Landwirtschaft & Umwelt

Tierwohl: Die Wünsche der Konsumenten umsetzen

Anfang Dezember lud der Verband Österreichischer Schweinebauern zur Pressekonferenz in das Haus der Tierzucht in Wien – und stellte seine neue Tierwohlstrategie „Tierwohl. Schwein.Österreich.“ vor.

Um den gesellschaftlichen Forderungen im Bereich Tierwohl gerecht zu werden, hat der Verband Österreichischer Schweinebauern die Tierwohlstrategie „Tierwohl.Schwein. Österreich.“ erarbeitet. Diese Strategie umfasst einige Maßnahmen, um eine marktbasierte Weiterentwicklung des Tierwohls in der österreichischen Schweinewirtschaft voranzutreiben.

Schweinefleisch: Schwierige Marktlage

Die österreichische Schweinewirtschaft ist mit großen Herausforderungen konfrontiert. Die Effekte der Covid-19-Pandemie und dem Vorrücken der Afrikanischen Schweinepest verursachen eine äußerst schwierige Marktlage in Österreich und Europa. Landwirte und Landwirtinnen sind verunsichert, die nötigen Investitionen zum Erhalt der Selbstversorgung blieben in den vergangenen Jahren überwiegend aus. Dazu kommt ein unsachlicher öffentlicher Diskurs über die heimische Schweinewirtschaft.

Mehr Tierwohl in der Schweinehaltung – die Strategie

Der Wunsch nach mehr Tierwohl wird immer lauter – jedoch verursachen Tierwohlsysteme höhere laufende und Investitionskosten, die abgegolten werden müssen. Vor diesem Hintergrund nimmt die organisierte Schweinebranche ihre Verantwortung wahr, und verschreibt sich einem marktbasierten Weg zu mehr Tierwohl in der Schweinehaltung.

Die höheren Standards sind an sich altbekannte Forderungen und sollen u. a. doppelter Platz, ständiger Zugang zu Auslauf, Fütterung mit EU-Eiweiß, Verzicht des Kupierens, Kastration unter Narkose, Antibiotika-Monitoring, etc. sein.

Die Tierwohlsysteme verursachen aber höhere laufende und Investitionskosten, die abgegolten werden müssen. Zudem soll auch eine echte Transparenz für den Konsumenten geschaffen werden, damit diese auch klare Kaufentscheidungen treffen können. Thomas Reisecker „Wir wollen auch in Zukunft Österreich zu 100% mit Schweinefleisch versorgen. Dazu braucht es solche Projekte. Geben wir der Branche diesbezüglich eine Chance. Doch es braucht eine Kennzeichnung, damit wird der Markt weiter stimuliert.“

Bis 2030 sollen eine Million Tierwohl-Schweine vermarktet werden, das wäre ein Anhebung von derzeit fünf auf 20 Prozent des Marktes. Die Tierwohlstrategie ist ein Schritt in die richtige Richtung, soll allerdings ein freiwilliges System bleiben.

Die Tierwohl-Forderungen kurz zusammengefasst

  1. Höhere Tierhaltungsvorschriften im AMA-Gütesiegel heben 45% der österreichischen Produktion über das gesetzliche und international übliche Niveau.
  2. Eine Differenzierung der Tierwohl-Module im AMA-Gütesiegel soll mehr Konsumenten und Konsumentinnen zum Einkauf motivieren.
  3. Die Neuaufstellung der Österreichischen Schweinebörse stärkt die überregionale Zusammenarbeit im Bereich Tierwohl- und Qualitätsprogramme.
  4. Neue Ansätze in der Schweinehaltung sollen in enger Kooperation von Forschung und Praxis – wie z.B. im aktuellen Projekt IBeSt – erforscht und verbessert werden.
  5. Im Bereich der Tiergesundheit entstehen durch den Österreichischen Tiergesundheitsdienst neue Möglichkeiten in der Umsetzung österreichweiter Programme.
  6. Die öffentliche Hand unterstützt durch attraktive Investitionsfördersätze, ÖPUL-Maßnahmen und politische Begleitmaßnahmen den marktbasierten Weg zu mehr Tierwohl.

