Der steirische Fleischverarbeitungsbetrieb Zotter hat die Lungauer Handwerksfleischerei Schader übernommen. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Zotter erweitert sein Sortiment und bekommt einen weiteren Standort im Westen Österreichs, und die Fleischerei Schader mit ihren beiden Fachgeschäften in Tamsweg blickt einer gesicherten Zukunft entgegen.

Christoph Zotter führt seit 2017 den Familienbetrieb in vierter Generation, 2019 kam Ehefrau Nina hinzu. Die Wurzeln des erfolgreichen Unternehmens reichen bis ins Jahr 1931 zurück, als Franz und Theresia Zotter eine Fleischerei gründeten, die aus regionalem Rind-, Kalb- und Schweinefleisch hochwertige Produkte herstellte. Schon damals setzten die Firmengründer massiv auf Partnerschaften mit den lokalen Bauern.

1960 übernahm mit Franz und Wilhelmine Zotter die zweite Generation das Ruder und modernisierte den Betrieb schrittweise. Eine neue Fertigungsanlage ermöglichte die Ausweitung des Sortiments und die Zusammenarbeit mit Kunden als Lohnproduzent.

1989 startete mit Günther und Maria Zotter die dritte Generation – sie rückte die kompromisslose Qualität in den Mittelpunkt, die Zotter heute auszeichnet. Strenge Hygienestandards und eine sorgfältige Fleischselektion auf höchstem Niveau gehen auf diese Zeit zurück.

Erste eigene Manufaktur

2017 übernahm Christoph Zotter das Ruder und rückte die Spitzengastronomie in den Fokus. Geliefert werden edle Teile vom Kalb und Rind. Eine eigene Manufaktur mit modernster Technik für Dry Aging und Fleischveredelung wurde errichtet. Die Wirtschaftskammer würdigte diese Entwicklung mit dem Follow me Award für eine vorbildliche Betriebsübergabe, die regionale Verankerung und die Symbiose aus Tradition und Innovation.

2019 folgte mit dem Einstieg von Nina Zotter der Bau einer neuen Convenience-Produktion, die Erweiterung des Sortiments um Schwein und Huhn sowie die Erneuerung der gesamten IT.

Weitere Meilensteine: die erstmalige IFS-Zertifizierung 2008, die Auszeichnung zum klimaneutralen Betrieb 2018, der Aufbau einer Produktionsküche für Convenience-Produkte mit Sous-vide-Technik 2019, die Betriebserweiterung um 1.000 m² Verarbeitungsfläche 2023. Im Juli 2024 wurde Zotter zum Unternehmen des Monats gekürt – eine Initiative der Steirischen Wirtschaftsförderung. Zuletzt folgte das Rebranding 2025, das dem Unternehmen ein frisches, zeitgemäßes Erscheinungsbild gab.

Die eigene Schlachtung wurde im Zuge der Betriebserweiterung und des daraus resultierenden Platzmangels samt Anlagen und Geräten zu einem Partnerbetrieb in Fürstenfeld verlagert. Beliefert werden Spitzengastronomen in Österreich, Deutschland, Tschechien und Slowenien.

Die Fleischerei Schader besteht bereits seit 1960

In dritter Generation verwöhnt die Fleischerei Schader ihre Kunden im Lungau – und zahlreiche Touristen, die österreichisches Fleischerhandwerk zu schätzen wissen. Alfred Macheiner ist aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt. Der gelernte OP-Assistent, der mit seiner Ehefrau Claudia Kocher die Fleischerei Schader in Tamsweg führt, entschied sich 2002 nach dem plötzlichen tragischen Tod der Eltern seiner Partnerin, seinen angestammten Beruf von heute auf morgen aufzugeben und gemeinsam mit der HAK-Absolventin den Betrieb zu übernehmen.

Zahlreiche Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Qualitätswettbewerben sind beredtes Zeugnis der hohen Handwerkskunst, die in Tamsweg ausgeübt wird.

Meisterliches Handwerk

Wer die Produkte und Schmankerln aus dem Hause Schader verkostet, muss auch als kritischster Feinschmecker neidlos anerkennen: Hier sind absolute Experten am Werk. Die wohl bekannteste Kreation der Fleischerei ist die Preberwurst, benannt nach dem Hausberg von Tamsweg. Der 2.740 Meter hohe Preber zählt im Winter zu den beliebtesten Skitouren-Bergen in den Schladminger Tauern und wird auch im Sommer gern besucht.

Die Preberwurst ist eine besondere Dauerwurst, besteht sie doch ausschließlich aus hochwertigem Rindfleisch und einer hauseigenen Gewürzmischung. Egal ob hauchdünn geschnitten oder als ordentliches Wurstradl: Die Preberwurst überzeugt durch ihr würzig-kräftiges Aroma mit ausgeprägtem Rindfleischgeschmack.

Doch auch die weiteren Produkte aus dem Familienbetrieb brauchen sich nicht zu verstecken. Allen voran der berühmte Schader Leberkäse und die hauseigenen Frankfurter, täglich frisch produziert. Der intensiv-aromatische Kräuterblock, die feine Hirschsalami oder die „Z’sammsetzen-Wurst“ – eine Rinder-Dauerwurst mit Walnusseinlage – sind nur einige der Höhepunkte aus dem Schader-Sortiment. Dazu kommt ein breites Hauswürstelsortiment mit Chili-, Blumen-, Knoblauch- oder Pfeffervarianten. Und der Speck darf in dieser gebirgigen Umgebung natürlich nicht fehlen: Schinken-, Karree- und Bauchspeck, Osso Collo und Bündnerfleisch, Kümmelbraten, Bratwürstel und Fleischlaibchen. Für Fleischliebhaber steht ein gut befüllter Dry Ager mit edlen Stücken bereit.

