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Parlamentsausschuss diskutiert Herkunft, Bio-Anteil und Versorgungssicherheit – Chance für die Fleischereibranche?

Der Landwirtschaftsausschuss diskutiert Bio-Anteil, Herkunftskennzeichnung und Versorgungssicherheit. Was die Beschlüsse für Österreichs Fleischer bedeuten und warum klare, unbürokratische Herkunftsregeln für regionale Betriebe entscheidend sind.

Der Landwirtschaftsausschuss diskutiert Bio-Anteil, Herkunftskennzeichnung und Versorgungssicherheit. Was die Beschlüsse für Österreichs Fleischer bedeuten und warum klare, unbürokratische Herkunftsregeln für regionale Betriebe entscheidend sind.
Ein paniertes Schnitzel mit kleinen Länderflaggen symbolisiert die aktuelle Debatte rund um Herkunftskennzeichnung und internationale Lieferketten in der Lebensmittelproduktion. Bildnachweis: KI-generiert (ChatGPT / DALL·E)

Parlamentsausschuss diskutiert Herkunft, Bio-Anteil und Versorgungssicherheit – Chance für die Fleischereibranche?

Die Sitzung des Landwirtschaftsausschusses brachte mehrere Beschlüsse und Debatten, die für das österreichische Fleischerhandwerk und für regional produzierende Betriebe von hoher Bedeutung sind. Neben Fragen der nachhaltigen Lebensmittelbeschaffung standen auch Herkunftskennzeichnung, Versorgungssicherheit und die Weiterentwicklung agrarpolitischer Programme auf der Tagesordnung. Die Beschlüsse zeigen, dass das Thema klarer Herkunftsangaben in der Politik angekommen ist – gleichzeitig bleiben viele Details offen.

Mehrheit für höheren Bio-Anteil – aber Frage der Umsetzung bleibt zentral

Eine von ÖVP, SPÖ, NEOS und FPÖ unterstützte Initiative zur stärkeren Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung auf biologische, regionale und tierwohlgerechte Produkte wurde mehrheitlich angenommen. Ziel ist eine „ambitionierte und umsetzbare Ausweitung“ des Bio-Anteils bei Lebensmitteln im Bundesbereich, begleitet von einem verbesserten Monitoringsystem.

Bettcher Trimming
Bettcher Trimming

Für das Fleischerhandwerk ist dabei entscheidend, wie diese Vorgaben praktisch umgesetzt werden. Regionale Beschaffung funktioniert in der Praxis vor allem dann gut, wenn Herkunft, Qualität und Kontrollwege transparent nachvollziehbar sind – ein Bereich, in dem viele österreichische Fleischereibetriebe bereits heute ein nahezu lückenloses System vorweisen. Gleichzeitig ist offen, wie die Umsetzung konkret aussehen wird und ob zusätzliche Bürokratie vermieden werden kann.

Streitpunkt Herkunftskennzeichnung: Wunsch nach Klarheit – Sorge vor Mehraufwand

Erneut diskutiert wurde die Forderung nach einer gut sichtbaren Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel, unter anderem nach dem Modell „AT – EU – Non-EU“. Während die FPÖ und die Grünen auf eine rasche Umsetzung drängen, verwiesen SPÖ und NEOS auf offene Fragen und potenziellen bürokratischen Mehraufwand, insbesondere in der Gastronomie.
Gerade hier betonen Fleischer seit Jahren, dass einfache, praxistaugliche Lösungen möglich wären. Viele handwerkliche Betriebe verfügen bereits über Herkunftsdokumentationen, die transparent, nachvollziehbar und kontrollierbar sind. Die zentrale Herausforderung bleibt, ein System zu schaffen, das für Konsumenten klar verständlich und gleichzeitig für kleine Betriebe nicht noch zusätzliche Bürokratie bedeuten.

Versorgungssicherheit: Novelle des Lebensmittelbewirtschaftungsgesetzes

Mit breiter Mehrheit befürworteten ÖVP, SPÖ und NEOS die Novelle des Lebensmittelbewirtschaftungsgesetzes (LMBG), die künftig eine strategische Vorratshaltung von Lebensmitteln im Krisenfall ermöglichen soll. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre – von Pandemie bis Lieferkettenproblemen – haben gezeigt, wie wichtig Versorgungssicherheit ist.
Für Fleischer und Fleischproduzenten bedeutet das vor allem eines: Rohstoffe aus Österreich müssen auch in Krisenzeiten gesichert sein. Die Novelle betont zudem ausdrücklich die Bedeutung der Ernährungssouveränität – ein Signal, das aus Sicht des Handwerks klar in Richtung regionaler Produktion und heimischer Wertschöpfung weist.

Weitere Themen: GAP-Evaluierung, Nationalpark-Anpassungen, Mercosur-Debatte

Die Evaluierung des österreichischen GAP-Strategieplans wurde ausführlich diskutiert. Während die Regierungsparteien darin ein wichtiges Instrument für die Weiterentwicklung der Agrarpolitik sehen, kamen aus der Opposition kritische Stimmen, die eine stärkere Fokussierung auf das „Höfesterben“ und betriebliche Realität einforderten.
Ebenfalls Thema war die Vereinbarung zum Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel sowie eine kontrovers geführte Debatte über das Mercosur-Abkommen. Aus Sicht der Fleischwirtschaft bleibt klar: Eine Öffnung gegenüber Importen aus Drittstaaten, deren Standards nicht jenen Österreichs entsprechen, würde den Wettbewerb verzerren und gefährdet regionale Produktionsketten.

Was die Beschlüsse für das Fleischerhandwerk bedeuten könnten

Die Sitzung zeigt deutlich, dass die Herkunfts- und Beschaffungsfrage politisch weiter Fahrt aufnimmt. Für Österreichs Fleischer und Fleischproduzenten ist das eine Chance – denn regionale Qualität, nachvollziehbare Herkunft und Tierwohlkontrollen gehören seit Jahrzehnten zum Standard des Handwerks.
Die große Frage bleibt allerdings, wie politische Vorgaben so gestaltet werden können, dass sie Klarheit für Konsument:innen schaffen, österreichische Produkte stärken und gleichzeitig keine zusätzliche Bürokratie für kleine und mittlere Betriebe verursachen.

Gerade in einem Bereich, in dem viele handwerkliche Betriebe bereits heute hohe Transparenz und vollständige Dokumentation leben, sollte die Politik auf praxistaugliche Lösungen setzen, die bestehende Systeme anerkennen und stärken.