Die künstliche Wursthülle ist längst kein Randprodukt mehr, sondern integraler Bestandteil moderner Produktionsprozesse. Sie beeinflusst Effizienz, Energieeinsatz, Differenzierung und Rechtssicherheit. Wie Kalle Austria aus Guntramsdorf diese Schnittstelle zwischen Technik und Wirtschaftlichkeit besetzt – und welche Akzente Geschäftsführer Patrick Leonhardsberger setzt.
Es ist einer dieser Momente in der Produktion, die über Margen entscheiden. Die Hülle läuft sauber über den Füller, das Kaliber bleibt stabil, der Druck sitzt exakt, das Raffmaß stimmt – keine Störung, kein Nachjustieren, kein Ausschuss. Sekundenbruchteile, die sich über Schichten hinweg zu Stunden addieren. Wer die Geschicke einer industriellen Wurstproduktion lenkt, denkt längst nicht mehr nur an Rezepturen oder Rohstoffpreise. Er denkt an Durchlaufzeiten, Energieverbrauch, Personalbindung, Reinigungsintervalle – und damit zwangsläufig an die Hülle. Sie ist nicht Verpackung. Sie ist Produktionsparameter.
Österreichische Expertise
In Guntramsdorf, südlich von Wien, arbeitet Kalle Austria genau an diesem neuralgischen Punkt der Wertschöpfungskette. Der Standort ist innerhalb der Kalle Group nicht bloß Vertriebsniederlassung, sondern industriell integrierter Produktions- und Konfektionierungsknoten. Gedruckt und gerafft werden hier jährlich rund 20 Millionen Meter Kunststoffdarm im Druck und etwa 30 Millionen Meter in der Raffleistung. Produziert wird im Zwei- bis Drei-Schicht-Betrieb. Ein eigenes Hochregallager, moderne Druckanlagen sowie eine integrierte Anwendungstechnik sichern kurze Reaktionszeiten und stabile Lieferketten.
Kalle Austria ist eine hundertprozentige Tochter der Kalle GmbH Wiesbaden und erster Ansprechpartner für industriell gefertigte Hüllen im heimischen Markt. Von Niederösterreich aus betreut das Unternehmen zusätzlich Italien, die Slowakei, die Schweiz sowie die Balkanregion. Damit fungiert Guntramsdorf als Schnittstelle zwischen globaler Technologieplattform und regionaler Marktanforderung. Mit lokaler Produktion, technischer Anwendungskompetenz und einem erweiterten Portfolio durch Partnerunternehmen positioniert sich der Standort bewusst als Prozesspartner – nicht als reiner Materiallieferant.
Globale Technologie – regionale Verantwortung
Die Kalle Group zählt international zu den führenden Herstellern industriell gefertigter Hüllen. Die Kalle Group ist ein global tätiges Unternehmen, das industriell gefertigte Lebensmittelhüllen (Casings) herstellt, die unter anderem bei der Produktion von Fleischprodukten eingesetzt werden. Daneben kommen die Hüllen auch bei vegetarischen und veganen Lebensmitteln (zum Beispiel Käse, Tofu, Seitan) zum Einsatz. Die Innovationsgeschichte reicht bis ins Jahr 1929 zurück, als der erste nahtlose Celluloseschlauch (Markenname „Nalo“) die industrielle Fleischwirtschaft neu definierte. Seither wurde das Portfolio kontinuierlich erweitert: von Mono-Hüllen bis zu komplexen Neun-Schicht-Systemen mit spezifisch abgestimmten Sauerstoff- und Wasserdampfbarrieren, von Textil- und Kunststoffdärmen bis hin zu Value-Added-Casings mit integriertem Rauch-, Farb- oder Gewürzübertrag. Die Extrusion erfolgt gruppenintern unter anderem in Deutschland und Ungarn. Guntramsdorf übernimmt die Weiterverarbeitung, Bedruckung, Konfektionierung und Logistik. Diese vertikale Integration schafft technologische Tiefe und zugleich operative Flexibilität – ein wesentlicher Faktor in einem Marktumfeld, das von kurzfristigen Abrufen, steigenden regulatorischen Anforderungen und wachsender Produktdiversität geprägt ist.
