Wenn Sprache leiser wird – und die Texte lauter.

Wer sich aktuell durch soziale Netzwerke, Newsletter oder Fachbeiträge bewegt, bemerkt eine auffällige Veränderung. Texte klingen plötzlich rund, korrekt, beinahe perfekt. Zu perfekt. Gleiche Formulierungen, gleicher Rhythmus, gleiche Buzzwords. Nach wenigen Zeilen ist klar: Das hat nicht mehr viel mit individueller Handschrift zu tun.

Es zieht sich durch alle Berufs- und Bildungsschichten. Menschen, die jahrelang Mühe hatten, halbwegs verständlich zu schreiben, veröffentlichen plötzlich Texte, bei denen man sich fragt, an welcher Universität sie über Nacht promoviert haben. Und offenbar glauben manche ernsthaft, ihre Leser merken das nicht. Das ist keine Wertschätzung gegenüber Followern, Kunden oder Kollegen – das ist Bequemlichkeit mit Ansage.

Dabei ist das Problem nicht die Künstliche Intelligenz. Ich verteufle sie ausdrücklich nicht. In meinem in Kürze erscheinenden Buch „Didaktik im Handwerk“ widme ich ihr ein eigenes Kapitel. KI ist ein Werkzeug. Entscheidend ist, wer es führt.

Genau hier setzt der didaktische Ansatz an, den ich in meiner Harvard-Weiterbildung vertieft habe: Denken auszulagern funktioniert kurzfristig. Verantwortung auszulagern nicht. Wer KI nutzt, ohne Inhalt, Zielgruppe und Wirkung zu reflektieren, produziert Text statt Aussage.

Was wir gerade erleben, ist mehr als ein technischer Wandel. Unsere Sprache verändert sich. Sie wird glatter, austauschbarer – und verliert dabei Charakter.

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