Trotz wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen zeigt sich die Fleischbranche in Österreich stabil. Die Marcher Fleischwerke registrieren sogar einen leicht steigenden Fleischkonsum und setzen weiterhin stark auf Export, Snacks und Convenience-Produkte.
Während viele Branchen in Österreich zuletzt unter wirtschaftlichem Druck standen, zeigt sich die Fleischwirtschaft vergleichsweise stabil. „Unsere Branche ist per se sehr stabil, zwar mit geringen Margen, aber mehr oder weniger gleichbleibenden Absätzen – zuletzt ist der Fleischkonsum sogar leicht gestiegen“, sagt Norbert Marcher, Geschäftsführer der Marcher Fleischwerke. Das Unternehmen ist Österreichs größter Fleischverarbeiter. Rund 1.800 Mitarbeiter erwirtschaften an mittlerweile elf Standorten einen Jahresumsatz von rund 700 Millionen Euro (2025). Damit zählt die Unternehmensgruppe zu den acht größten Herstellern von Nahrungs- und Genussmitteln in Österreich.
Ein Grund für die positive Entwicklung liegt laut Marcher in einer veränderten Wahrnehmung von Ernährung. „Der Trend geht wieder stärker in Richtung ‚echte‘ Proteinquellen wie Fleisch, Milch und Eier“, erklärt er. Diese Entwicklung bewertet er als sinnvoll, da tierische Lebensmittel Eiweiß besonders direkt und effizient für den menschlichen Körper bereitstellen. Der Markt für Fleischersatzprodukte hingegen scheint seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Weitere größere Zuwächse erwartet Marcher derzeit nicht. Alternative Aufschnittprodukte werden zwar weiterhin produziert, sie machen jedoch nur einen geringen Anteil am Gesamtumsatz des Unternehmens aus.
Exportgeschäft als zentrale Säule
Eine entscheidende Rolle spielt für die Marcher Fleischwerke der Export. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird mittlerweile im Ausland erwirtschaftet. Besonders gefragt sind dort veredelte Produkte, vor allem im Snacksegment. Dazu zählen etwa Salamisticks, Mini-Cabanossi oder Wurstpralinen. Ebenso erfolgreich sind klassische österreichische Spezialitäten wie Speck oder geräucherte Wurstsorten. Auch der Convenience-Bereich entwickelt sich dynamisch. Panierte Schnitzel oder Nuggets sind vor allem in internationalen Märkten stark nachgefragt.
Beim Schweinefleisch zählen vor allem europäische Nachbarländer zu den wichtigsten Absatzmärkten. Dazu gehören Italien, Deutschland, Ungarn und Slowenien. Gleichzeitig bleibt Asien ein bedeutender Importmarkt. Länder wie China, Japan, Korea und Vietnam spielen weiterhin eine zentrale Rolle im internationalen Handel. Beim Rindfleisch dominieren europäische Märkte. Neben Italien und Deutschland zählen Frankreich, Spanien, die Niederlande, Dänemark und Schweden zu den wichtigsten Zielländern. Auch Nicht-EU-Staaten wie die Schweiz und Mazedonien entwickeln sich positiv.
„Sowohl bei Schwein als auch bei Rind konnten wir unsere Marktposition im Export festigen“, sagt Norbert Marcher.
Export spielt auch für die sogenannte Nose-to-Tail-Verwertung eine wichtige Rolle. Teilstücke, die im Inland schwer vermarktbar sind, finden im Ausland oft eine höhere Nachfrage. Besonders Schlachtnebenprodukte werden in afrikanischen und asiatischen Ländern stark nachgefragt.
Investitionen in Infrastruktur und Verwertung
Um die Ganztiervemarktung weiter zu verbessern, hat das Unternehmen zuletzt gezielt in Infrastruktur investiert. Ein wichtiger Baustein ist der Standort in Leoben. Der Betrieb wurde 2015 übernommen und 2024 zu einem Tierfutterwerk umgebaut. Dort können unter anderem Kauartikel wie Ohren, Schlund, Lunge oder Pansen getrocknet werden. „Durch die Nähe zu unseren Schlachthöfen können wir hier einen Beitrag zur Ganztiervermarktung leisten“, erklärt Marcher. Ein weiterer Standort ist ein kleiner Schlachthof im oberösterreichischen Adlwang. Aufgrund seiner Lage mitten im Produktionsgebiet lassen sich Transportwege verkürzen und die Auslastung der Zerlegebetriebe verbessern. Darüber hinaus investierte das Unternehmen in den vergangenen Jahren in mehrere Kapazitätserweiterungen. Dazu zählen unter anderem das Salamiwerk mit der Marke Loidl in St. Stefan im Rosental sowie eine neue Schweinezerlegeanlage am Hauptsitz in Villach.
Was in Österreich besonders gefragt ist
Bei den Konsumgewohnheiten der Österreicher bleibt vor allem ein Klassiker besonders gefragt: Faschiertes. Ob gemischt, rein vom Rind oder vom Schwein – Hackfleisch zählt weiterhin zu den meistgekauften Fleischprodukten. „Wir erklären uns das vor allem durch die einfache Zubereitung“, sagt Marcher. Auch Hühnerfleisch verzeichnet eine starke Nachfrage, wird allerdings von den Marcher Fleischwerken selbst nicht produziert.
Im Wurstsegment wächst besonders das Interesse an Snackprodukten. Mini-Salamis, Sticks oder kleine Wurstportionen treffen den aktuellen Trend zu schnellen Zwischenmahlzeiten. Auch im Convenience-Bereich bleibt die Nachfrage stabil. In der Systemgastronomie sowie im Lebensmitteleinzelhandel sind Produkte wie Chicken-Nuggets, Fleischlaibchen oder Burgerpatties weiterhin stark gefragt.
Fokus 2026: Produktentwicklung und Prozesse
Für das Jahr 2026 plant das Unternehmen keine größeren Investitionen in zusätzliche Produktionskapazitäten. Der Fokus liegt vielmehr auf internen Entwicklungen. Dazu gehören Investitionen in Personal, IT-Strukturen, Produktentwicklung und Prozessoptimierung sowie laufende Ersatzinvestitionen. Auch neue Produkte sind bereits in Vorbereitung. Aktuell werden Mini-Cabanossi und Mini-Salamisticks in wiederverschließbaren Standbeuteln eingeführt. Im Convenience-Bereich wurden außerdem Chicken-Wings in verschiedenen Geschmacksrichtungen entwickelt, die künftig sowohl in der Gastronomie im Inland als auch international angeboten werden sollen.



