Was in Ilz entstanden ist, ist mehr als ein neues Fachgeschäft. Die Fleischerei Turza verbindet EU-Schlachthof, über 100 Spezialitäten und ein durchdachtes Hybridkonzept zu einem Vorzeigeprojekt für das moderne Fleischerhandwerk.
191 Jahre Tradition im Fleischerhandwerk. Sieben Generationen Verantwortung. Für Philipp Turza ist das keine Last, sondern Antrieb und Verpflichtung für die Zukunft. 33 Jahre jung, seit elf Jahren im Betrieb und nun seit einem Jahr Geschäftsführer der Turza GmbH & Co KG. Zunächst wurde in eine neue Produktionshalle mit Photovoltaikanlage investiert. Danach folgte der nächste große Schritt: Das Stammhaus in der Ortsmitte von Ilz wurde erweitert, neu strukturiert und vollständig neu gestaltet. Entstanden ist ein hybrider Gourmettempel mit Bistro – geplant und umgesetzt von Aichinger. Klare Linien, funktionale Raumaufteilung, modernes Interieur. Eine Theke, die Bedienung und Selbstbedienung verbindet. Und ein integrierter autonomer SB-Shop. Philipp Turza nennt es selbstbewusst einen Flagship-Store – ein „modernes Einkaufserlebnis auf Feinkostniveau“.
Strategie statt Zufall
Ilz ist eine Marktgemeinde mit rund 3.800 Einwohnern in der Südoststeiermark. Hier hat der ehemalige steirische Landesinnungsmeister Karl Turza in den vergangenen Jahrzehnten ein solides gewachsenes Familienunternehmen aufgebaut: einen EU-Schlachthof mit Produktionsbetrieb sowie eine Fleischerei mit angeschlossener Gastronomie. Mit der Übergabe an Sohn Philipp wurde nicht nur die Geschäftsführung neu geordnet, sondern eine klare Zukunftsstrategie eingeleitet. Ziel ist es, den Detailumsatz deutlich zu steigern, die Position im Ortskern zu stärken und gleichzeitig das Großhandelsgeschäft stabil weiterzuführen.
„Wir als Familienbetrieb haben im Jahr 2023 beschlossen, unser Geschäft zu vergrößern und komplett zu modernisieren. Das war der erste Schritt unserer Vision ‚Ilz 2030‘. Der zweite Schritt betrifft das Areal zwischen unserem Schlachthof und Produktionsbetrieb, dem neuen Verkaufslokal, der Raiffeisenbank und dem geplanten Eurospar-Markt. Auf dieser Fläche soll in den kommenden Monaten ein neuer Parkplatz entstehen und gemeinsam mit den umliegenden Betrieben ein neuer zentraler Bereich wachsen – der ‚Untere Marktplatz‘ als Ort der Begegnung in Ilz. Damit stärken wir einerseits den Ortskern und schaffen andererseits zusätzliche Parkmöglichkeiten für unsere Kundinnen und Kunden. So stellen wir uns eine erfolgreiche Weiterentwicklung unseres Unternehmens und zugleich eine positive Zukunft für die Marktgemeinde Ilz vor“, erklären Philipp und Karl Turza. Karl Turza ergänzt mit einer klaren Haltung: „Ich bekenne mich zur Erhaltung unseres Ilzer Ortskernes. Dazu gehören Fachgeschäfte, gastronomische Lokale, eine Bank und Apotheke, aber auch der Lebensmitteleinzelhandel. Da ich unser Unternehmen an meinen Sohn Philipp übergeben habe, wollte ich noch durch meine Hilfe einen Beitrag zu einem gelungenen Start leisten.“

Bodentiefe Fenster geben Einblicke in das Ladengeschäft. Die Kunden betreten den Laden über den neuen Eingang an der Ecke. © Michaela Begsteiger
Fundament: der Schlachthof und die Produktion
Die Familie Turza betreibt seit Jahrzehnten einen erfolgreichen gewerblichen EU-Schlachthof und ist damit unverzichtbarer Dienstleister für viele handwerkliche Fleischer in der Steiermark, Niederösterreich und dem Burgenland. Spezialisiert ist man auf die Schweineschlachtung. Rund 450 Sauen von etwa 95 Partnerbauern werden pro Woche gestochen, dazu kommen drei Rinder – Stiere, Kalbinnen oder Ochsen. 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden hier einen sicheren Arbeitsplatz. Vier davon sind Lehrlinge in Ausbildung – zwei im Doppelberuf Verkauf/Verarbeitung und zwei in der reinen Verarbeitung. „Wir haben viele langjährige Mitarbeiter – das verdanken wir unserer starken Lehrlingsausbildung“, erklärt Karl Turza. „Trotzdem sind auch wir auf Mitarbeitersuche, vor allem wegen des großen Andrangs im neuen Geschäft.“
Wöchentlich werden rund zwei Tonnen Wurst- und Fleischwaren hergestellt. Zu den Kunden im En-gros-Bereich zählen regionale Kaufleute von Spar, Nah & Frisch und andere, ebenso Gastronomiebetriebe und Buschenschenken. Das Detailgeschäft erzielte vor der Erneuerung rund zwölf Prozent des Gesamtumsatzes – dieser Anteil soll künftig deutlich steigen.
Spezialitäten mit Handschrift
Die steirische Vulkanlandbraune zählt ebenso zu den Aushängeschildern wie die Braunschweiger in vier Varianten – klassisch, scharf, superscharf und mit Käse –, die jeden Mittwoch- und Freitagmorgen auch als Kesselfrische angeboten wird.
