Österreich verliert im internationalen Wettbewerb weiter an Boden. Im aktuellen IMD World Competitiveness Ranking 2026 belegt die Republik nur noch Rang 29 unter 70 bewerteten Volkswirtschaften. Der Handelsverband wertet das Ergebnis als deutlichen Hinweis darauf, dass der Wirtschaftsstandort seit Jahren an Wettbewerbsfähigkeit einbüßt und fordert umfassende Reformen bei Verwaltung, Bürokratie und Standortpolitik.
Seit 2007 hat Österreich im Ranking 18 Plätze verloren. Damals erreichte das Land noch Rang 11, 2020 lag es auf Platz 16. Besonders kritisch bewertet der Handelsverband das Abschneiden bei der staatlichen Effizienz. In dieser Kategorie landet Österreich nur noch auf Rang 43.

Handelsverband kritisiert fehlende Umsetzung von Reformen

Für Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will bestätigt das Ranking die Erfahrungen vieler Unternehmen. Während Reformen regelmäßig angekündigt würden, fehle es an einer konsequenten Umsetzung. Gleichzeitig würden neue Belastungen geschaffen, etwa durch die Paketsteuer, während Entlastungen für Unternehmen erst in den kommenden Jahren in Aussicht gestellt seien.
Aus Sicht des Handelsverbands trage der Handel überproportional zur Finanzierung des Budgets bei, obwohl viele strukturelle Probleme seit Jahren ungelöst blieben. Investitionen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze würden dadurch erschwert.

Behördenverfahren bremsen Investitionen

Als zentrale Schwachstellen nennt der Handelsverband langwierige Genehmigungsprozesse, komplexe Regulierung sowie langsame Verwaltungsabläufe. Unternehmen müssten häufig monatelang auf Bau- oder Betriebsanlagengenehmigungen sowie auf Steuerrückzahlungen warten. Das binde Liquidität und verzögere Investitionsentscheidungen.
Der Verband fordert deshalb einen konsequenten Bürokratieabbau, eine umfassende Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung sowie deutlich schnellere Behördenverfahren. Auch die angekündigten Maßnahmen der Bundesregierung im Rahmen des „Projekt X“ müssten rasch zu spürbaren Verbesserungen führen.

Große Strukturreformen statt Einzelmaßnahmen

Nach Ansicht des Handelsverbands reichen punktuelle Maßnahmen nicht mehr aus, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Erforderlich seien umfassende Strukturreformen, darunter eine Modernisierung des Föderalismus, der Abbau von Doppelgleisigkeiten zwischen den Verwaltungsebenen sowie Reformen im Bildungsbereich.
Der Verband verweist darauf, dass Österreich weiterhin über gut ausgebildete Fachkräfte, innovative Unternehmen und eine leistungsfähige Infrastruktur verfüge. Damit Investitionen künftig verstärkt im Inland stattfinden, müssten jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wieder international konkurrenzfähig werden.
Rainer Will sieht daher die Politik gefordert, Reformen nicht nur anzukündigen, sondern rasch umzusetzen. Nur mit schnelleren Verfahren, weniger Bürokratie und einer effizienteren Verwaltung könne Österreich den Abwärtstrend im internationalen Wettbewerbsvergleich stoppen.