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GGÖ: Hühner aus Tierwohl-Haltung dürfen länger leben

Österreichische Geflügelwirtschaft forciert vitalere Masthühner

Neue Tierwohl-Haltung bei Hühnern

In Österreich halten 773 bäuerliche Betriebe Masthendln, welche im Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden. Im Supermarkt kann sich der Konsument beim Hendl-Einkauf zwischen drei Haltungsformen entscheiden: Entweder er kauft ein Huhn mit dem AMA-Gütesiegel, eines mit dem AMA-Biosiegel oder – jetzt neu – ein Huhn mit dem AMA-Tierwohl-Label, in letzterem Programm sollen zukünftig vitalere, langsamer wachsendere Hühner-Rassen eingesetzt werden. Die Geflügelmastgenossenschaft GGÖ sieht diese Entwicklung als wichtigen Schritt im Interesse einer gesellschaftlich akzeptierten Geflügelhaltung in Österreich.

„Die neuen Tierwohl-Hendln sollen eine Alternative zum konventionellen Huhn darstellen und für Konsumenten, denen das Tierwohl zwar ein Anliegen ist, die aber nicht den Preis eines Biohuhns bezahlen wollen oder können, eine neue Wahlmöglichkeit bieten. Wir als Erzeugergemeinschaft GGÖ betreuen die Bauern bei der Aufzucht der Tiere nach dem neuen Tierwohl-Label und wollen die Tierwohl-Hühner in Kooperation mit unseren Vermarktungspartnern ab Ende Mai/Anfang Juni im Verkauf anbieten“, erläutert Markus Lukas, Obmann der Geflügelwirtschaft Österreich.

Tierwohl-Kriterien

Die Geflügelwirtschaft beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit der Haltung von Tierwohl-Hühnern. Dabei wurden entsprechend der Bedürfnisse der Tiere die Haltungsbedingungen laufend angepasst. Eingerichtet wurden neue Fußbodenheizungen zum Wohlbefinden der Küken, Aufsitzflächen zur besseren Strukturierung der Umgebung, Picksteine zum Ausleben der natürlichen Verhaltensweisen, verpflichtendes Tageslicht und als bisherige Krönung, der Zugang zu einem Wintergarten mit Außenklima. Die Hendln entscheiden tagsüber selber, ob sie sich im Stall oder draußen im Wintergarten aufhalten wollen.

Neu: Langsamer wachsende Rassen

Dieses bereits sehr umfangreiche Tierwohlpaket wird ab sofort um eine bedeutende Anforderung erweitert. Die Kritik am „Turbohuhn“ wird von der GGÖ seit Jahren ernst genommen. Bereits vor zwei Jahren wurde daher gemeinsam mit den Vertragspartnern begonnen, in ausgewählten Stallungen mit langsamer wachsenden Rassen zu arbeiten. Die wichtigen Haltungsparameter wie Temperatur, Futter oder Licht wurden auf diese Tiere angepasst. Diese Woche soll nun mit den neuen Tierwohlhühnern gestartet werden. Bis zu 30.000 Küken der langsamer wachsenden Rasse werden pro Woche in den GGÖ-Stallungen neu eingestellt. Das Kriterium „langsamer wachsend“ wird über die Tageszunahme pro Tag und die Gesamtdauer der Mast definiert. Die neuen Tierwohlhendln werden an die 45 Tage auf den Betrieben bleiben. Das bedeutet im Vergleich zum normalen Huhn eine um bis zu zwei Wochen längere Haltedauer.

„Mit diesen neuen Rassen wollen wir den Wünschen der Konsumentinnen und Konsumenten nachkommen, die auch bei der Aufzucht von Hühnern mehr Nachhaltigkeit fordern. Hendlfleisch aus Österreich soll für aktiven Klimaschutz, beste Lebensmittelsicherheit, Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich und vor allem Tierschutz in den Stallungen stehen. Wenn der Konsument diese Anstrengungen in der Hühneraufzucht durch einen etwas höheren Preis im Einkauf honoriert, dann steht einem stetigen Ausbau der nach höheren Tierwohl-Standards produzierten Hühner nichts im Wege“, so Lukas.

Österreich: Hoher Anteil an Bio-Huhn

Im obersten Qualitätssegment ist Österreich stolz auf die im Vergleich zu anderen EU-Ländern große Biohendlproduktion. Von den 773 Mastbetrieben arbeiten 337 Betriebe im Biobereich mit insgesamt 2,70 Mio. Mastplätzen. Das entspricht einem Bioanteil von ca. 19,8 Prozent. 10,95 Millionen Masthendln werden im Rahmen der sogenannten konventionellen Tierhaltung aufgezogen. Davon sind bereits jetzt die Mastplätze von rund zwei Millionen Tieren nach höheren, von der AMA und der Geflügelwirtschaft definierten Tierwohl-Kriterien ausgestaltet. Somit leben aktuell knapp 40 Prozent der heimischen Masthendln in Bio- oder Tierwohlstallungen.

Helle Ställe

Bereits das konventionelle AMA-Hendl hebt sich deutlich vom importierten Huhn ab. Mit der 30-Kilogramm-Lebendgewicht-Grenze pro Quadratmeter tummeln sich knapp 30 Prozent weniger Hendln in den heimischen Stallungen als im EU-Stall mit 40 Kilogramm pro Quadratmeter. Einzigartig ist auch die zu 100 Prozent gentechnikfreie Fütterung bei allen Hendln in Österreich. Finstere Stallungen mit Kunstlicht weichen in Österreich schon seit vielen Jahren Stallungen mit Tageslicht.

Darüber hinaus sind die heimischen Hühnermäster auch Vorbild in der Tiergesundheit. Eine verpflichtende Teilnahme im Tiergesundheitsdienst mit Schulungsprogrammen bis hin zu einer 50%igen Reduktion des Antibiotikaeinsatzes (dokumentiert durch eine eigene Datenbank) zeigen die Bemühungen und den Unterschied zwischen Geflügel von heimischen Bauernhöfen und jenem aus ausländischer industrieller Produktion.

Über die GGÖ

Die GGÖ Geflügelmastgenossenschaft mit Sitz in Linz ist die einzige von der EU anerkannte Erzeugergemeinschaft für Geflügelmast in Österreich. Um die Entwicklung und die laufend verbesserten Tierwohl-Standards dauerhaft absichern zu können, fordert die GGÖ dringend eine staatliche Haltungsformkennzeichnung und die finanzielle Absicherung der Tierwohlstandards.

Rückfragen & Kontakt:  GGÖ Geschäftsführerin Andrea Fraungruber
andrea.fraungruber@ggoe.at
Mobil: 0676-9282582

APA/OTS

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