Das Wiener Fleischzentrum f-eins schließt Ende 2025. Für das Unternehmen Steiner Fleisch bedeutet das aber nicht das Ende – sondern den Beginn einer unerwarteten Partnerschaft mit einem Niederösterreicher, der heuer 150 Jahre Firmengeschichte feiert.

Andreas Steiner hatte schon lustigere Zeiten erlebt. Doch wer ihn kennt, weiß: „Aufgeben“ steht nicht in seinem Wortschatz. Als Ende 2024 feststand, dass der Wiener Fleischmarkt f-eins den Besitzer wechseln und die Mieter per 31. Dezember 2025 die Kündigung erhalten würden, begann er, die Fühler auszustrecken – und fand schließlich eine Lösung, mit der wohl die wenigsten gerechnet hätten.

Wien verzichtet auf Vorkaufsrecht

Dabei war f-eins von Beginn an kein einfaches Pflaster. „Der Fleischmarkt von Wien hatte von Anfang an mit gehörigen Problemen zu kämpfen. Die Mieten waren exorbitant hoch, von den ursprünglich 19 Erstmietern mussten einige schon nach wenigen Jahren die Segel streichen, weil es sich finanziell nicht ausging“, erklärt Andreas Steiner. Das strukturelle Problem lag tiefer: Die Stadt Wien, die das Projekt ursprünglich durchaus großzügig gefördert hatte, vermittelte den Wienerinnen und Wienern nie so richtig, dass dieser Fleischmarkt stets auch für Privatkunden offen war. „Er blieb größtenteils ein Geheimtipp für Feinschmecker, die Gastronomie, Fleischer und kleine Lebensmittelhändler waren die Hauptkunden.“

Meat Up – Wifi Steiermark
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Von den zunächst zehn heimischen Fleischern, die im Markt ihre Heimat gefunden hatten, blieben am Ende drei übrig: die Firmen Steiner, Grögl und Szabo, dazu noch vier andere Anbieter. Mehr war es nicht. Und in dieser dürftigen Auslastung lag auch der Grund begraben, warum die Stadt Wien von ihrem Vorkaufsrecht nicht Gebrauch machte, als die Uniqa den Fleischmarkt veräußern wollte. Die zuständige MA 69 stellte gegenüber einer großen Gratiszeitung fest, die Ausübung des Vorkaufsrechts sei nach Rücksprache mit mehreren Magistratsabteilungen „anhand wirtschaftlicher beziehungsweise strategischer Kriterien“ beurteilt und abgelehnt worden. Auf gut Deutsch: f-eins hatte für die Stadt keine wirtschaftliche Zukunft. Somit ging der Fleischmarkt im September 2024 an Etsan-Gründer Hüseyin Ünal – die Mieter und der Geschäftsführer des Fleischmarktes erfuhren davon erst drei Monate später. Kurz danach flatterten ihnen die Kündigungen per 31. Dezember 2025 ins Haus.

Grögl geht – Steiner sucht

Während die Fleischzerlegefirma Grögl in den Konkurs schlitterte und alle anderen Mieter ihr Schicksal in Kauf nahmen, suchten Herbert und Andreas Steiner aktiv nach einer Lösung. Dass dabei auch das Ende des Unternehmens im Raum stand, will Andreas Steiner nicht aussparen: „Eigentlich hatten wir den neuen Eigentümer schon fast so weit, dass er die Mietverhältnisse nicht gekündigt hätte, doch dann meldete der Kollege Grögl die Insolvenz an. Damit war es vorbei. Ich hatte zu dieser Zeit bereits meine Fühler ausgestreckt, um nach alternativen Lösungen zu suchen. Auch das Ende des Unternehmens stand durchaus im Raum. Doch dann besuchte mich Fleischermeister Hans Nemetz jun. aus Böheimkirchen, und wir kamen ins Gespräch. Auch sein Vater zeigte sofort Interesse und schlug mir eine Einmietung in Böheimkirchen vor. Wir wurden sehr rasch handelseins, weil es für beide Unternehmen nur Vorteile gibt.“

Für die Kunden ist sofort ersichtlich, dass die Firma Steiner Partner des Nemetz-Fleischmarkts ist.© HaRo
Für die Kunden ist sofort ersichtlich, dass die Firma Steiner Partner des Nemetz-Fleischmarkts ist.© HaRomehr anzeigen
Eine Partnerschaft auf Augenhöhe (v. l.): Hans Nemetz sen., Andreas Steiner und Hans Nemetz jun. – zwei Familienunternehmen, ein gemeinsamer Neustart.© HaRo
Eine Partnerschaft auf Augenhöhe (v. l.): Hans Nemetz sen., Andreas Steiner und Hans Nemetz jun. – zwei Familienunternehmen, ein gemeinsamer Neustart.© HaRomehr anzeigen
Die Steiner-Theke macht sich ausgesprochen gut im Nemetz-Markt in Vösendorf. © HaRo
Die Steiner-Theke macht sich ausgesprochen gut im Nemetz-Markt in Vösendorf. © HaRomehr anzeigen

Zerlegung und Verkaufsladen

Mit der Einmietung der Zerlegung in Böheimkirchen allein war es freilich nicht getan. Steiner Fleisch betreibt nun im Nemetz-Markt in Vösendorf eine Filiale im Shop-in-Shop-System – mit dem gesamten Fleischsortiment auch für Endverbraucher. 28 der ursprünglich 34 Mitarbeitenden haben den Standortwechsel mitgemacht. „Wir haben einen Teilbereich aufgegeben und konnten daher eine Personalreduktion vornehmen. Im Wesentlichen befassen wir uns jetzt mit der Zerlegung von Schweine-, Rind-, Kalb- und Lammfleisch, mit der Feinzerlegung für die Gastro, wir führen ein Gastrosortiment an Fleisch- und Wurstwaren, TK-Produkte, Käse, Fisch und Meeresfrüchte sowie Frischgemüse auf Bestellung“, nennt Steiner die neuen Geschäftsfelder und ergänzt: „Ich bin sehr glücklich, einen neuen Partner gefunden zu haben.“

Partnerschaft auf Augenhöhe

Eine Einschätzung, die auch Hans Nemetz sen. teilt – sein Unternehmen feiert heuer den 150. Geburtstag. „Wir haben eine Partnerschaft auf Augenhöhe gewonnen. Die ausgesprochen kurze Realisierungsphase war sicherlich eine Herausforderung, doch gemeinsam haben wir alles bravourös gemeistert. Und das in der arbeitsintensivsten Zeit des Jahres kurz vor Weihnachten. Dafür auch Dank an meinen neuen Geschäftspartner“, betont Nemetz sen.

Für die Branche ist das Ergebnis jedenfalls erfreulich: Ein weiterer Wiener Fleischbetrieb mit langjähriger Tradition bleibt erhalten – nur eben nicht mehr in Wien, sondern in bester niederösterreichischer Gesellschaft.

Alle Infos finden Sie unter www.steinerfleisch.at

Autor: HaRo
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