ÖkR Walter Lederhilger (Obmann Verband Österreichischer Schweinebauern)

„Wir österreichische Schweinebauern und -bäuerinnen sind 365 Tage im Jahr bemüht, mit großer Sorgfalt hochwertige Lebensmittel zu erzeugen. In der Tierbetreuung wird auf unseren Familienbetrieben besonderer Wert auf die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Tiere gelegt. Ein sorgsamer und verantwortungsvoller Umgang mit unseren Nutztieren ist ein Grundstein für eine nachhaltige Landwirtschaft. Wir spüren aber zunehmend, dass neben der Lebensmittelqualität und Leistbarkeit unserer Produkte auch der Wunsch nach mehr Tierwohl in der Schweinehaltung immer größer wird. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, und setzen deshalb auf eine Vielzahl an Maßnahmen, um mehr Tierwohl in der österreichischen Schweinehaltung umzusetzen!“

„Das AMA-Gütesiegel wird im Bereich Schweinefleisch mit höheren gesetzlichen Standards aufgewertet und mit klar erkennbaren Tierwohl-Kategorien wird für mehr Transparenz gesorgt. Durch die Schaffung neuer Vermarktungsstrukturen wollen wir möglichst vielen Landwirten und Landwirtinnen einen Umstieg auf höhere Haltungsstandards ermöglichen, und gleichzeitig faire Aufschläge garantieren. Wir bringen uns gemeinsam mit der Wissenschaft in Forschungsprojekte zur Verbesserung bestehender Systeme ein. Zuletzt setzen wir uns auch für einen Beitrag aus der öffentlichen Hand zur Weiterentwicklung unserer Betriebe ein.“

Thomas Reisecker (Koordinator Junge Veredler Österreich)

„Die Aufwertung des AMA-Gütesiegels, vor allem in der Basis, ist für manche ein kleiner Schritt, für die Schweinehalter und -halterinnen jedoch ein sinnvoller und bedeutender. Wir machen uns auf den Weg in Richtung mehr Tierwohl. Dabei verlieren wir die Herausforderungen in der Struktur der heimischen Schweinewirtschaft nicht aus den Augen und bieten jedem Schweinehalter und Schweinehalterin die Möglichkeit, diesen Weg mitzugehen. Jetzt liegt es an den nachgelagerten Bereichen, sich mit uns auf den Weg zu mehr Tierwohl zu machen.“

„Wir Schweinehalter und -halterinnen brauchen praxistaugliche Lösungen, um unseren Weg zu mehr Tierwohl gehen zu können. Das Ziel des Projekts IBeSt ist es, bestehende Betriebe zu motivieren, ihren eigenen Stall schrittweise zu verbessern. Weiters spielt der Mensch als Schweinehalter/Schweinehalterin eine zentrale Rolle. Wie geht es ihm/ihr mit seinem Haltungssystem und generell als Schweinebauer/Schweinebäuerin? Wir wollen auch in Zukunft Österreich zu 100% mit Schweinefleisch versorgen. Dazu braucht es solche Projekte. Geben wir der Branche diesbezüglich eine Chance.“

DI Georg Strasser, (Abg. z. NR und Bauernbund-Präsident)

„Es braucht mehr Tierwohl, es braucht aber auch mehr Bauernwohl. Mit dieser Strategie wollen wir den Schweinebäuerinnen und –bauern Perspektiven geben. Mit dem Stufenplan bis 2032 versuchen wir, den Wünschen der Gesellschaft nach einerseits mehr Tierwohl und andererseits der Selbstversorgung gerecht zu werden. Die angestrebte Veränderung greift für die breite Basis (95%) und greift für das AMA- Bio und -Premiumsegment (5%). Ziel ist es, bis 2030 eine Million Schweine in Premium- und Bio-Qualität auf heimischen Betrieben zu produzieren und zu verkaufen.“

„Wir sind bis hier hin gemeinsam gegangen und uns ist es wichtig, dass diese Weiterentwicklung jetzt von allen handelnden Akteuren mitgetragen wird. Von den Lebensmittel-Händlern bis hin zur öffentlichen Beschaffung und den Gastronomen brauchen wir jetzt die klare Zusage für mehr Tierwohl-Lebensmittel. Wir fordern weniger Werbebudgets für Rabattschlachten mit Schweinsschnitzel um 3,99 Euro je Kilo und dafür mehr Werbebudget für Tierwohl-Lebensmittel. Das würde die Nachfrage nach Tierwohl-Schweinefleisch steigen lassen. Ein gutes Beispiel dafür sind die XXXLutz-Restaurants: Ab Jänner 2022 wird in allen 47 XXXLutz-Restaurants Schweinefleisch aus Österreich aufgetischt. Im Schnitzel, im Burger beim Frühstücksschinken und in anderen Fleischprodukten. 100 Schweine pro Woche stammen aus Tierwohl-Programmen. Alle anderen Produkte werden in AMA- Gütesiegel-Qualität bezogen.“

Hier gibt es das VÖS-Strategiepapier_Tierwohl-Schwein-Österreich zum Download.

 

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