30 Jahre nach dem ersten Produktwettbewerb steht die AB HOF stärker denn je da. Mit tausenden eingereichten Produkten, wachsender Ausstellerzahl und großem Publikumsinteresse wird klar: Qualität hat eine stabile Zukunft. Es ist Anfang März 2026, und die kleine Gemeinde Wieselburg mit knapp 4.850 Einwohnern hat sich einmal mehr in Österreichs Zentrum des regionalen Lebensmittelhandwerks verwandelt. Wer pünktlich ankommen wollte, musste schon im Ort selbst gut 20 Minuten Verzögerung einkalkulieren. Der Andrang war enorm – und das sagte alles.

Rund 260 Aussteller sind nach Niederösterreich gekommen, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Über 25.000 Besucher haben in vier Tagen die Hallen der AB HOF, der Spezialmesse für bäuerliche Direktvermarktung, gefüllt. Beim Rundgang von Fleisch & Co war es an vielen Ständen schlicht nicht möglich, die Aussteller zu begrüßen. Der Besucheransturm ließ keine Lücke. Ein schöneres Problem gibt es kaum.

1996 – ein Wettbewerb, der eine Branche verändert

Das Jubiläumsjahr 2026 gibt Anlass, innezuhalten. 30 Jahre ist es her, dass die Messe Wieselburg unter der Leitung von Werner Roher erstmals einen Produktwettbewerb für bäuerliche Direktvermarkter ins Leben gerufen hat. Damals, 1996, lag der Fokus eng: Brände, Liköre, Moste und Fruchtsäfte. Rund 650 Proben wurden im ersten Jahr eingereicht. Was wie ein regionaler Qualitätswettbewerb begann, ist heute die führende Plattform für Direktvermarktung im deutschsprachigen Raum.

Getragen von engagierten Partnern – darunter der verstorbene Franz Wippel, die Landwirtschaftskammer Niederösterreich, der Landesobstbauverband Niederösterreich und die Mostgalerie im Stift Ardagger – wurde das Spektrum der Wettbewerbe Schritt für Schritt ausgebaut. Heute umfassen die AB HOF-Prämierungen acht eigenständige Kategorien – das Goldene Stamperl, die Goldene Birne, den Speck-Kaiser, den Brot-Kaiser, den Öl-Kaiser, das Goldene Blunz’nkranzl, den Pasta-Kaiser und den Fisch-Kaiser – und mittlerweile auch Direktvermarkter und Gewerbebetriebe. Ein breites Spektrum – doch für die Fleischbranche steht naturgemäß vor allem eines im Mittelpunkt: der Speck-Kaiser und das Blunz’nkranzl.

Kaum ein Platz frei: Blick ins Publikum bei der Eröffnung der AB HOF 2026 in Wieselburg. © Beigestellt
Kaum ein Platz frei: Blick ins Publikum bei der Eröffnung der AB HOF 2026 in Wieselburg. © Beigestelltmehr anzeigen
Medialer Ritterschlag auf der AB HOF 2026: Thomas Mitteregger, Speck-Produzent des Jahres aus Mautern in der Steiermark, stand kurz nach der Preisverleihung bereits vor dem Mikrofon von Servus TV.© Beigestellt
Medialer Ritterschlag auf der AB HOF 2026: Thomas Mitteregger, Speck-Produzent des Jahres aus Mautern in der Steiermark, stand kurz nach der Preisverleihung bereits vor dem Mikrofon von Servus TV.© Beigestelltmehr anzeigen
Herbert Lechner vom Blunzensemmerl aus Scheibbs – Speck-Produzent des Jahres 2025 – stand kurz nach der Preisverleihung auf der AB HOF 2026 mit seiner Familie im Mittelpunkt des Medieninteresses. © Beigestellt
Herbert Lechner vom Blunzensemmerl aus Scheibbs – Speck-Produzent des Jahres 2025 – stand kurz nach der Preisverleihung auf der AB HOF 2026 mit seiner Familie im Mittelpunkt des Medieninteresses. © Beigestelltmehr anzeigen

3.834 Produkte, 123 Sieger, ein Jubiläum

Im Jahr 2026 wurden insgesamt 3.834 Produkte von 964 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingereicht. Aus den Bewertungen gingen 123 Siegerprodukte hervor, die am 6. März auf der AB HOF-Bühne feierlich geehrt wurden. Allein in den beiden ältesten Kategorien – dem Goldenen Stamperl und der Goldenen Birne – wurden 2.688 Produkte eingereicht, was die zentrale Rolle der Getränkewettbewerbe einmal mehr unterstrich.