Produktion als Wirtschaftsfaktor
Guntramsdorf ist innerhalb der Gruppe ein wirtschaftlich relevanter Produktionsstandort. Rund 20 Millionen Meter Druckleistung und 30 Millionen Meter Raffleistung pro Jahr stehen für industrielle Dimensionen – aber auch für logistische Verantwortung. Gedruckt wird auf modernen Anlagen, die kundenspezifische Designs präzise umsetzen – vom Markenauftritt bis zur gesetzeskonformen Kennzeichnung. Rafflängen, Kaliber und Spezifikationen werden flexibel angepasst. Für industrielle Produzenten bedeutet das Planungssicherheit, kalkulierbare Versorgung und technische Unterstützung aus einer Hand. „Um diese Mengen produzieren zu können, setzen wir auf unsere motivierten langjährigen Mitarbeiter, die das Herzstück unseres Betriebes sind“, heißt es aus dem Unternehmen.
Tatsächlich trägt den Standort nicht nur die Maschinentechnik, sondern vor allem Erfahrung im Umgang mit Materialtoleranzen, Produktionslogik und Prozessstabilität. In einem Umfeld steigender Energiepreise, enger Taktung und wachsender Dokumentationspflichten wird diese operative Stabilität selbst zum wirtschaftlichen Faktor.
Nachhaltigkeit als Produktionsprinzip
Neben Effizienz gewinnt Nachhaltigkeit an strategischer Bedeutung. Innerhalb der Kalle Group wurde mit hohem Investitionsaufwand ein integriertes Umwelt-, Recycling- und Entsorgungskonzept etabliert. Produktionsbedingt anfallende Stoffe werden – wo technisch möglich – aufbereitet und in den Prozess zurückgeführt. Regenerationsbäder werden über eine Eindampfanlage wieder in die Produktion integriert. Abwässer werden in der biologischen Reinigungsanlage des Industrieparks Wiesbaden geklärt. Kalle Austria ist FSSC-zertifiziert; die Lieferanten produzieren ebenfalls unter strengsten Hygieneanforderungen. Für Kunden bedeutet das regulatorische Sicherheit in einem zunehmend komplexen lebensmittelrechtlichen Umfeld.
Industrie im Fokus – Handwerk im Portfolio
Strukturell ist Kalle Austria klar auf industrielle Kunden ausgerichtet. Anlagen, Logistik und Anwendungstechnik sind darauf ausgelegt, große Volumina prozesssicher zu betreuen. „Wir fokussieren uns definitiv auf die Industrie, da die Kalle Austria dafür ausgerichtet ist“, sagt Geschäftsführer Patrick Leonhardsberger. Gleichzeitig bleibt aber auch das Handwerk Teil des Portfolios. Für kleinere und mittlere Betriebe steht ein breites Standardprogramm zur Verfügung, ergänzt um Speziallösungen wie Textilhüllen aus dem OSKUtex-Sortiment. Gerade im Premiumsegment gewinnt die Optik an Bedeutung – nicht nur als ästhetisches Detail, sondern als wirtschaftlicher Hebel. „Durch Abhebung von Standardprodukten kann unser Kunde mit Textilhüllen für den Endkunden ein exklusiveres Produkt schaffen und somit auch einen höheren Verkaufspreis erzielen.“
Prozessvorteile statt Preisdruck
Während Rohstoffpreise, Energieaufwand und regulatorische Kosten steigen, rückt ein anderer Faktor in den Fokus: Prozessökonomie. Value-Added-Casings übertragen Rauch, Farbe oder Gewürzkomponenten direkt im Produktionsablauf und ersetzen einzelne Arbeitsschritte. Das reduziert Durchlaufzeiten, spart Energie und Personalressourcen und verringert die Prozesskomplexität. „Den größten Business-Case sehen wir bei kundenorientierten Lösungen, wo sich der Kunde Zeit und Produktionskosten erspart“, so Leonhardsberger. Gerade in einem Umfeld knapper Fachkräfte und wachsender Dokumentationspflichten wird Prozessintegration zur strategischen Entscheidung. Die Hülle ist damit nicht mehr bloß Träger des Produkts – sie wird zum Instrument wirtschaftlicher Optimierung.

Patrick Leonhardsberger setzt auf technische Kompetenz, regionale Produktion und eine klare Kundenorientierung. © Kalle Group
Führung in bewegten Zeiten
Strategie, Technik, Nachhaltigkeit und Marktpositionierung greifen in Guntramsdorf ineinander. Doch wie wird daraus eine klare Richtung? Welche Prioritäten setzt die Geschäftsführung – und wie bewertet sie die aktuellen Entwicklungen in Industrie, Regulierung und Konsumverhalten? Seit knapp einem Jahr steht Patrick Leonhardsberger an der Spitze von Kalle Austria. Mit ihm sprachen wir über Marktpotenziale, Prozessökonomie, Flexitarier, über regulatorischen Druck – und darüber, warum die Hülle heute weit mehr ist als einfach nur eine Verpackung.
