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Neue Branchenlösung bringt Ende für grundloses Töten von Küken

Männliche Küken aus der Legehennenzucht werden künftig vermehrt verfüttert oder aufgezogen. Hannes Royer: „Impulse können auch aus den Branchen heraus gesetzt werden.“

Im Rahmen der Legehennenzucht schlüpfen in Österreich jährlich rund 19 Millionen Küken. Ein Teil der nicht benötigten männlichen Küken wurde bislang getötet und über die Tierkörperverwertung entsorgt. Dies betrifft über 1,5 Millionen Küken pro Jahr. Eine auf drei Säulen beruhende Branchenlösung soll diese Praktik ab 2022 beenden: Ab dann sollen sämtliche männliche Küken entweder als Futterküken verwendet oder aufgezogen werden – ein Unikum in der EU, das in Zusammenarbeit mit heimischen Zoos und Greifvogelorganisationen beschlossen wurde. Auch die Früherkennung des Geschlechts im Ei soll künftig eine Rolle spielen, sobald sie technisch weiter gereift ist.

Gänzliches Verbot führt zu Verschiebung des Problems

Hannes Royer, Obmann des Vereins Land schafft Leben: „Die Österreichische Geflügel- und Eierbranche zeigt immer wieder, dass auch Impulse aus den Branchen heraus gesetzt werden können. Konsumentinnen und Konsumenten schauen heute ganz genau hin und wollen wissen, was bei der Herstellung ihres Essens passiert. Eine Zweckbindung zur Verfütterung, etwa in Greifvogelstationen oder Tierparks, ist auch in Hinblick auf die heimische Kreislaufwirtschaft sinnvoll.“

Ein gänzliches Verbot des Kükentötens würde eine Abwanderung der Brütereien in andere Länder bewirken; und damit am Ende des Tages lediglich eine Verschiebung des Problems ins Ausland, wo die Tiere unter Umständen unter schlechteren Bedingungen gehalten und getötet werden.

Eine neue Branchenlösung soll das grundlose Töten von Küken ab 2022 beenden (©Land schafft Leben)

Derzeit wichtige Futterquelle 

Tiere wie Schlangen, Nasenbären, Eulen oder Adler in den heimischen Zoos und Tierschutzhäusern sind in Hinblick auf eine artgerechte und ausgewogene Ernährung auf Hühnerküken angewiesen. Dass Eintagsküken nun vermehrt verfüttert statt entsorgt werden soll, mag für dieses keinen Unterschied machen – so oder so wird es nur einen Tag alt. Im Sinne der heimischen Kreislaufwirtschaft ist dies aber durchaus der Fall, denn der Bedarf an Futterküken wird in Österreich momentan nur zur Hälfte mit heimischen Küken gedeckt. Der Rest wird importiert, obwohl jährlich über 1,5 Millionen Küken in der Tierkörperverwertung landen.

Geschlechterbestimmung im Ei

Bei der Geschlechterbestimmung im Ei wird das Ziel ver- folgt, männliche Legeküken erst gar nicht auszubrüten. Es gibt dazu vielversprechende technische Lösungsansätze, die aller- dings noch nicht vollständig praxistauglich sind. Eines der Probleme ist der Zeitpunkt: So sollte die Bestimmung vor dem 7. Tag nach der Eiablage erfolgen, da der Embryo ab dann Schmerzen empfinden kann.

Aufzucht statt Eintagsküken?

Die Züchtung hat sich auf die jeweilige Nutzungsform von Hühnern spezialisiert: Legehennen legen etwa 300 Eier pro Jahr, während ein Masthuhn innerhalb von 30 Tagen schlachtfertig ist. Entsprechend ungeeignet ist ein Masthuhn als Legehenne und umgekehrt. Die als „Bruderhahn“ bekannte Mast männlicher Legehühner dauert zumindest doppelt so lang wie jene eines Masthuhns, außerdem benötigen die „Bruderhähne“ doppelt so viel Futter. Die biologische Geflügellandwirtschaft hat sich bereits 2016 darauf geeinigt, männliche Legehühner aufzuziehen. Diese machen einen Anteil von 11 Prozent an den 9,4 Millionen männlichen Küken von Legerassen aus, die in Österreich jährlich auf die Welt kommen. In Frage zu stellen sind aber die Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit dieser Aufzucht.

Ausführliche Infos, Zahlen und Fakten gibt es im zugehörigen Factsheet von Land schafft Leben.

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