Meat Up – Wifi Steiermark
Meat Up – Wifi Steiermark

Bei der Eröffnung würdigten Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf die Leistungen der heimischen Direktvermarkter als klares Signal für Qualität und Versorgungssicherheit. LH-Stv. Stephan Pernkopf brachte bei der Eröffnung der AB HOF 2026 auf den Punkt, was viele Betriebe täglich spüren: „Wir brauchen wieder mehr Landwirtschaft und weniger Zettelwirtschaft.“

Das mediale Interesse spiegelte die Bedeutung der Messe wider: Von ORF bis Servus TV, von Tageszeitungen bis Fachmedien – alle namhaften Häuser waren vor Ort. Auch das Fachprogramm bot Impulse: Vorträge und Workshops griffen aktuelle Themen der Direktvermarktung auf, die Bühne „Junge Pioniere“ gab jungen Landwirtinnen und Landwirten Raum für ihre Projekte und Ideen.

Speck-Kaiser 2026: 394 Exponate, 15 Titel, ein klares Ergebnis

Für die Fleischbranche ist der Speck-Kaiser das Herzstück der AB HOF-Prämierungen – und Fleisch & Co ist als Fachmedien-Sponsor seit Jahren eng damit verbunden. Bei der 23. Auflage wurden 394 Proben von 105 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingereicht und nach dem 100-Punkte-Schema einer Fachjury bewertet. Die Jury vergab 15 Speck-Kaiser-Titel sowie ein Goldenes Blunz’nkranzl. Sieben der Trophäen gingen nach Niederösterreich, vier nach Oberösterreich, je zwei nach Tirol und Kärnten sowie eine in die Steiermark.

Bewertet wurden Rohpökelwaren, Kochpökelwaren, Rohwürste, Aufstriche und Spezialitäten aus bäuerlicher und gewerblicher Produktion. Die Auszeichnungsstufen: 90 bis 100 Punkte ergeben den Speck-Kaiser-Titel bzw. das Goldene Blunz’nkranzl oder eine Goldmedaille, 85 bis 89 Punkte eine Silbermedaille, 80 bis 84 Punkte Bronze. Je Kategorie kann maximal ein Speck-Kaiser vergeben werden – Voraussetzung dafür ist das Erreichen einer Goldmedaille.

Wenn die gesamte Familie auf die Bühne geht

Die Preisverleihung ist jedes Jahr ein emotionaler Höhepunkt – nicht wegen der Trophäen, sondern wegen der Menschen, die sie entgegennehmen. Auch 2026 sah man ausschließlich strahlende Gesichter, die sich neben der Politprominenz rund um Bundesminister Norbert Totschnig einfanden: Herbert Lechner vom Blunzensemmerl aus Scheibbs etwa, der zünftig in Lederhosen und mit seiner gesamten Familie gleich mehrere Preise abholte. Nach der Überreichung der Trophäen warteten bereits Mitarbeitende von Servus TV und weitere Journalisten auf das Interview – und Herbert Lechner stand sehr stolz Rede und Antwort. Der Moment sagte alles über das, wofür diese Auszeichnung steht: Handwerk, das Generationen verbindet, und Qualität, die man nicht verstecken muss.

Auch die erfolgsverwöhnte Doris Steiner-Bernscherer ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit ihrem Sohn Martin den Preis persönlich entgegenzunehmen.

Speck-Produzent des Jahres: der Girnerhof aus Mautern

Den Titel Speck-Produzent des Jahres 2026 – gesponsert von Fleisch & Co mit einem Anerkennungsbetrag von 500 Euro, überreicht als Scheck auf der Messe – holten sich Thomas und Sophie Mitteregger vom Girnerhof im hochsteirischen Mautern. Seit 35 Jahren wird auf diesem bäuerlichen Familienbetrieb, der bereits in fünfter Generation tätig ist, Direktvermarktung betrieben. Bewährte Handwerkskunst trifft dort auf moderne, nachhaltige Produktionsmethoden – ein Ansatz, der die Jurys der Messe Wieselburg seit Jahren überzeugt.