Fleisch & Co: Herr Leonhardsberger, wie sind Sie zu Kalle gekommen – und was hat Sie an der Aufgabe gereizt?
Patrick Leonhardsberger: „Wie so oft im Leben durch Zufall. Gereizt hat mich vor allem die Kombination aus Vertrieb, Technik und Produktion – und die umfassende Verantwortung, die damit einhergeht. Das Betätigungsfeld der Kalle Austria ist hinsichtlich Produkte, Märkte und Strukturen sehr komplex. Ich mag diese Herausforderung, sie bereitet mir große Freude.“
Fleisch & Co: Sie übernehmen ein gut aufgestelltes Unternehmen. Was waren Ihre ersten Learnings in Guntramsdorf?
Patrick Leonhardsberger: „Ich wurde von meinem Vorgänger sehr gut eingearbeitet und habe das Privileg, mit einem hochmotivierten und erfahrenen Team zu arbeiten. Der Standort hat enormes technisches Know-how. Gleichzeitig ist das Geschäft anspruchsvoll, gerade weil wir mehrere Märkte betreuen und sehr unterschiedliche Kundenanforderungen abdecken.“
Fleisch & Co: Welche Märkte stehen im Fokus?
Patrick Leonhardsberger: „Wir betreuen neben Österreich auch Italien, die Slowakei, die Schweiz und die Balkanregion. Das größte Potenzial sehen wir klar in Italien – ein Markt mit rund 59 Millionen Einwohnern. Dort haben wir neue Produkte für den geschimmelten Rohwurstbereich sowie für Mortadella entwickelt.“
Fleisch & Co: Sie fokussieren sich stark auf die Industrie. Wo sehen Sie dennoch Chancen für das Handwerk?
Patrick Leonhardsberger: „Unser Setup ist klar industriell ausgerichtet. Für das Handwerk bieten wir ein großes Standardportfolio. Besonders interessant sind unsere Textilhüllen. Damit können sich Betriebe deutlich vom Standardprodukt abheben. Wer optisch differenziert, schafft Wertigkeit – und kann einen höheren Verkaufspreis erzielen.“
Fleisch & Co: Welche Trends prägen derzeit die Produktion?
Patrick Leonhardsberger: „Slicer-Ware in allen Facetten, Kleinverpackungen und Snackartikel im Kaliber zehn bis 24 Millimeter. Gleichzeitig steigt der Anteil an Flexitariern. Unsere Kunden und auch wir haben uns diesem Trend angepasst. Wir liefern Lösungen für Fleischprodukte ebenso wie für Veggie- und Hybridanwendungen.“
Fleisch & Co: In welchen Bereichen sehen Sie aktuell den größten wirtschaftlichen Druck in der Branche?
Patrick Leonhardsberger: „Ganz klar im regulatorischen Bereich. Lebensmittelrechtliche Anforderungen verändern sich ständig. Diese Vorgaben einzuhalten – und die dadurch entstehenden Kosten nicht eins zu eins weiterzugeben –, ist eine Herausforderung. Wir unterstützen unsere Kunden hier durch unsere eigene Produktsicherheitsabteilung. Kalle Austria ist FSSC-zertifiziert, und auch unsere Lieferanten produzieren unter strengsten Hygieneanforderungen.“
Fleisch & Co: Wie kann sich die Kalle vom Mitbewerb abheben?
Patrick Leonhardsberger: „Wir sind die einzigen Hersteller künstlicher Wursthüllen mit eigener Niederlassung im österreichischen Markt. Unsere Stärke liegt in der Kombination aus Vertrieb, technischer Anwendungstechnik und eigener Konfektionierung. Dazu kommt unsere hohe Lieferfähigkeit durch das Hochregallager in Guntramsdorf.“
Fleisch & Co: Value-Added-Casings gelten als Effizienztreiber. Wo sehen Sie hier den größten Business-Case?
Patrick Leonhardsberger: „Bei kundenorientierten Lösungen, bei denen sich der Kunde Zeit und Produktionskosten erspart. Wenn einzelne Prozessschritte entfallen, spart das Energie, Personal und Dokumentationsaufwand. Das ist in der aktuellen Marktsituation ein klarer Vorteil.“
Fleisch & Co: Welche Impulse setzen Sie konkret am Standort Guntramsdorf?
