Seydelmann übernimmt 50 Prozent an AMFEC und stärkt Nordamerika-Geschäft
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Die Maschinenfabrik Seydelmann KG beteiligt sich mit 50 Prozent an der American Food Equipment Company, kurz AMFEC, im US Bundesstaat Idaho. Mit diesem Schritt vertiefen die beiden Maschinenbauer ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit und wollen vor allem das Geschäft mit teilautomatisierten und vollautomatisierten Produktionslinien für die nordamerikanische Lebensmittelindustrie ausbauen.
Für Seydelmann ist die Beteiligung ein strategischer Schritt in einem Markt, in dem Lebensmittelhersteller verstärkt in Automatisierung, Produktivität und individuell geplante Anlagen investieren. AMFEC verfügt über eine etablierte Fertigung in Caldwell, Idaho, und bringt neben seiner Marktkenntnis insbesondere Erfahrung mit Mischern, Tumblern, Fördertechnik, Handhabungssystemen und kundenspezifischen Anlagenkonzepten ein.
Seydelmann ergänzt dieses Angebot mit Maschinen für die Zerkleinerung, Mischung und Verarbeitung von Lebensmitteln sowie mit seiner Erfahrung bei der Planung komplexer Produktionslinien. Gemeinsam wollen die Unternehmen künftig komplette Anlagen anbieten, die von einzelnen Maschinen bis zu schlüsselfertigen, hochautomatisierten Produktionssystemen reichen.
Langjährige Zusammenarbeit wird strategisch vertieft
Seydelmann und AMFEC arbeiten bereits seit mehreren Jahrzehnten zusammen. Nach Angaben der Unternehmen entstanden in dieser Zeit zahlreiche gemeinsame Projekte sowie ein intensiver fachlicher und technischer Austausch. Die Beteiligung soll diese bestehende Verbindung nun dauerhaft auf gesellschaftsrechtlicher Ebene absichern.
„Unsere Unternehmen ergänzen sich seit vielen Jahren hervorragend, sowohl technologisch als auch kulturell. Die Beteiligung an AMFEC ist die konsequente Fortsetzung einer Partnerschaft, die sich über Jahrzehnte bewährt hat. Gemeinsam wollen wir unsere Kompetenzen bündeln und unsere Kunden künftig noch umfassender bei der Planung und Umsetzung moderner Produktionslösungen unterstützen“, erklärt Andreas Seydelmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Maschinenfabrik Seydelmann KG.
Im Zentrum der Kooperation stehen nicht nur einzelne Maschinen, sondern durchgängige Produktionsprozesse. Damit reagieren die Unternehmen auf den wachsenden Bedarf an Anlagen, die unterschiedliche Verarbeitungsschritte miteinander verbinden und zugleich möglichst geringe Personal-, Energie- und Stillstandskosten verursachen.
Automatisierung aus einer Hand
Seydelmann ist international vor allem für Kutter, Mischer, Wölfe und Feinstzerkleinerer bekannt. Darüber hinaus plant und realisiert das Unternehmen automatisierte Produktionslinien, bei denen mehrere Maschinen, Förderanlagen, Steuerungen und Verarbeitungsschritte zu einem Gesamtsystem verbunden werden.
AMFEC ergänzt dieses Portfolio mit Mischern, Tumblern, Förderanlagen und Handhabungssystemen. Das US Unternehmen entwickelt außerdem kundenspezifische Anlagen für unterschiedliche Bereiche der Lebensmittelproduktion. Durch die Zusammenführung der jeweiligen Kompetenzen sollen nordamerikanische Kunden künftig einen größeren Teil ihrer Produktionsanlagen aus einer gemeinsamen Planung beziehen können.
Dieser Ansatz gewinnt insbesondere bei komplexen Projekten an Bedeutung. Lebensmittelhersteller benötigen zunehmend Anlagen, die auf individuelle Rezepturen, Kapazitäten, Raumverhältnisse und Hygienekonzepte abgestimmt sind. Gleichzeitig müssen neue Systeme erweiterbar bleiben und sich in bestehende Produktionsumgebungen integrieren lassen.
Die engere Zusammenarbeit soll deshalb bereits bei der Planung beginnen. Kunden sollen von gemeinsamen Engineering Leistungen, kurzen Abstimmungswegen und einer stärkeren technischen Betreuung vor Ort profitieren. Für Seydelmann schafft die Beteiligung zugleich einen direkteren Zugang zu Fertigungskapazitäten und technischem Know how in Nordamerika.
Lokale Fertigung senkt Transportkosten
Ein wirtschaftlich wichtiger Teil der Kooperation betrifft die Produktion großer und schwer transportierbarer Anlagenkomponenten. Gerade bei langen Förderbändern oder umfangreichen Förderstrecken können Transport, Verpackung und Montage einen erheblichen Anteil der Projektkosten ausmachen.
Werden solche Komponenten in Europa gefertigt und anschließend in die USA oder nach Kanada transportiert, stehen die Logistikkosten laut Seydelmann teilweise nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis zu den eigentlichen Produktionskosten. Durch die lokale Fertigung bei AMFEC kann dieser Kostenblock reduziert oder vollständig vermieden werden.
