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Futtermittelskandal: Kontaminierter Mais aus Serbien in Deutschland an Nutztiere verfüttert

Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO sind weltweit rund 25 Prozent aller Getreideprodukte mit den giftigen Mykotoxinen kontaminiert.

Insgesamt 4.467 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland haben tausende Tonnen mit Pilzgiften verseuchten Mais aus Serbien verfüttert. Belastete Milch und möglicherweise kontaminiertes Fleisch wurden regelmäßig aus dem Verkehr gezogen – dennoch ist die Aufregung, kurz nach dem Pferdefleischskandal, dementsprechend groß. Nicht ganz zu Unrecht: Mykotoxine, wie Pilzgifte in der Fachsprache genannt werden, sind nämlich bis zu hundertmal giftiger als Pestizide. Sie sind natürliche Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, von denen laut BOKU mehr als 300 Substanzen bekannt sind.

Diese können schon in geringen Mengen giftige, krebs- oder mutationsfördernde und auch hormonähnliche Wirkungen bei Mensch und Tier entwickeln. Mykotoxine werden von Gesundheitsexperten als eine der bedeutendsten Schadstoff-Gruppen in Lebens- und Futtermitteln eingeschätzt. Das gilt auch und vor allem für die Aflatoxine, die in dem aus Serbien importierten Mais gefunden wurden. Diese ebenfalls zu den Mykotoxinen gehörende Substanzgruppe ist nicht nur lebertoxisch, sondern wirkt auch schon bei geringeren Konzentrationen und vor allem bei wiederholter Aufnahme krebserregend auf Säugetiere. Da die Karzinogenität bereits bei einer Tagesdosis von zehn Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht eindeutig nachgewiesen wurde, gehören Aflatoxine zu den am stärksten krebserzeugenden Verbindungen überhaupt.

„Mykotoxine stellen im Bereich der Landwirtschaft eine schwerwiegende Belastung dar. Allein in den USA werden die landwirtschaftlichen Verluste auf jährlich über 900 Millionen Dollar geschätzt“, sagte Prof. Rudolf Krska, Leiter des interuniversitären Departments für Agrarbiotechnologie (IFA-Tulln) der Universität für Bodenkultur (BOKU) der Austria Presseagentur (APA). Eine der größten Gefahren stellen die aktuell nachgewiesenen Aflatixine in Ländern Westafrikas dar. „Bei einer Untersuchung von Kindern im Alter zwischen neun Monaten und fünf Jahren aus Benin und Togo fanden Forscher deutliche Spuren von Aflatoxin im Blut und eine dadurch verursachte Schwächung des Immunsystems“, so Krska. Nachweislich bestehe auch ein Zusammenhang zwischen pilzgiftbelasteter Nahrung und den hohen Leberkrebs-Raten in diesen Ländern. Das Problem sei aber nicht nur eines von Entwicklungsländern, auch in Europa fänden sich immer wieder Mykotoxine in vielen Lebensmitteln. Nach : „Vor diesem Hintergrund erscheint es paradox, dass der besorgte Konsument seine Aufmerksamkeit viel eher auf die mögliche gesundheitsgefährdende Wirkung von Pestiziden richtet und Mykotoxine bis dato wenig bis gar nicht wahrgenommen werden.“

Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO sind weltweit rund 25 Prozent aller Getreideprodukte mit Mykotoxinen kontaminiert. Das Problem der Schimmelpilzgifte wurde allerdings erst in den frühen 1960er-Jahren mit dem Nachweis von Aflatoxinen in Erdnussmehl, das an Truthühner verfüttert wurde, erkannt. Mittlerweile gibt es für die maximal zulässigen Konzentrationen von Mykotoxinen in Lebensmitteln EU-weite Grenzwerte. Das einzige Toxin, für welches auch Grenzwerte für Futtermittel etabliert wurden, sind wiederum die Aflatoxine. Das ist laut Krska allerdings zu wenig, denn die Toxizität vieler Mykotoxine liegt um den Faktor 100 höher als jene von Pestiziden. (APA)

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