Die Generalversammlung der RINDERZUCHT AUSTRIA zeigte ein ambivalentes Bild: wirtschaftlich auf hohem Niveau, gleichzeitig geprägt von Krisen, politischen Debatten und steigenden Kosten. Die Rinderwirtschaft bleibt ein stabiler Pfeiler der heimischen Agrarökonomie, steht jedoch zunehmend unter strukturellem und gesellschaftlichem Druck.
Hohe Preise treffen auf steigende Belastungen
Die Preisentwicklung in der Rinderwirtschaft bewegt sich weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Gleichzeitig belasten steigende Betriebsmittelkosten, internationale Handelsfragen sowie Diskussionen rund um die Gemeinsame Agrarpolitik die Betriebe.
Obmann Thomas Schweigl betonte in seinem Bericht die Bedeutung stabiler Partnerschaften. Die enge Abstimmung mit Ministerien, Forschungseinrichtungen und Dachorganisationen habe wesentlich zur positiven Entwicklung beigetragen. Gleichzeitig sei klar, dass nicht alle externen Faktoren beeinflussbar sind.
Tierseuchen fordern Krisenmanagement
Das Jahr 2025 war stark von Tierseuchen geprägt. Geschäftsführer Martin Stegfellner verwies auf mehrere Ausbrüche in Europa, darunter die Maul- und Klauenseuche, die Blauzungenkrankheit sowie die Lumpy Skin Disease.
Diese Entwicklungen erforderten intensive Krisenarbeit und enge Abstimmung in nationalen und internationalen Gremien. Besonders betroffen waren die Vieh- und Milchwirtschaft, die mit direkten wirtschaftlichen Folgen konfrontiert waren.
Führungswechsel und neue Impulse
Auch personell brachte das Jahr Veränderungen. Sebastian Auernig übergab die Obmannfunktion an Thomas Schweigl. Neu im Vorstand ist Johannes Tanzler, der als Stellvertreter frische Impulse setzen soll.
Bei der Österreichischen Jungzüchtervereinigung übernahm Julia Klammer die Leitung und wurde in den Vorstand der RINDERZUCHT AUSTRIA gewählt.
Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf Innovation und Digitalisierung. Projekte wie „ENSURE“, gefördert durch die Forschungsförderungsgesellschaft, sowie das abgeschlossene Nachhaltigkeitsprojekt „NEU.rind“ zeigen die strategische Ausrichtung der Branche.
Parallel dazu treiben Initiativen wie „breed4green“ die Bewertung von Methanausstoß und Futtereffizienz voran. Auch die Digitalisierung schreitet deutlich voran: Die Umstellung auf neue Datenmanagementsysteme sowie die Integration von Melkroboter-Daten verbessern das Herdenmanagement und erhöhen die Effizienz im Betrieb.
7,2 Milliarden Euro Wertschöpfung
Die wirtschaftliche Bedeutung der Rinderhaltung in Österreich ist erheblich. Laut einer Studie von Herwig Schneider liegt der Produktionswert bei rund 7,2 Milliarden Euro.
Die Branche sichert etwa 60.000 Arbeitsplätze im ländlichen Raum und trägt wesentlich zu Steuereinnahmen und regionaler Stabilität bei. Gleichzeitig wächst der wirtschaftliche Druck, da steigende Kosten oft nicht vollständig über den Markt abgegolten werden können.
Gesellschaftliche Debatten nehmen zu
Neben wirtschaftlichen Themen rückt die öffentliche Wahrnehmung stärker in den Fokus. Diskussionen über Tiertransporte sowie kritische Medienberichte prägen zunehmend das Bild der Branche.
Franz Waldenberger verwies zudem auf Spannungen im Bereich Tiergesundheit, etwa durch den Austritt der Tierärztekammer aus bestehenden Strukturen. Der Bedarf an Dialog und Weiterentwicklung sei entsprechend hoch.
Ehrungen für prägende Persönlichkeiten
Im Rahmen der Generalversammlung wurden auch verdiente Persönlichkeiten ausgezeichnet. Besonders hervorgehoben wurde Walter Steinberger, der die Fleischrinderzucht in Österreich maßgeblich geprägt hat.
Die Veranstaltung unterstrich einmal mehr die Bedeutung von Zusammenarbeit, Innovation und strategischer Weiterentwicklung für die Zukunft der österreichischen Rinderwirtschaft.







