910 Mio. Euro Umsatz: Transgourmet baut Fleisch-Segment aus

Trotz Preisdruck wächst Transgourmet um 1,6 Prozent und stärkt das Fleischgeschäft strategisch: Service, Logistik und differenzierte Preisstufen rücken in den Mittelpunkt.

Trotz Preisdruck wächst Transgourmet um 1,6 Prozent und stärkt das Fleischgeschäft strategisch: Service, Logistik und differenzierte Preisstufen rücken in den Mittelpunkt.
E-LKW von Transgourmet Österreich vor dem Wiener Riesenrad: Der Gastronomie-Großhändler investiert in Elektromobilität und nachhaltige Zustelllogistik. Bild: beigestellt

910 Mio. Euro Umsatz: Transgourmet baut Fleisch-Segment aus

Transgourmet steigert Umsatz auf 910 Millionen Euro – Fleisch bleibt strategischer Kernbereich
Transgourmet Österreich hat 2025 einen Netto-Umsatz von 910,2 Millionen Euro erzielt. Das entspricht einem Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In einem Marktumfeld, das von Preisdruck, Kostensteigerungen und verhaltenem Konsum geprägt war, bezeichnet die Geschäftsführung das Ergebnis als stark. Besonders deutlich zeigt sich der strukturelle Wandel in Richtung Zustellgeschäft – und in einer zunehmenden Differenzierung der Sortimente, auch im Fleischbereich.

Wachstum in schwierigem Marktumfeld

Der österreichische Gastronomie-Großhandel stand 2025 unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Steigende Energie- und Personalkosten trafen auf eine begrenzte Zahlungsbereitschaft der Gäste. Gastronomiebetriebe reagierten mit zurückhaltendem Einkauf, kurzfristigeren Bestellungen und verstärkter Nachfrage nach preisgünstigen Alternativen.
Transgourmet konnte dennoch Marktanteile sichern und zählt aktuell mehr als 86.000 aktive Kundinnen und Kunden. 70 Prozent des Umsatzes werden mittlerweile im Zustellgeschäft erwirtschaftet – ein klarer Hinweis auf die Verschiebung hin zu serviceorientierten Belieferungsmodellen.

Eigenmarken und Preiseinstieg gewinnen an Bedeutung

Besonders dynamisch entwickelte sich das Eigenmarkensegment. Die Preiseinstiegsmarke Economy verzeichnete ein Umsatzplus von 23 Prozent. Gleichzeitig kündigt das Unternehmen an, 2026 gezielt im Fleischsegment auszubauen – insbesondere im Bereich preislich attraktiver Produktlinien.
Für Fleischer und Gastronomiebetriebe ist diese Entwicklung von hoher Relevanz. Der Kostendruck in der Küche führt zu stärkerer Kalkulationssensibilität. Gleichzeitig steigt der Bedarf an verlässlicher Qualität und klar kalkulierbaren Wareneinsätzen. Eigenmarken bieten hier Spielraum, um unterschiedliche Preis-Leistungs-Stufen abzudecken und Margen zu stabilisieren.
Bio und Nachhaltigkeit bleiben stabil
Trotz der Verschiebung hin zu günstigeren Produkten bleibt die Nachfrage nach hochwertigen und nachhaltigen Sortimenten hoch. Die Bio-Umsätze wuchsen 2025 um über 12 Prozent, die Bio-Eigenmarke Natura legte um fast 22 Prozent zu. Im Liefergeschäft stieg Natura sogar um 28 Prozent.
Auch im Fleischbereich bleibt Nachhaltigkeit ein zentrales Thema. Regionalität, Tierwohlprogramme und transparente Herkunft gewinnen im Großverbrauchersegment weiter an Bedeutung – insbesondere in Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung.

Investitionen und Strukturentscheidungen

Transgourmet investierte 2025 rund 50 Millionen Euro in Standortentwicklung und Logistik. Für 2026 ist ein weiterer zweistelliger Millionenbetrag geplant, unter anderem für den neuen Zustellstandort Innsbruck-Kematen, der im Herbst eröffnen soll.
Gleichzeitig wurde das geplante Projekt Wien-West endgültig eingestellt. Das CO₂-neutrale Großmarktprojekt hätte laut Unternehmensangaben rund 250 Arbeitsplätze geschaffen.
Im Westen wurde der frühere Riedhart-Standort in Wörgl vollständig integriert, in Kärnten übernahm Transgourmet den Kundenstock von Eurogast Legro. In Salzburg wurde ein neues Logistikzentrum eröffnet.

Fleisch im Fokus 2026

Für 2026 erwartet Transgourmet ein weiterhin anspruchsvolles Marktumfeld. Neben Preis- und Serviceorientierung rückt insbesondere das Fleischsegment stärker in den Fokus. Der Ausbau von Eigenmarken, intelligente Convenience-Lösungen unter der Marke „Smart Cuisine“ sowie eine breite Frischekompetenz sollen Gastronomiebetriebe bei Personalmangel und Kostendruck unterstützen.
Gleichzeitig investiert das Unternehmen weiter in Nachhaltigkeit, unter anderem in eine große E-LKW-Flotte. Der Energieaufwand konnte 2025 deutlich gesenkt werden.

Wirtschaftliche Einordnung

Für die österreichische Fleischwirtschaft ist die Entwicklung relevant: Großhändler wie Transgourmet fungieren als zentrale Drehscheibe zwischen Produzenten, Verarbeitern und Gastronomie. Verschiebungen im Sortimentsmix, steigende Nachfrage nach Preiseinstiegsprodukten sowie gleichzeitig stabile Bio-Segmente spiegeln die aktuelle Marktsituation wider.
Der Markt bleibt volatil – aber strukturell klar: Service, Logistikleistung, Preisstaffelung und nachhaltige Qualität sind die zentralen Wettbewerbsfaktoren.