwirtschaft aus, stehen aber im Wettbewerb mit Importprodukten unter Druck.

##Vergleich der Haltungsstandards

KriteriumÖsterreichEU-Durchschnitt
Besatzdichte (kg/m²)4070
„Toe Trimming“VerbotenTeilweise erlaubt
Selbstversorgungsgrad51%Variiert

Die Forderungen nach einem EU-weiten Verbot des „Toe Trimmings“ und einer einheitlichen Anhebung der Haltungsstandards spiegeln den Wunsch nach einem fairen und gleichen Markt wider. Der österreichische Selbstversorgungsgrad bei Putenfleisch liegt bei etwa 51 Prozent, was die Bedeutung lokaler Erzeugnisse unterstreicht. Doch der Wettbewerb mit billigeren Importen, die unter geringeren Standards produziert werden, stellt eine Herausforderung für die heimische Landwirtschaft dar.

Fazit und Ausblick

Die aktuellen Bemühungen des Bauernbundes und der dazugehörigen Organisationen zeigen einen entschlossenen Einsatz für das Tierwohl und den Schutz der heimischen Landwirtschaft. Die Umsetzung des 3-Punkte-Plans könnte einen bedeutenden Schritt in Richtung Transparenz, Fairness und Nachhaltigkeit im Lebensmittelsektor darstellen. Durch eine starke Fokussierung auf lokale Produkte und eine genaue Herkunftskennzeichnung können Konsumenten bewusster einkaufen und gleichzeitig zur Förderung einer ethisch vertretbaren Landwirtschaft beitragen.

 

 

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