Fleisch & Co: Herzliche Gratulation zur bestandenen Meisterpru?fung. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, den Kurs zu absolvieren?

Verena-Diana Rosenkranz: „Als leidenschaftliche Ja?gerin wollte ich Wild handelsfa?hig machen und die Ressourcen im Land nu?tzen. Weil ich allerdings aus einer ganz anderen Branche komme, habe ich mir erst Schritt fu?r Schritt das ganze Hintergrundwissen dazu aneignen mu?ssen. Warum braucht es welche Zusatzstoffe, um eine Wurst haltbar zu machen, wie verha?lt sich die Bindung bei Hirsch, und kann ich eine Weißwurst aus Wildschwein machen?

Ganz simple Fragen, die mir auch Kunden gestellt haben. Somit habe ich mich intensiv dafu?r zu interessieren begonnen und durfte schließlich auch in verschiedenen Betrieben mitarbeiten und mit Wild meine eigenen Gehversuche machen. Als es dann um die Handelstauglichkeit ging, kam die Bescha?ftigung mit dem Codex und den rechtlichen Aspekten dazu, und letztendlich wollte ich meine Produkte auch selber fertigen du?rfen. Das war dann der Zeitpunkt, an dem meine Anmeldung beim Wifi abgeschickt wurde.“

Fleisch & Co: Warum haben Sie sich fu?r diesen Kurs entschieden?

Verena-Diana Rosenkranz: „Ich bin zwar gebu?rtig aus Zell am See, beruflich hat es uns als Familie aber ins Waldviertel verschlagen. Nach einigen Recherchen in anderen Bundesla?ndern und auch Deutschland habe ich mich fu?r Linz entschieden, da der Kurs super berufsbegleitend mo?glich war und wirkliche Profis aus der Praxis den Ablauf gestalten. Das hohe Ansehen hat mich dann noch positiv besta?rkt.“

Seit April 2025 ist Verena-Diana Rosenkranz stolze Besitzerin des Meisterinnenbriefs für das Fleischereigewerbe © Chris Laister / Branding Brorthers

Fleisch & Co: Wie fanden Sie die Ausbildung?

Verena-Diana Rosenkranz: „Die Teilnehmer waren aus allen Fleischereibereichen – von der ba?uerlichen Direktvermarktung bis zum industriellen Großbetrieb. Das hat eine sehr interessante Mischung mit spannenden Einblicken gegeben. Genau darauf gingen auch die Vortragenden sehr gezielt ein.

Einige Punkte waren notwendigerweise natu?rlich mit Theorie verbunden, vor allem alle hygienischen, rechtlichen und codexgerichteten Punkte – gerade das ist aber fu?r die Ausu?bung des Handwerks von ebenso großer Bedeutung wie die Praxis, damit gute Produkte entstehen ko?nnen. Gerade im praktischen Bereich wurde großer Wert auf sauberes Zuputzen und koordiniertes Arbeiten beim Wursten und Nachbereiten gelegt, was allerdings schon bei Kursbeginn vorausgesetzt und somit im Kurs noch vertieft wurde.“

Fleisch & Co: Als erfolgreiche Unternehmerin, Marketing- und Kommunikations-Korypha?e und Ja?gerin wieder die Schulbank dru?cken – wie war das Gefu?hl?

Verena-Diana Rosenkranz: „Weil ich drei Kinder habe, habe ich auch berufsbegleitend studiert. Das war immer ganz gut mo?glich, weil ich mir die Zeit frei einteilen konnte. Mit wachsendem Erfolg meines Unternehmens ist der Wunsch in mir gewachsen, mich nun ausschließlich dem Handwerk zu widmen und selber meine Produkte fertigen zu ko?nnen und zu du?rfen.

Das war dann doch eine gewisse Herausforderung, sowohl wa?hrend der Ausbildung als auch im Meisterkurs, weil ich dafu?r doch eine gewisse Pu?nktlichkeit an den Tag legen musste, die man als Selbststa?ndige eben frei wa?hlen kann – ,die Letzte, die kommt, und die Erste, die geht‘ wurde da schon manchmal lachend kommentiert. Ich habe es aber bewusst und gern in Kauf genommen, wieder intensiv zu lernen und mich den Pru?fungen zu stellen.“

Fleisch & Co: Der Metzgersprung ist ein Highlight fu?r die gesamte Branche. Wie haben Sie diesen Event empfunden?

Hilfe von ihren Metzger-Kollegen: Verena-Diana Rosenkranz wurde in den hohen Bottich gehoben.

Hilfe von ihren Metzger-Kollegen: Verena-Diana Rosenkranz wurde in den hohen Bottich gehoben.

