Am Veldener Casinoplatz ist es still geworden. Dort, wo über Generationen hinweg Fleisch- und Wurstspezialitäten verkauft wurden, steht heute ein Infoständer mit einer schlichten Botschaft: „Wir haben geschlossen. Danke für Ihre langjährige Treue.“
Der letzte Öffnungstag der Fleischerei Goritschnigg war bereits der 10. Jänner 2026. Zu diesem Zeitpunkt ahnte offenbar kaum jemand, dass es sich um ein endgültiges Aus handeln würde. Wie gewohnt verabschiedete sich der Betrieb in die Winterpause, die Wiedereröffnung war für März angekündigt. Doch dazu kam es nicht mehr.
Rückzug eines Fleischermeisters
Mit dem Rückzug von Fleischermeister Thomas Goritschnigg endet eine rund 130 Jahre währende Familiengeschichte. Seit 1893 war die Familie Goritschnigg im Fleischerhandwerk tätig und prägte über Generationen hinweg die regionale Versorgung rund um den Wörthersee. Thomas Goritschnigg führte den Betrieb in vierter Generation und stand damit in einer langen Reihe handwerklicher Kontinuität. Die Fleischerei galt über Jahrzehnte als verlässlicher Nahversorger und als Adresse für hochwertige Fleisch- und Wurstspezialitäten.
Qualität als Leitprinzip
Das Sortiment der Fleischerei war breit aufgestellt und spiegelte den Anspruch eines klassischen Handwerksbetriebs wider. Neben klassischen Wurstwaren und Leberkäse umfasste das Angebot auch hochwertige Fleischstücke, küchenfertige Produkte sowie frisch zubereitete Mittagsmenüs. Der Betrieb setzte dabei auf sorgfältige Verarbeitung, ausgewählte Rohstoffe und eine klare Qualitätsorientierung. Diese Ausrichtung wurde über Jahre hinweg von einer treuen Stammkundschaft getragen und machte den Namen Goritschnigg in der Region bekannt.
Nicht alle Betriebe betroffen
Von der Schließung betroffen ist ausschließlich die Fleischerei am Casinoplatz. Andere Standbeine der Familie bleiben bestehen. Das Steakhouse Goritschnigg am Seecorso wird weiterhin von Michael Goritschnigg geführt und soll nach der Winterpause am 10. April 2026 wieder öffnen. Auch im Hotelbereich geht die Geschichte weiter. Medienberichten zufolge wurde bereits ein Käufer für den Betrieb gefunden, der die Weiterführung sicherstellen soll.
Strukturwandel im Fleischerhandwerk
Die Schließung eines Traditionsbetriebs wie Goritschnigg steht exemplarisch für die Herausforderungen im Fleischerhandwerk. Generationenwechsel, wirtschaftlicher Druck und verändertes Konsumverhalten führen zunehmend dazu, dass selbst etablierte Betriebe keinen Nachfolger mehr finden oder sich für einen geordneten Rückzug entscheiden. Für Velden bedeutet das Aus jedenfalls mehr als nur den Verlust eines Geschäfts. Es ist das Ende eines Stücks regionaler Handwerksgeschichte, das über mehr als ein Jahrhundert hinweg Bestand hatte.