Das Sortiment des Girnerhofs reicht von Frischfleisch über Wurst- und Selchspezialitäten und gut gereifte Specksorten bis hin zu Edelbränden, Likören und liebevoll gestalteten Geschenkkörben. Die Prämierungserfolge beim Speck-Kaiser 2026 belegen die Bandbreite eindrucksvoll: Gold in der Kategorie Bauchspeck ungeräuchert mit Kräuterspeck und Knoblauchspeck, Gold beim Schinkenspeck ungeräuchert mit dem Grazerberger Rohschinken, der Siegertitel bei den Sonstigen Rohpökel-Spezialitäten vom Schwein mit dem Mulbratl sowie weitere Goldmedaillen bei den Kochpökelwaren. Sämtliche prämierten Produkte können direkt ab Hof in Mautern erworben werden.

Nächste Station: Land Forst Jagd und AB HOF 2027

Die nächsten Produktprämierungen der Messe Wieselburg folgen bereits von 28. bis 31. Mai 2026 im Rahmen der Messe Land Forst Jagd – mit dem Goldenen Stanitzel und dem Kasermandl in Gold stehen weitere zwei Wettbewerbe für bäuerliche Direktvermarkter bevor. Die nächste AB HOF-Messe findet von 5. bis 8. März 2027 statt. Das Modell, das die Messe Wieselburg seit 30 Jahren konsequent verfolgt, hat sich bewährt: Qualität braucht eine Bühne. Und diese Bühne wird jedes Jahr ein bisschen größer.

In der nächsten Ausgabe von Fleisch & Co stellen wir den Speck-Kaiser 2026 ausführlich vor – mit den Siegern, den Ausstellern und den Geschichten dahinter.

© Schafranek

© Schafranek

SPECK-PRODUZENT DES JAHRES 2026

Thomas und Sophie Mitteregger, Girnerhof
Mautern, Steiermark

DIE SIEGER 2026

Bauchspeck geräuchert – landwirtschaftliche Produktion:
Dismashof – Alber und Krug Martin GesmbR, Mieming

Karreespeck geräuchert – landwirtschaftliche Produktion:
Hofladen Mayrhofer, Engerwitzdorf

Karreespeck geräuchert – gewerbliche Produktion:
Lehner GmbH, Scharten

Schinkenspeck geräuchert – landwirtschaftliche Produktion:
LFS St. Andrä, St. Andrä

Schinkenspeck ungeräuchert – landwirtschaftliche Produktion:
Kraßnig Johann vlg. Hanebauer, Weitensfeld

Kochschinken – gewerbliche Produktion:
Blunzensemmerl – Herbert Lechner, Scheibbs

Sonstige Rohpökel-Spezialitäten vom Schwein – landwirtschaftliche Produktion:
Thomas und Sophie Mitteregger, Girnerhof, Mautern

Sonstige Rohpökelwaren – landwirtschaftliche Produktion:
Josef Wiesböck, Wildungsmauer

Rohwürste – landwirtschaftliche Produktion:
Gertraud und Hannes Danzl, Schwaz

Erhitzte Würste – landwirtschaftliche Produktion:
Hofladen Mayrhofer, Engerwitzdorf

Kochpökelwaren essfertig – gewerbliche Produktion:
Steiner Fleischerfachgeschäft, Sollenau

Kochpökelwaren essfertig – landwirtschaftliche Produktion:
Annahof – Johannes Schabbauer, Laab im Walde

Aufstriche – gewerbliche Produktion:
Weinbau Riegler-Dorner, Grossau

Aufstriche – landwirtschaftliche Produktion:
Hohenlehen-Fleisch, Hollenstein

Raritäten und regionale Spezialitäten (außer Aufstriche) – gewerbliche Produktion:
Leibetseder Gastronomie + Fleischwaren GmbH, Rohrbach

Preisträger Goldenes Blunz’nkranzl ’26

Blutwürste deutsch-österreichischer Art – gewerbliche Produktion:
Blunzensemmerl – Herbert Lechner, Scheibbs