Die österreichische Rinderwirtschaft bleibt ein wirtschaftliches Schwergewicht innerhalb der heimischen Landwirtschaft. Der Produktionswert der Rinderproduktion erreichte 2025 rund 1,2 Milliarden Euro. Für die Milchproduktion weist der aktuelle Jahresbericht der RINDERZUCHT AUSTRIA weitere 2,2 Milliarden Euro aus. Zusammen stehen beide Bereiche damit für knapp ein Drittel der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfung Österreichs.

Hinter diesen Zahlen steht eine Branche, die derzeit gleichzeitig an höherer Produktivität, besserer Tiergesundheit, geringeren Emissionen und neuen Exportmärkten arbeitet. Für die Betriebe entscheidet sich der Erfolg dabei zunehmend an der Qualität der Daten, an langfristigen Zuchtprogrammen und an der internationalen Nachfrage nach österreichischer Genetik.

 

Milchmenge und Erzeugerpreise steigen

Die Milchanlieferung erhöhte sich 2025 auf 3,68 Millionen Tonnen. Gleichzeitig erreichte der durchschnittliche Erzeugermilchpreis 56,09 Cent je Kilogramm Milch. Mit einem Bioanteil von 18 Prozent nimmt Österreich bei der Biomilchproduktion weiterhin eine Spitzenposition in Europa ein.

Für die heimischen Betriebe ist diese Kombination aus Mengenentwicklung, höherem Milchpreis und starkem Biosegment wirtschaftlich relevant. Sie zeigt zugleich, wie eng Milchproduktion, Rinderzucht und betriebliche Wettbewerbsfähigkeit miteinander verbunden sind.

438.000 Kühe unter Leistungskontrolle

Die Milchleistungsprüfung erfasst mittlerweile rund 438.000 Kontrollkühe. Das entspricht 82 Prozent aller österreichischen Milchkühe. Die durchschnittliche Jahresleistung stieg auf 8.188 Kilogramm Milch je Kuh.

Besonders auffällig ist die Zahl der langlebigen Leistungskühe. Im Berichtsjahr wurden 1.123 neue Hunderttausendliter-Kühe ausgezeichnet. Solche Tiere haben im Laufe ihres Lebens mindestens 100.000 Kilogramm Milch produziert. Für Zuchtbetriebe ist diese Leistung nicht nur ein statistischer Rekord, sondern ein Hinweis auf Nutzungsdauer, Tiergesundheit und stabile Herdenentwicklung.

Auch die genomische Selektion gewinnt weiter an Bedeutung. Mehr als 609 Betriebe beteiligen sich am FoKUHs-Programm, das genomische Informationen mit betrieblichen Leistungs- und Gesundheitsdaten verbindet.

47 Millionen Euro durch Zuchtrinderexporte

Der internationale Absatz bleibt ein zentraler Wertschöpfungsfaktor der österreichischen Rinderzucht. Von rund 30.500 vermarkteten Zuchtrindern wurden 21.843 Tiere exportiert. Daraus entstand laut Jahresbericht eine zusätzliche Wertschöpfung von rund 47 Millionen Euro für die heimischen Betriebe.

Die wichtigsten Exportmärkte liegen weiterhin in der unmittelbaren Nachbarschaft. Rund 44 Prozent beziehungsweise etwa 10.000 exportierte Tiere gingen nach Italien, Deutschland und in die Schweiz. Die geografische Nähe erleichtert Transport und Vermarktung, macht den Export aber zugleich empfindlich gegenüber Tierseuchen, veterinärrechtlichen Einschränkungen und politischen Handelshemmnissen.

Mit dem Projekt BreedLink will die RINDERZUCHT AUSTRIA die internationale Position österreichischer Genetik weiter ausbauen. Im Mittelpunkt steht die Qualitätsmarke „Der österreichische Weg“, die Zuchtqualität, Tiergesundheit und nachhaltige Produktionsbedingungen gemeinsam vermarkten soll.

Europas größte Rinderdatenbank

Eine wesentliche Grundlage für Zuchtfortschritt und Betriebsberatung bildet der Rinderdatenverbund, kurz RDV. Nach Angaben der Organisation handelt es sich dabei um die größte Rinderdatenbank Europas.

Die gesammelten Informationen ermöglichen detailliertere Zuchtwertschätzungen und neue Anwendungen für Herdenmanagement, Tiergesundheit und Leistungsentwicklung. Für die Praxis liegt der Nutzen vor allem darin, Auffälligkeiten früher zu erkennen und Entscheidungen nicht allein nach Einzelbeobachtungen, sondern auf Basis langfristiger Datenreihen zu treffen.

Forschung gegen Methan und Tiergesundheitsprobleme

Im Jahresbericht nehmen Forschungs- und Innovationsprojekte breiten Raum ein. Programme wie breed4green, ENSURE, EMBRACE, NEU.rind und CEADS beschäftigen sich unter anderem mit Methanemissionen, Ressourceneffizienz, Klimaanpassung und Tiergesundheit.

Die Projekte zeigen, wohin sich die Zuchtziele verschieben. Milch- und Fleischleistung bleiben wichtig, werden aber stärker mit Nutzungsdauer, Gesundheit, Futtereffizienz und Umweltwirkung verknüpft. Gerade für kleinere und mittlere Familienbetriebe ist entscheidend, dass neue Zuchtmerkmale und digitale Werkzeuge nicht nur wissenschaftlich messbar, sondern im Stall wirtschaftlich nutzbar sind.

Leistung allein reicht nicht mehr

Thomas Schweigl, Obmann der RINDERZUCHT AUSTRIA, sieht Forschung, Digitalisierung und moderne Zuchtprogramme als Grundlage für die weitere Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Betriebe. Zugleich müsse die Branche gesellschaftliche Anforderungen an Tierwohl und Nachhaltigkeit erfüllen.

Der Jahresbericht macht deutlich, dass sich die österreichische Rinderzucht nicht mehr ausschließlich über Milchmenge, Fleischleistung oder Verkaufserlöse definiert. Entscheidend wird, wie gut es gelingt, Produktivität, Tiergesundheit, Emissionsreduktion und betriebliche Rentabilität zusammenzuführen.

Mit 3,4 Milliarden Euro Produktionswert, einer hohen Leistungsdichte und 47 Millionen Euro zusätzlicher Exportwertschöpfung verfügt die Branche über eine starke wirtschaftliche Basis. Der nächste Entwicklungsschritt liegt nun darin, Forschungsergebnisse und Datenlösungen rasch, verständlich und leistbar in die bäuerliche Praxis zu bringen.