1010Gerade laufen wieder Meisterprüfungen in Klagenfurt. Wenn man dort dabei ist, wenn man die Arbeiten sieht, die Fachgespräche hört und mit den Kandidaten spricht, dann spürt man schnell, wie viel Wissen, wie viel Engagement und wie viel Ernsthaftigkeit in unserem Nachwuchs steckt. Ich muss ganz ehrlich sagen: Das macht stolz. Stolz auf diese jungen Fachkräfte, stolz auf das Handwerk und stolz auf eine Branche, die nach wie vor Menschen hervorbringt, die mehr wollen als nur einen Job.

Die Meisterprüfung ist dabei weit mehr als ein formaler Abschluss. Sie ist nach wie vor das Fundament für Selbstständigkeit, für Betriebsübernahmen, für Direktvermarktung, aber auch für Karrieren in größeren Unternehmen. Der Meisterbrief öffnet Türen, weil er fachliche Tiefe mit unternehmerischem Denken verbindet. Dass der Abschluss im Nationalen Qualifikationsrahmen auf Level 6 und damit einem Bachelor gleichgestellt ist, unterstreicht diesen Stellenwert auch offiziell. Man kann sich den Meistertitel in Dokumente eintragen lassen. Ich habe ihn selbst im Führerschein stehen. Im Reisepass würde ich es persönlich nicht empfehlen, weil der Titel international oft erklärungsbedürftig ist. Aber der Stolz, Handwerksmeister zu sein, der darf ruhig sichtbar sein.

Wichtiger ist aber etwas anderes: Diese Qualität steht heute nicht nur auf dem Papier, sondern in der Ausbildung selbst. Das war vor mehr als 20 Jahren noch nicht in dieser Form gegeben. Ich habe damals sogar meinen eigenen Sohn für die Meisterausbildung nach Landshut geschickt. In den letzten Jahren wurde die Ausbildung völlig neu strukturiert, didaktisch modernisiert und organisatorisch auf neue Beine gestellt. Hier haben Persönlichkeiten wie Willibald Mandl federführend enorme Arbeit geleistet, unterstützt von vielen Engagierten in den Bundesländern. Dafür darf man auch einmal ausdrücklich Danke sagen. Was hier aufgebaut wurde, kann sich heute wirklich sehen lassen.

Meisterausbildung – geblockt oder berufsbegleitend

Mittlerweile verfügen wir über eine fundierte, zeitgemäße Meisterausbildung auf höchstem Niveau. In Linz in geblockter Form, in Klagenfurt berufsbegleitend. Zwei Modelle, die unterschiedliche Lebensrealitäten abbilden. Gerade die berufsbegleitende Variante ermöglicht es jungen Familienvätern oder finanziell gebundenen Fachkräften, den Meister zu machen, ohne monatelang aus dem Einkommen zu fallen. Das ist nicht nur organisatorisch klug, sondern auch ein sozialer Auftrag gegenüber der Branche.

Entscheidend ist auch der klare Österreichbezug. Ausbildung bedeutet nicht nur Technik, sondern auch Recht, Codex, Unternehmerverantwortung und nationale Rahmenbedingungen. Wer hierzulande einen Betrieb führen will, muss die österreichischen Gesetze, Hygienevorgaben und Marktstrukturen beherrschen. Genau das wird vermittelt, praxisnah, mit Fallbeispielen und Problemstellungen aus dem realen Berufsalltag.

Besonders gefreut hat mich der persönliche Austausch mit den aktuellen Prüflingen. Einige kommen aus der Landwirtschaft und wollen mit der Meisterprüfung ihre Direktvermarktung auf fundierte Beine stellen. Andere träumen von der Selbstständigkeit oder stehen vor Betriebsübernahmen. Wieder andere sehen ihre Zukunft in leitenden Funktionen größerer Unternehmen. Und ja, die Umsetzung einer Selbstständigkeit ist heute sicher kein einfacher Schritt. Aber dass es diese Träume noch gibt, dass junge Menschen weiterhin Betriebe gründen oder weiterführen wollen, das ist ein starkes Signal.

Trotz aller Herausforderungen, über die wir in der Branche oft sprechen, entsteht hier Zukunft. Neue Betriebe, neue Verantwortungsträger, neue Meisterinnen und Meister. Und genau das freut mich als Bundesinnungsmeister sehr.

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