Lebensmittelüberschüsse, Nebenprodukte und Reststoffe gelten oft als Kostenfaktor. Das EU-Projekt Cirevalc soll daraus neue Wertschöpfung machen. Ein digitaler Marktplatz vernetzt Unternehmen entlang der Lebensmittelwirtschaft und bringt Anbieter sowie potenzielle Abnehmer in ganz Europa zusammen.

Lebensmittelverschwendung verursacht entlang der europäischen Wertschöpfungskette enorme wirtschaftliche und ökologische Verluste. Gleichzeitig entstehen in Produktion, Verarbeitung, Gastronomie und Handel zahlreiche Nebenströme und Reststoffe, die häufig ungenutzt bleiben. Das EU-Projekt Cirevalc will dieses Potenzial besser erschließen und hat dafür einen digitalen Marktplatz entwickelt, der Unternehmen entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette miteinander vernetzt.

Europäisches Netzwerk

Die Plattform bringt Produzenten, Verarbeiter, Gastronomiebetriebe, Organisationen und Initiativen zusammen, die überschüssige Ressourcen, Nebenprodukte oder innovative Upcycling-Lösungen anbieten oder nutzen möchten. Das Ziel ist es, Stoffströme sichtbar zu machen, neue Kooperationen anzustoßen und die Kreislaufwirtschaft verstärkt in der Praxis zu verankern. „So unterstützt der digitale Marktplatz Unternehmen dabei, Ressourcen effizienter einzusetzen und gleichzeitig ökologische sowie wirtschaftliche Potenziale zu erschließen“, erklärt hierzu Katharina Rottinger, Projektmanagerin im Lebensmittel-Cluster der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria. Der Lebensmittel-Cluster ist österreichischer Projektpartner von Cirevalc und hat sein Know-how in die Entwicklung des Marktplatzes eingebracht.

Digitale Suche-Biete-Börse

Die Plattform funktioniert nach dem Prinzip einer digitalen Suche-Biete-Börse. Unternehmen können Reststoffe und Nebenprodukte anbieten oder gezielt nach benötigten Materialien suchen. Finden sich passende Partner, erfolgt die Kontaktaufnahme direkt zwischen den beteiligten Unternehmen. Mengen, Preise, Transport- und Lieferbedingungen werden anschließend individuell vereinbart.

Die Nutzung des Marktplatzes ist kostenlos. Österreichische Unternehmen können sich direkt über die Plattform registrieren. Unterstützung bei der Anmeldung bietet bei Bedarf Katharina Rottinger vom Lebensmittel-Cluster der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria.

Wie die Vernetzung in der Praxis funktionieren kann, zeigt ein Beispiel aus dem Projekt: Ein Unternehmen sucht Olivenkerne als Rohstoff für die Ölproduktion. Über den Marktplatz findet es einen Anbieter in Griechenland, der diesen Reststoff anbietet. Daraus entsteht eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, die ohne eine solche Plattform kaum zueinander gefunden hätten.

Auch für die Lebensmittelwirtschaft eröffnen sich durch diese Initiative neue Möglichkeiten. Nebenprodukte, Lebensmittelüberschüsse oder Verpackungslösungen können potenziellen Abnehmern sichtbar gemacht und einer weiteren Nutzung zugeführt werden. Für fleischverarbeitende Betriebe könnte die Plattform künftig ebenfalls interessant sein, etwa um verwertbare Nebenströme oder überschüssige Materialien europaweit anzubieten oder nach geeigneten Rohstoffen zu suchen.

Wissenstransfer und Vernetzung

Neben der technischen Plattform setzt Cirevalc auf Community-Building und Wissenstransfer. In mehreren europäischen Regionen laufen Pilotprojekte, die Unternehmen bei der Entwicklung zirkulärer Geschäftsmodelle unterstützen. Über den sogenannten Circular Community Accelerator sollen Kompetenzen aufgebaut, Kooperationen gefördert und die Umsetzung von Kreislaufwirtschaftslösungen beschleunigt werden.

Good-Practice-Beispiele sind derzeit nicht Bestandteil des Marktplatzes selbst. Die Plattform dient ausschließlich der Vernetzung von Unternehmen und dem Austausch von Reststoffen und Ressourcen. Einige erfolgreiche Projekte wurden bereits im Podcast „Circular Bites“ (zum Beispiel auf Spotify zu finden) vorgestellt. Weitere Projektergebnisse und Praxisbeispiele veröffentlicht das Projektteam regelmäßig über die LinkedIn-Seite von Cirevalc. Da das Projekt noch läuft, werden laufend zusätzliche Good Practices gesammelt und aufbereitet.

Englisch als gemeinsame Sprache der Plattform

Die Plattform steht ausschließlich in englischer Sprache zur Verfügung. Laut dem Projektteam wurde dies bewusst so entschieden, da Unternehmen aus unterschiedlichen europäischen Ländern miteinander vernetzt werden sollen. Eine mehrsprachige Version ist derzeit nicht geplant.

Die internationale Ausrichtung zeigt sich auch bei der Projektorganisation. Die Gesamtprojektleitung liegt bei Zoltán Bendó von der South Transdanubian Regional Innovation Agency in Ungarn. Für die österreichische Umsetzung und Koordination zeichnet Katharina Rottinger vom Lebensmittel-Cluster der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria verantwortlich.

Marktplatz bleibt bestehen

Finanziert wird Cirevalc über das EU-Förderprogramm Interreg Central Europe. Eine gesonderte österreichische Förderung ist nicht vorgesehen. Da Österreich als Mitglied der Europäischen Union zum EU-Haushalt beiträgt, fließen jedoch indirekt auch österreichische Mittel in die Finanzierung solcher Projekte ein.

Das Projekt endet offiziell im Juni 2026. Der digitale Marktplatz soll jedoch mindestens weitere sieben Jahre betrieben und gewartet werden. Die Projektpartner hoffen, dass sich bis dahin ein dauerhaftes europäisches Netzwerk etabliert, das neue Wertschöpfung schafft, Ressourcen effizienter nutzt und Lebensmittelverluste reduziert.

„Je mehr Akteure ihre Angebote, Ressourcen und Ideen einbringen, desto größer wird das Potenzial für neue Kooperationen, innovative Upcycling-Lösungen und nachhaltige Geschäftsmodelle“, sagt Rottinger. „Wir laden daher Unternehmen, Produzenten und Interessierte ein, Teil der Community zu werden, den digitalen Marktplatz aktiv zu nutzen und mitzugestalten.“

Alle Informationen unter: https://cirevalc.ascrion.com