Die regionale Produktion soll darüber hinaus kürzere Lieferwege und eine raschere technische Betreuung ermöglichen. Gerade bei kundenspezifischen Produktionslinien sind Anpassungen während der Planung, Montage und Inbetriebnahme keine Ausnahme. Eine Fertigung in räumlicher Nähe zum Kunden kann deshalb sowohl die Projektabwicklung als auch spätere Serviceeinsätze vereinfachen.
Bestehende Partnerschaft mit Reiser bleibt erhalten
Von der Beteiligung unberührt bleibt die Zusammenarbeit von Seydelmann mit der Robert Reiser & Co., Inc. Diese Partnerschaft besteht bereits seit 1962 und soll weiterhin fortgeführt werden.
Nach Angaben von Seydelmann sollen die Beziehungen zwischen Reiser, AMFEC und Seydelmann künftig sogar weiter ausgebaut werden. Damit setzt das deutsche Familienunternehmen in Nordamerika nicht auf einen einzelnen Vertriebspartner, sondern auf ein Netzwerk aus etablierten Unternehmen mit unterschiedlichen technischen und vertrieblichen Schwerpunkten.
Für Kunden aus der Fleischwirtschaft und anderen Bereichen der Lebensmittelproduktion könnte daraus ein breiteres Angebot entstehen. Neben Maschinen und Anlagenplanung gewinnen dabei lokale Projektbetreuung, Ersatzteilversorgung, Service und rasche technische Unterstützung an Gewicht.
AMFEC beschäftigt rund 150 Mitarbeiter
AMFEC wurde 1975 gegründet und beschäftigt heute rund 150 Mitarbeiter. Das Unternehmen genießt nach Angaben der Partner innerhalb der amerikanischen Lebensmittelindustrie einen guten Ruf als Hersteller kundenspezifischer Maschinen und Anlagen.
Zum Portfolio gehören Mischer, Tumbler, Förder- und Handhabungssysteme sowie komplette schlüsselfertige Produktionslinien. Die Anlagen werden auf die jeweiligen Produktionsprozesse, Kapazitäten und Anforderungen der Kunden abgestimmt.
Der Standort in Caldwell bietet Seydelmann künftig eine stärkere industrielle Basis im nordamerikanischen Markt. Neben Vertrieb und Projektierung kann dadurch auch ein größerer Teil der Fertigung und technischen Betreuung direkt in den USA erfolgen.
Seydelmann seit 1843 im Maschinenbau tätig
Die Maschinenfabrik Seydelmann KG wurde 1843 gegründet und befindet sich heute in sechster Generation in Familienbesitz. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Stuttgart und betreibt ein modernes Produktionswerk in Aalen. Mehr als 500 Mitarbeiter sind für Seydelmann tätig, die Maschinen und Anlagen werden in über 150 Ländern eingesetzt.
Zu den Kunden zählen handwerkliche Metzgereien, mittelständische Lebensmittelhersteller und internationale Industriekonzerne. Die Maschinen werden nicht nur in der Fleisch- und Wurstwarenproduktion eingesetzt, sondern auch in der Tiernahrungs-, Käse-, Gemüse-, Fisch-, Pharma-, Süßwaren-, Suppen-, Backwaren- und Babynahrungsindustrie.
Neben der Herstellung einzelner Maschinen hat Seydelmann das Geschäft mit automatisierten Produktionslinien in den vergangenen Jahren zunehmend ausgebaut. Dabei werden Zerkleinerung, Mischung, Förderung, Beschickung und weitere Verarbeitungsschritte zu durchgängigen Anlagen verbunden.
Nordamerika bleibt Schlüsselmarkt für Lebensmitteltechnik
Mit dem Einstieg bei AMFEC stärkt Seydelmann seine Position in einem der wichtigsten Märkte für industrielle Lebensmittelproduktion. Hohe Personalkosten, Fachkräftemangel, steigende Hygieneanforderungen und der Bedarf an reproduzierbaren Produktionsprozessen erhöhen den Automatisierungsdruck in vielen Betrieben.
Auch für österreichische Fleischverarbeiter und Lebensmittelhersteller ist diese Entwicklung relevant. Internationale Maschinenbauer verbinden ihre Technologie zunehmend mit regionaler Fertigung, lokaler Betreuung und kundenspezifischem Anlagenbau. Damit verändern sich nicht nur die Investitionsmöglichkeiten in Nordamerika, sondern auch die Maßstäbe für Produktivität, Service und Anlagenverfügbarkeit im internationalen Wettbewerb.
Seydelmann und AMFEC wollen ihre Kompetenzen künftig enger verzahnen und gemeinsame Komplettlösungen entwickeln. Entscheidend wird sein, wie rasch es gelingt, Maschinenbau, Fördertechnik, Automatisierung und Betreuung zu einem durchgängigen Angebot zusammenzuführen. Die Voraussetzungen dafür schaffen beide Unternehmen nun mit einer Beteiligung, die weit über eine klassische Vertriebskooperation hinausgeht.