Verena-Diana Rosenkranz: „Ich kannte die Veranstaltung aus meiner Kindheit und spa?ter aus den Medien. Auch wa?hrend unseres Kurses haben wir immer neidig nach Salzburg geblickt, weil es einfach eine tolle und wu?rdige Symbolik fu?r das Beenden eines Ausbildungsabschnittes ist. Dass ich dann vom Innungsmeister Ing. Karl – der auch bei uns in Linz Vortragender und Pru?fer war – eingeladen wurde, war fu?r mich eine riesige Ehre. Die ganze Zeremonie war perfekt organisiert, und die Junggesellen sowie Meister wurden voller Stolz vor den Vorhang geholt. Der Metzgersprung ist damit eine traditionelle Veranstaltung fu?r einen Beruf mit Zukunft. Besser ko?nnte man dieses Handwerk eigentlich nicht zeigen.“

Fleisch & Co: Mit Wildviertel haben Sie eine erfolgreiche Gourmetproduktion etabliert. Bitte erza?hlen Sie uns kurz u?ber Ihren Betrieb und die Philosophie.

Verena-Diana Rosenkranz:Wildviertel bedeutet Wildprodukte von zu 100 Prozent heimischem und freilebendem Wild. Begonnen hat die Idee wa?hrend Corona, wo die Gastronomie geschlossen hatte und so die besten Stu?cke vom Wild in großer Menge kaum nachgefragt wurden. Also habe ich beschlossen, mo?glichst lang haltbare Produkte daraus entstehen zu lassen – Salami, Rohschinken oder Dauerwu?rste.

Die Nachfrage ist schnell so stark gewachsen, dass auch Rewe und Metro darauf aufmerksam wurden und die beliebtesten Produkte in ihre Sortimente fu?r den Einzel- und Großhandel aufgenommen haben. Damit begann die Reise fu?r Wildviertel und Schritt fu?r Schritt die Entwicklung auf dem heimischen Markt.“

Fleisch & Co: Was wird die Zukunft fu?r Wildviertel bringen?

Verena-Diana Rosenkranz: „In diesem Jahr mo?chte ich mich vermehrt dem Thema Zerlegung und Fleischaufbereitung widmen. Sowohl von technischer als auch hygienischer Seite – da gibt es gerade im Wildbereich einige Stellschrauben, an denen ich noch drehen mo?chte.

Hier habe ich zum Glu?ck auch tolle Bekanntschaften und Partnerschaften – von der Lebensmittelinnung u?ber Schulen und Universita?ten wie Hollabrunn und Wieselburg bis zu diversen Labors und letztendlich tolle Kontakten, die u?ber den Meisterkurs entstanden sind.“

Fleisch & Co: Wie wird es Ihres Erachtens mit der Fleisch- und Wurstbranche weitergehen?

Verena-Diana Rosenkranz: „Der Fleischkonsum sinkt, der von Wild bleibt aber konstant – das ist ein gutes Zeichen fu?r mich, weil Wild als echte Alternative angesehen wird. Fu?r konventionelles Fleisch bedeutet das eine bewusstere Kaufentscheidung von hochqualitativem Fleisch. Natu?rlich ist hier aber nicht u?berall die Ka?ufergruppe dafu?r gegeben, und daher wird im Handel oftmals sehr gu?nstig Wurst und Fleisch angeboten. Das verursacht nicht nur fu?r gestandene Großbetriebe einen großen Leistungsdruck, sondern vor allem einen immensen Druck fu?r kleinere und mittlere Betriebe, die durch hohen bu?rokratischen Aufwand und geringen Personalzugriff oft ins Straucheln geraten.

Grundsa?tzlich bin ich aber ein optimistischer Mensch und glaube, dass gerade das Fleischerhandwerk wieder im Aufschwung ist und an Ansehen gewinnt, wenn man junge Leute zum Erlernen dieses hochwertigen Berufes motivieren kann. Leider gibt es Fleischgegner die sehr laut schreien – also in den sozialen Medien sehr plakativ ihre Meinung vertreten. Genau diese sozialen Medien sind es aber, die man selber aber auch positiv nu?tzen kann, sofern man das mo?chte.“

Fleisch & Co: Was wu?rden Sie sich fu?r die Fleischbranche wu?nschen?

Verena-Diana Rosenkranz: „Ich wu?nsche mir hier vor allem Mut. Mut zur positiven Aufkla?rung des Konsumenten vonseiten der Lebensmittelbranche, der Medien und der Betriebe selbst. Aber auch Mut fu?r alle kleineren Betriebe, fu?r ihre hochqualitativen Produkte einen angemessenen Preis zu verlangen.

Die Branche punktet mit einem enorm hohen Know-how und kann damit positiv zur Kaufentscheidung beitragen. Hier wird jeden Tag – oft von der Aufzucht u?ber die Schlachtung bis zum fertigen Produkt – ho?chstes fachliches Ko?nnen investiert, bis ein Lebensmittel entsteht. Darauf darf man stolz sein!“