Smart Stores gelten für viele Betriebe noch immer als teuer, kompliziert oder unsicher. Dabei zeigen aktuelle Projekte in Deutschland und Österreich, dass hybride Ladenkonzepte längst praxistauglich sind. AnyStore-Gründer Dominik Leitner erklärt, warum viele Befürchtungen heute bereits entkräftet sind.

Anywhere? Nein, AnyStore ist der Marktführer für Smart Stores im europäischen Raum. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Pasching bei Linz. In den nächsten Tagen stehen sechs Installationen an, dennoch hat sich Dominik Leitner Zeit für das Interview mit Fleisch & Co genommen. Die Nachfrage wächst stark – nur noch nicht in Österreich. Worauf es bei einem Smart Store ankommt und warum es in der Heimat noch nicht so gut läuft, erklärt der Gründer und Eigentümer von AnyStore GmbH Dominik Leitner im Interview.

In Gaflenz betreibt eine Bürgergenossenschaft den hybriden Nah&Frisch-Markt mit dem Café Lenz. © Genial-Regional-Gaflenztal eGen
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Die einfache Bedienungsführung sowie die Überwachung und Sichtbarkeit des Bezahlvorgangs auf den Bildschirmen vermeiden, dass Einkäufe nicht bezahlt werden. © AnyStore GmbH
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Hybrid erfolgreich: Der Nah-&-Frisch-Markt mit integrierter Metzgerei in Nußdorf am Attersee. © AnyStore GmbH
Hybrid erfolgreich: Der Nah-&-Frisch-Markt mit integrierter Metzgerei in Nußdorf am Attersee. © AnyStore GmbHmehr anzeigen
AnyStore hat die ersten Standorte der DorfBOX ausgestattet. © AnyStore GmbH
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Fleisch & Co: AnyStore treibt die Digitalisierung am Point of Sale und das Internet of Things voran. Sind Sie dafür physisch ständig unterwegs?

Dominik Leitner: Ich bin sind viel auf der Autobahn in Richtung Norden unterwegs. In Hamburg und an der Nord- und Ostsee haben wir jüngst einige hybride Märkte in Betrieb genommen. Der Markt für Smart Stores wächst. Wir haben Standorte im Lebensmitteleinzelhandel mit bis 2.700 m² realisiert. Im nächsten Schritt wollen wir auch im lebensmittelverarbeitenden Handwerk, bei Nahversorgern und Direktvermarktern sowie im Bereich der Baumärkte und Tankstellen weiterwachsen. Wir haben bereits erste Tankstellen und Baumärkte ausgestattet.

Fleisch & Co: Und in Österreich?

Dominik Leitner: Wir sind vor fünf Jahren mit der Unibox gestartet und haben danach zahlreiche Nah-&-Frisch-Märkte ausgestattet. Hybride Märkte und Läden sind die einzige Lösung, damit Bäcker, Fleischer, Direktvermarkter und Nahversorger künftig in ländlichen Regionen gegen die großen Märkte in den Städten bestehen können. Dazu müssen allerdings auch die gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen geändert werden, damit die Betreiber aus der Grauzone herauskommen. Die Konsumenten warten darauf. Laut einer aktuellen Umfrage von Marktagent im Auftrag von Rewe sind 75 Prozent der Befragten dafür, dass hybride Märkte nach 20 Uhr und an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen sollten.

Fleisch & Co: Sie sind seit mehr als fünf Jahren auf dem Markt aktiv. Was würden Sie heutzutage anders machen als zu Beginn?

Dominik Leitner: Damals sollte ein Smart Store anders aussehen als ein gewöhnlicher Laden, um wahrgenommen zu werden. Auch wir haben die ersten Standorte mit Containern gebaut. Das war cool, aber auch sehr aufwendig. Heute geht es darum, die Smart-Store-Technologie in bestehende Gebäude- und Flächenstrukturen zu integrieren. Das ist wesentlich effizienter und günstiger.

Fleisch & Co: Was hat sich noch geändert?

Dominik Leitner: Zu Beginn hatten viele Betreiber Sorgen wegen des Diebstahls. Deshalb wurden Apps mit Verifizierungen für den Zutritt und das Bezahlen entwickelt. Das war mit der Erfahrung von heute Schmarren. Nachdem für den Zutritt und das Bezahlen nur noch eine Bankomatkarte notwendig war, hat sich der Umsatz um bis zu 70 Prozent erhöht.

Fleisch & Co: Was ist die größte Befürchtung der Interessenten?

Dominik Leitner: Noch immer der Diebstahl. Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass diese Befürchtung völlig unbegründet ist. Wichtig ist eine umfassende Videoüberwachung. Wir haben an den Self-Checkout-Kassen 31,5-Zoll-Touch-Displays, die speziell für uns entwickelt wurden, auf denen sich die Kunden aus der Kameraperspektive sehen können. Zudem haben wir jüngst in einem Markt eine Beta-Version unserer KI-unterstützten Fraud Detection installiert. Dabei wird der Scanvorgang überwacht, ohne dass das Gesicht des Kunden zu sehen ist. Das System erkennt, wenn nicht alle Produkte gescannt wurden, und weist den Kunden darauf hin. Zudem kann der Bezahlvorgang nicht gestartet werden, solange nicht alle Produkte gescannt wurden.

Fleisch & Co: Zweite Befürchtung: Die Technik ist zu teuer!

Dominik Leitner: Es ist teuer, sich individuelle und einzelne Lösungen für Zutritt, Videoüberwachung und Kasse von Anbietern mit wenig Erfahrung installieren zu lassen. Die Investitionen sind vom Umfang der Ausstattung abhängig. In der Regel amortisiert sich die Investition bereits nach 18 Monaten durch den höheren Umsatz und Ertrag.

Fleisch & Co: Dritte Befürchtung: Der Betrieb ist zu komplex!

Dominik Leitner: Die ersten Pilotprojekte von vollautonomen Stores waren faszinierend, aber mittlerweile sind fast alle geschlossen. Die Technik war zu komplex und zu teuer. Wir haben uns daher früh für einen anderen Ansatz entschieden. Der Ladenbetreiber oder Marktleiter soll so wenig Aufwand wie möglich mit der Technik haben. Deshalb haben wir den Retail-Hub entwickelt. Damit werden Zutritts- und Austrittskontrollsystem, Operator-App, Altersverifizierung, Digital Signage, elektronische Preisauszeichnungen (ESL), Gebäudeautomation, Beleuchtung, Klimatisierung und Soundsystem sowie Self-Checkout-Kassen ermöglicht.

Autor: Volker Simon