Nach 31 Jahren als Geschäftsführer des VLV übergibt Johann Schlederer das Amt an Johannes Gangl. Ein Abgang mit Stil – und ein Nachfolger, der die Marke Gustino mit frischer Energie weiterführen will. Nach 31 Jahren als Geschäftsführer des Verbands landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten Oberösterreich (VLV) tritt Johann Schlederer seinen verdienten Ruhestand an. Sein Nachfolger Johannes Gangl ist sich der Größe der Fußstapfen bewusst – und setzt vor allem auf Kontinuität.
„Es erfüllt mich mit Stolz, dass das Gustino-Schweinemarkenprogramm das einzige in Österreich ist, das von den vielen, die seinerzeit in den 1990er-Jahren hierzulande gegründet wurden, bis heute überlebt hat“, sagt Johann Schlederer mit spürbarer Zufriedenheit über sein Lebenswerk.
Das Gustino-Schweinefleischprogramm basiert auf den Richtlinien des AMA-Gütesiegels und setzt bei Tierwohl und Klimaschutz neue Maßstäbe – was handwerkliche Fleischer als Abnehmer sehr zu schätzen wissen. Gerade beim Fleisch achten Konsumenten mehr denn je auf Regionalität und Qualität. Das Gustino-Markenfleischprogramm verbindet beides. Rund 40 Bauern aus dem Alpenvorland, dem Mühlviertel, dem Flachgau und dem Mostviertel bilden die Basis für dieses Spitzen-Markenschweinefleisch aus Österreich.
Wichtige Abnehmer sind rund 100 heimische Fleischer in Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Weitere Absatzpartner sind Transgourmet und Metro, die unter ihren Hausmarken vor allem die Gastronomie mit dem exquisiten Schweinefleisch versorgen.
Ein Leben für die Schweinebauern
Johann Schlederer wurde am 20. Jänner 1961 in Andorf in Oberösterreich als Sohn des Landwirtehepaares Franz und Cäzilia Schlederer geboren und hat drei Geschwister. Er ist verheiratet und ist Vater von vier Kindern. Nach der Pflichtschule in Andorf folgte die Mittelschulausbildung an der Höheren landwirtschaftlichen Bundeslehranstalt in St. Florian mit Matura im Jahr 1980. Nach dem Präsenzdienst absolvierte er das Studium der Landwirtschaft und Agrarökonomik an der Universität für Bodenkultur sowie die Berufspädagogische Akademie für berufstätige Akademiker mit Lehramtsprüfung in Ober St.-Veit.
Umfassende Praxiskenntnisse im Bereich Ackerbau und Viehzucht hatte sich Schlederer durch die Mitarbeit im elterlichen Betrieb und im überbetrieblichen Einsatz im In- und Ausland beim Maschinenring angeeignet. Von 2007 bis 2010 folgte das Doktoratsstudium an der Universität für Bodenkultur. Sein Dissertationsthema: „Analyse der Höhe der Umrauschquote in den Sauenbeständen einer Erzeugergemeinschaft – jahreszeitlicher Verlauf und Zusammenhang mit betrieblichen Merkmalen“.
Seinen beruflichen Weg begann Schlederer 1989 als Assistent der Geschäftsleitung beim VLV, zuständig war er für die Projektleitung, das Produktmanagement und den Verkauf des Markenfleischprogramms Gustino. Ab 1995 übernahm er die Geschäftsführung des VLV und der Österreichischen Schweinebörse, ab dem Jahr 2000 zusätzlich das Referat der Landwirtschaftskammer OÖ für Qualitätsproduktion und Vermarktung von Schweinen.
Darüber hinaus war Johann Schlederer Mitglied in zahlreichen Fachgremien im In- und Ausland: AMA-Marketing-Beirat, AMA-Gütesiegelbeirat, im Geschäftsführenden Ausschuss und Vorstand des Verbands Schweinehaltung Österreich, stellvertretender Obmann Donau Soja, Arbeitsgruppe Schwein Copa-Cogeca Brüssel, Gruppe für den zivilen Dialog Tierische Erzeugnisse – Schweinefleisch EC/DG Agri Brüssel, Prognosegruppe für den Schweinemarkt der Europäischen Kommission DG Agri Brüssel sowie die IMPA Informal Meat Producers Association INTERpig.
Schwierige Jahre
Schlederer verhehlt nicht, dass die vergangenen Jahrzehnte auch harte Seiten hatten. „Zu Beginn meiner Tätigkeit hatten wir in Österreich noch über 2.500 Fleischer als potenzielle Abnehmer, heute sind es keine 1.000 mehr. Trotzdem konnten wir mit Gustino dank einer konsequenten Markenpolitik Fuß fassen. Stets in Erinnerung wird mir auch der damalige wortgewaltige Bundesinnungsmeister Anton Karl bleiben, mit dem ich so manchen Strauß ausfechten musste, der aber stets dialogbereit und konsensorientiert agierte. Er wusste genau: ohne Landwirtschaft keine Fleischbranche. In Erinnerung geblieben ist mir auch stets der Ärger der Fleischer über die Direktvermarktung, der permanent präsent war, obwohl die Schweinebauern keine Direktvermarkter im eigentlichen Sinn sind“, sagt er offen.
Idealer Nachfolger
Johann Schlederer sieht den VLV gut aufgestellt und seinen Nachfolger Johannes Gangl als ideale Besetzung: „Der Johannes ist ein ausgesprochen kompetenter Nachfolger, der die Landwirtschaft in Bayern erlernt hat und selbst Verwandte im Gemüseanbau hat. Er wird seinen Weg machen und den Verband erfolgreich weiterführen, davon bin ich felsenfest überzeugt.“
Der Hochgelobte übt sich in Bescheidenheit: „Mir ist klar, ich bewege mich in großen Fußstapfen, bin aber guter Dinge, den Erwartungen gerecht zu werden.“ Johannes Gangl erlernte die Landwirtschaft in Weihenstephan im bayerischen Freising. Danach verbrachte er zehn Jahre in der Futtermittelbranche bei einem Mineralfutterhersteller als Gebietsverkaufsleiter für Österreich Ost und Süd. 2024 stieß er als Assistent der Geschäftsführung zum VLV und hatte damit genügend Zeit, die Branche eingehend kennenzulernen und sich auf die Nachfolge vorzubereiten.
In seiner neuen Rolle möchte Gangl seine Stärken gezielt einbringen: „Mich zeichnen Kontaktfreudigkeit, Kommunikationsbereitschaft und Idealismus aus. Für 2026 habe ich mir daher die Etablierung als Geschäftsführer als Hauptziel weiters die Bewahrung der Kontinuität gesetzt – ich möchte viele persönliche Gespräche führen, Kontakte intensivieren, das nationale Netzwerk pflegen und die Marke Gustino stärken.“
Dafür wünscht auch die Redaktion Johannes Gangl alles Gute.
Autor: HaRo







