Das Fleischerhandwerk ist nicht untätig. Im Gegenteil. Es arbeitet strukturiert, organisiert und mit wachsender Klarheit an seinen eigenen Zukunftsfragen. Und doch bleibt der Druck hoch.
Ich möchte diesen Rückblick nicht als Selbstbeweihräucherung verstanden wissen, sondern als sachliche Einordnung dessen, was in den vergangenen Monaten tatsächlich passiert ist. Denn eines ist mir wichtig: Wer behauptet, das Gewerbe tue nichts, der irrt.
Ein zentraler Baustein unserer Arbeit ist die Weiterentwicklung der Plattform FLEISCH-KÖNNER. Die Zusammenarbeit mit unserer Werbeagentur zeigt, wie professionell und modern Branchenkommunikation heute funktionieren kann. Aber auch hier gilt: Die Werkzeuge sind da. Nutzen müssen sie die Betriebe selbst. Wer diese Chancen nicht ergreift, darf sich über mangelnde Sichtbarkeit nicht wundern.
Gleichzeitig wurde auf politischer Ebene intensiv gearbeitet. In zahlreichen Sitzungen mit der Wirtschaftskammer Österreich, unter Einbindung von Fachexperten und mit Unterstützung von Prof. Dr. Kainz, ist ein umfassendes Positionspapier entstanden. Auf 33 Seiten wurden Probleme, Belastungen und konkrete Lösungsansätze erarbeitet. Dieses Papier blieb nicht in der Schublade. Es wurde österreichweit präsentiert und in insgesamt 14 politischen Gesprächen mit Regierungs- und Oppositionsparteien übergeben.
Damit ist eines klargestellt: Niemand kann mehr sagen, er kenne die Probleme des Lebensmittelgewerbes nicht.
Die Inhalte sind bekannt und seit Jahren dieselben. Das Anlagenrecht ist zu komplex, Verfahren dauern zu lange, Auflagen sind oft realitätsfern. Erste Signale aus der Politik zeigen, dass hier Bewegung möglich ist. Ergebnisse werden im Laufe des Jahres erwartet.
Ein weiterer Punkt betrifft die Vielzahl an Verordnungen und laufenden Überprüfungen. Auch hier braucht es eine klare Richtung: weniger Bürokratie, mehr Praxistauglichkeit. Der Zugang muss lauten: beraten statt strafen.
Doch der eigentliche Dauerbrenner bleibt die Direktvermarktung. Es geht dabei nicht um ein Gegeneinander, sondern um Fairness. Wenn gleiche Produkte hergestellt werden, müssen auch gleiche Rahmenbedingungen gelten. Aktuell ist das nicht der Fall.
WIR sind nicht gegen die Landwirtschaft denn es besteht seit über 100 Jahren ein gegenseitig wertgeschätzte Partnerschaft! Bei der Direktvermarktung sprechen die Zahlen aber eine klare Sprache: Rund 90.000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Österreich, etwa 35.000 davon sind Direktvermarkter. Über 10.000 produzieren Fleisch und Fleischwaren. Dem gegenüber steht ein Lebensmittelgewerbe, das 2024 nur mehr rund 2.500 Mitglieder zählt. Und noch deutlicher wird es im Fleischerhandwerk selbst: Nur mehr 603 Betriebe sind tatsächlich Arbeitgeber und bilden Lehrlinge aus.
Das sind jene Betriebe, die Verantwortung tragen, massive Auflagen erfüllen müssen jedoch Arbeitsplätze sichern und unser Ausbildungssystem aufrechterhalten.
Gleichzeitig beobachten wir Entwicklungen, die Fragen aufwerfen. Einzelunternehmen im Fleischerbereich, die mit einer Person komplexe Produktionsprozesse abbilden sollen, passen schwer in ein realistisches Bild unseres Handwerks. Hier braucht es genauere Kontrollen und gleiche Maßstäbe für alle.
Um diese Ungleichgewichte faktenbasiert zu untermauern, wurde gemeinsam mit Oberösterreich eine umfassende Studie beauftragt. Auf 130 Seiten werden die strukturellen Benachteiligungen des Gewerbes detailliert dargestellt. Auch das ist ein Schritt, um Diskussionen weg von Emotionen hin zu belastbaren Fakten zu führen.
Neben der politischen Arbeit geht es aber auch um den Blick über die Grenzen. Die bevorstehende Reise in die Niederlande ist kein Ausflug, sondern Teil unserer strategischen Weiterentwicklung. Wir wollen verstehen, wie erfolgreiche Branchenorganisation dort funktioniert und welche Impulse wir für unsere eigenen Strukturen mitnehmen können.
All diese Maßnahmen zeigen: Es wird gearbeitet. Intensiv, strukturiert und mit klaren Zielen.
Aber eines muss ebenso klar gesagt werden: Analyse allein reicht nicht mehr. Wir brauchen Umsetzung. Und wir brauchen Betriebe, die bereit sind, diese Entwicklungen mitzutragen.
Denn am Ende entscheidet nicht ein Papier und nicht ein Gespräch. Entscheidend ist, ob es gelingt, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass das Fleischerhandwerk auch in Zukunft wirtschaftlich bestehen kann.
Dafür setzen wir uns ein. Und dafür werden wir weiter Druck machen.







