Steigende Kosten, geopolitische Krisen und volatile Märkte stellen die Lebensmittelwirtschaft zunehmend vor Herausforderungen. Beim 4. Tiroler Lebensmittelkongress im Congresspark Igls stand deshalb die Frage im Mittelpunkt, wie Versorgungssicherheit, Qualität und regionale Wertschöpfung langfristig abgesichert werden können. Der Tenor der Veranstaltung: Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Lebensmittelversorgung unter Druck

Veranstaltet wurde der Kongress vom Landesgremium Lebensmittelhandel der Wirtschaftskammer Tirol und der Agrarmarketing Tirol gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Tirol. Unter dem Motto „Gemeinsam Tirols Lebensmittelversorgung gestalten: Zusammenarbeit und Planbarkeit in Zeiten des Wandels“ diskutierten Vertreter aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Politik über aktuelle Herausforderungen.

Franz Sinabell, Senior Economist am WIFO, verwies auf die langfristigen Auswirkungen internationaler Krisen auf die Lebensmittelmärkte. Pandemie, geopolitische Konflikte und steigender Kostendruck hätten die Rahmenbedingungen nachhaltig verändert. Kooperationen würden deshalb immer wichtiger, etwa bei Qualitätssicherung, Produktentwicklung oder der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen.

Regionale Wertschöpfung sichern

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler betonte die wirtschaftliche Bedeutung regionaler Lebensmittel für Tirol. Heimische Produkte würden nicht nur Arbeitsplätze sichern, sondern auch Einkommen entlang der gesamten Wertschöpfungskette stärken. Entscheidend sei daher, regionale Strukturen weiter auszubauen und enger miteinander zu vernetzen.

Auch Barbara Thaler, Präsidentin der Wirtschaftskammer Tirol, sieht vor allem bei Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit Handlungsbedarf. Verlässliche Rahmenbedingungen seien notwendig, um Betrieben trotz steigender Kosten und regulatorischer Anforderungen Planungssicherheit zu geben.

Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette

Für Patricia Sepetavc, Gremialobfrau des Tiroler Lebensmittelhandels und Geschäftsführerin von SPAR Tirol und Salzburg, haben die vergangenen Jahre gezeigt, wie belastbar die Lebensmittelversorgung durch funktionierende Zusammenarbeit geworden ist. Trotz schwieriger Bedingungen sei es gelungen, die Bevölkerung kontinuierlich mit einem breiten Sortiment zu versorgen.

Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol, fordert deshalb faire und langfristige Partnerschaften zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel. Gerade landwirtschaftliche Betriebe stünden unter hohem Druck durch steigende Kosten und rasch wechselnde Rahmenbedingungen.

Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln steigt

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt die Nachfrage nach regionalen Produkten hoch. Matthias Pöschl, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol, sieht darin ein klares Signal der Konsumenten: Herkunft, Qualität und Vertrauen gewinnen weiter an Bedeutung.

Journalistin und Speakerin Sabine Kronberger sprach beim Kongress von einer „Transition“ statt einer Krise. Der Wandel verlange laufende Anpassung, eröffne aber gleichzeitig neue Chancen für Wachstum und Innovation innerhalb der Lebensmittelbranche.