Neues Hauptgeschäft 2015, neuer Betrieb 2020

2015 war es nach mehr als 30 Jahren an der Zeit, das Hauptgeschäft auf dem Postplatz in Tamsweg komplett umzubauen. Auf mehr als 7,5 Meter Thekenlänge ist genug Platz für die ausgewählten Köstlichkeiten. Ein perfekt integrierter Kühlschrank im hinteren Bereich der Thekenanlage bietet einen großzügigen Einblick auf die besten Stücke der Fleischerei.

Der Umbau hat der Fleischerei sichtlich gutgetan und den rund 80 Quadratmeter großen Laden zu einer kulinarischen Wohlfühloase gemacht. Dasselbe Konzept verfolgte man 2020 bei der Filiale, die in den neu errichteten Produktionsbetrieb eingebettet wurde. Auch das rund 80 Quadratmeter große Fachgeschäft vermittelt den aus dem Hauptgeschäft bekannten Wohlfühlcharakter. Rund 50 Verzehrplätze zeigen, dass man an diesem Standort – direkt bei einem Diskontmarkt – vermehrt auf das Mittags- und Jausengeschäft setzt. Eine großzügig angelegte Küche sorgt für ein gutes Arbeitsklima und ausreichend Platz für den Chefkoch und sein Team.

Der neue Betrieb weist eine Produktionsfläche von rund 500 Quadratmetern auf und ist so ausgelegt, dass die Produktion noch gesteigert werden kann. Aktuell produziert und beliefert man umliegende Gastronomiebetriebe in den Tauern sowie Adeg-, Billa- und Sparmärkte, aber auch andere Fleischereien.

Gemeinsam in die Zukunft (v. l.): Tamswegs Bürgermeister Wolfgang Pfeifenberger, Alfred Macheiner und Claudia Kocher von der Fleischerei Schader sowie Nina und Christoph Zotter. © HaRo

Gemeinsam in die Zukunft (v. l.): Tamswegs Bürgermeister Wolfgang Pfeifenberger, Alfred Macheiner und Claudia Kocher von der Fleischerei Schader sowie Nina und Christoph Zotter. © HaRo

Kontakt über einen Bekannten

Der Kontakt zwischen den Familien Zotter und Schader kam eher zufällig über einen Bekannten zustande – dieser wusste, dass die Schaders einen Nachfolger für den Betrieb suchten. Im Februar 2025 kam es zum ersten Kennenlernen.

„Wir hatten unseren Standort in Buch-St. Magdalena schon so oft erweitert, dass wir mit unseren Kapazitäten angestanden sind. Einen Neubau wollten wir nicht errichten“, berichtet Christoph Zotter über die damalige Situation. „Deswegen kam uns der Kontakt zur Fleischerei Schader sehr gelegen. Dieses anorganische Wachstum erschien uns sehr rasch sinnvoller als ein organisches – außerdem stellten wir schnell fest, dass wir mit der Fleischerei Schader Werte wie Qualität, traditionelles Handwerk und Kundennähe teilen.“

Nachdem alle Fakten auf dem Tisch lagen, einigten sich alle Beteiligten rasch auf die Übernahme, die offiziell am 1. Februar 2026 erfolgte. Als Geschäftsführerin in Tamsweg fungiert weiterhin Claudia Kocher, Betriebsleiter bleibt ihr Ehemann Alfred Macheiner. Die 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort behalten ihre Arbeitsplätze.

Nina Zotter ergänzt: „Im Mittelpunkt steht zunächst die Digitalisierung der Fleischerei Schader. Eine neue Homepage ist bereits umgesetzt – jetzt geht es darum, die internen Abläufe zu modernisieren und den Betrieb in unsere Firmengruppe zu implementieren. Der Betrieb soll eigenständig bleiben und als Tochterunternehmen fungieren.“

Sowohl die Familie Zotter als auch Claudia Kocher und Alfred Macheiner betonen den partnerschaftlichen Charakter der Übernahme. „Wir sitzen einmal pro Woche zusammen und besprechen alles“, erzählt Christoph Zotter. „Sogar neue Spezialitäten sind schon entstanden – etwa die Kürbiskern-Käsekrainer, die heuer erstmalig exklusiv für den Steiermark Frühling auf dem Wiener Rathausplatz produziert werden.“

Künftig wird man bei Schader auch die Original Zotter Kalbs-Sacher-Würstl, Kalbs-Leberkäse und die Kalbs-Pariser produzieren – und in den Filialen führen. Diese Zotter-Originale bestehen zu 100 Prozent aus Kalbfleisch. Am Ende des Übernahmeprozesses steht auf beiden Seiten eine Erweiterung des Sortiments in der Breite und Tiefe und mehr Flexibilität für bessere Produktentwicklung, um kundenspezifische Anforderungen noch gezielter erfüllen zu können.

Autor: HaRo