Patrick Leonhardsberger: „Qualitätsbewusstsein, Flexibilität, Know-how, Produktvielfalt und Kundenorientierung weiter auszubauen. Unser Anspruch ist es, näher am Kunden zu sein – nicht als Schlagwort, sondern als tägliche Praxis.“
Fleisch & Co: Worauf dürfen sich Ihre Kunden 2026 freuen?
Patrick Leonhardsberger: „Wir bringen NaloCoat auf den Markt – ein Alginat in Gel- oder Pulverform für Coextrusionsanlagen. Das ist ein weiterer Schritt, um Prozesse effizienter zu gestalten.“
Fleisch & Co: Was wünschen Sie sich von der Fleischbranche in Österreich und Südosteuropa?
Patrick Leonhardsberger: „Ein kontinuierliches Wachstum – und vor allem faire Preise für qualitativ hochwertige Produkte. Nur so bleibt die Branche langfristig stabil.“
Fleisch & Co: Weshalb sollte ein Betrieb heutzutage mit der Firma Kalle zusammenarbeiten?
Patrick Leonhardsberger: „Unsere Kunden können auf unser Know-how und unsere Verlässlichkeit zählen – und Kalle als echten Partner betrachten.“
CASING + FRIENDS: BRANCHENDIALOG MIT TIEFGANG
Technische Innovation entsteht selten im Alleingang. Mit dem Seminarformat Casing + Friends setzte Kalle Austria bewusst auf Austausch, Transparenz und partnerschaftlichen Dialog entlang der Wertschöpfungskette – praxisnah, strategisch eingeordnet und technisch fundiert.
Technologie, Markttrends und partnerschaftlicher Austausch standen im Mittelpunkt des Seminars Casing + Friends, zu dem Kalle Austria Ende November rund 40 Key-Account-Kunden einlud.
Ziel der Veranstaltung war es, Innovationen der Kalle Group praxisnah vorzustellen und gemeinsam mit Industriepartnern aktuelle Herausforderungen der Branche zu diskutieren.
Durch das Programm führte Andreas Gutschier, Verkaufsleiter bei Kalle Austria.
Die strategische Einordnung der Kalle Group übernahmen Georg Rau, Senior Vice President Europe + Rest of the World Casings, sowie Patrick Leonhardsberger, Geschäftsführer Kalle Austria.
Den technischen Schwerpunkt setzte Nina Steiner aus der Anwendungstechnik, sie präsentierte Produktneuheiten und deren konkrete Einsatzmöglichkeiten detailliert.
Im Fokus standen unter anderem Lösungen für den geschimmelten Rohwurstbereich, Weiterentwicklungen bei Value-Added-Casings sowie Anwendungen im Bereich Coextrusion.
Ergänzt wurde das Seminar durch Fachbeiträge der Partnerunternehmen Solina, FLEXOPACK Group, Fcase Sp z o.o. Sp.k., FABIOS S.A. und Worldpac.
Damit wurde deutlich: Innovation entsteht im Netzwerk – entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Rohstoff über die Hülle bis zur Weiterverarbeitung.
Abgerundet wurde der Seminartag mit einem gemeinsamen Abendessen im Casino Baden, das Raum für vertiefende Gespräche bot.
Mit Casing + Friends positioniert sich Kalle Austria bewusst als Dialogplattform – nicht nur als Lieferant, sondern als technologischer Sparringspartner in einem zunehmend komplexen
Marktumfeld.
Weltumspannende Produktion
- 850 Millionen Meter Wursthüllen pro Jahr. So viel produziert Kalle weltweit. Aneinandergereiht ließe sich damit die Erde mehr als 21-mal umrunden.
- Schwammtücher in XXL-Dimension
- Die jährlich gefertigten Kalle-Schwammtücher würden eine Fläche von rund 1.400 Fußballfeldern bedecken.
- Industrie mit globaler Reichweite
- Hinter diesen Zahlen stehen rund 1.500 Mitarbeiter weltweit, die an Standorten in Europa und darüber hinaus Hüllenlösungen für Fleisch-, vegane und vegetarische Produkte entwickeln und produzieren.
Kalle Austria GmbH
Industriestraße 9/3
A-2353 Guntramsdorf
Tel.: +43 2236 205 151-0
www.kallegroup.com