Eine besondere Spezialität ist die „Ilzer“-Halbdauerwurst. Karl Turza zur Entstehung: „Ich wollte angesichts der Dauerdiskussionen mit Slowenien über die Krainer eine Wurst kreieren, die unbestritten ist.“ Einzigartig ist die Beigabe regionaler Äpfel der Sorte Ilzer Weinler, die, fein geschnitten, der Wurst ein unverwechselbares Aroma verleihen. „Die Ilzer schmeckt oder schmeckt nicht. Sie ist keine Wurst für alle“, erklärt Karl Turza. Zum Apfel gesellen sich Schweine- und Rindfleisch sowie Speck aus eigener Schlachtung, dazu ausgewählte Gewürze. Verkauft wird die Ilzer als Stange, aufgeschnitten oder im Geschenkkarton.
Weitere Spezialitäten sind das Grüne Goldfilet – ein Schweinsfilet im Kürbiskernmantel, über Buchenholz geräuchert und luftgetrocknet –, der Thermenlandschinken sowie der Weinberg-Schinken mit Traubenmuster. Insgesamt umfasst das Sortiment deutlich mehr als 100 Wurst- und Fleischwaren.
Fertiggerichte zum Mitnehmen und zum Verzehr vor Ort gewinnen zunehmend an Bedeutung. Ein täglich wechselndes Menü gehört ebenso zum Standard wie eine täglich neue Burger-Variation.
Das neue Fachgeschäft als Wachstumsmotor
Das bestehende Fachgeschäft wurde mit dem Umbau mehr als verdoppelt und umfasst nun inklusive Vorbereitungs- und Küchenräumlichkeiten rund 280 Quadratmeter. Die Verkaufsfläche beträgt rund 130 Quadratmeter, davon 40 Quadratmeter SB-Bereich mit Kassenautomat. 34 Sitzplätze innen und 40 im Außenbereich schaffen eine Aufenthaltsqualität. Der neue „Gourmettempel“ – anders lässt sich das modern gestaltete Fachgeschäft kaum bezeichnen – setzt neue Maßstäbe im Bereich der Fleischereien.
„Mit dieser Investition wollten wir einen Meilenstein in unserer Firmengeschichte setzen. Wir haben die Verkaufsfläche verdoppelt, großzügige Sitzbereiche geschaffen und die Küche samt Vorbereitungsräumen vollständig modernisiert“, erklärt Philipp Turza. In der Ortsmitte entstand ein neues Ensemble mit Gastronomie, Grünflächen, Gehwegen und künftig bis zu 120 Parkplätzen. „Wir sind der Fixpunkt der neuen Mitte“, sagt Philipp Turza. Ilz darf sich seit dem letzten September als Ortschaft mit einem der schönsten Fleischerfachgeschäfte der Welt bezeichnen. Aufgesperrt wurde das neue Geschäft bereits Mitte September, die offizielle Eröffnungsfeier erfolgte im Oktober – mit enormem Andrang. Wo früher die Großeltern das Gasthaus Friedrich mit einer Metzgerei betrieben, steht heute ein „Genusspol im Vulkanland“: Fleischerei, SB-Shop und Bistro. Holztafellungen und lindgrüne Sitzpolster erinnern bewusst an das ehemalige Gasthaus. Das benachbarte verpachtete Lokal trägt weiterhin den Namen „Friedrichs“.
Planung ist alles
280 Quadratmeter wollen durchdacht geplant sein. Customer Journey, Laufwege, Sichtachsen ebenso wie Arbeitsabläufe hinter der Theke und in der Küche mussten berücksichtigt werden. Vater und Sohn Turza gingen pragmatisch vor. 2024 besuchten beide die SÜFFA und machten auf der Heimreise zahlreiche Store-Checks bei Kollegen in Deutschland und Österreich – zuletzt bei der Fleischerei Höller in Zöbern, ebenfalls ein von Aichinger umgesetztes Hybridkonzept.
Zweimal wurde schließlich noch das Layout verändert, Erkenntnisse aus den Besuchen sowie Empfehlungen der Aichinger-Experten wurden integriert. Eine der zentralen Entscheidungen: Der ehemalige Haupteingang wurde zum Zugang des SB-Shops. Kundinnen und Kunden betreten den Betrieb direkt nun über den SB-Bereich, passieren die SB-Theke und entdecken das gesamte Sortiment bereits beim Ankommen. Der SB-Shop ist täglich von 4 bis 23 Uhr geöffnet, außerhalb der Bedienzeiten erfolgt der Zugang per Bankomatkarte. Laden und Bistro werden durch verschiebbare Glaselemente getrennt.
Kernstück: die Theke
Für den Ladenbau entschied sich die Fleischerei Turza mit Aichinger bewusst für einen der Big Player auf dem heimischen Markt. Kernstück des Fachgeschäfts ist die insgesamt 12,3 laufende Meter lange Kühltheke Aichinger Sirius 3, davon 4,3 laufende Meter als SB-Theke ausgeführt. Ergänzt wird sie durch die 3,2 laufende Meter lange Heiße Theke Aichinger Gourmet mit vier Elementen Platte 64. Im SB-Bereich kommt zusätzlich ein vier laufende Meter langes SB-Kühlregal Aichinger TopSpot Mio+Ecoplus zum Einsatz.
Aichinger erbrachte folgende Leistungen: Konzeptberatung, Entwurfsplanung und Ausführungsplanung für den hybriden Laden und das Restaurant, begleitende Bauleitung sowie die Koordination der Handwerker – beginnend von der Definition des Leistungsumfangs über die Vergaben bis hin zur Baukoordination.
Zudem erfolgten Lieferung und Einbau der Theken und des Mobiliars, der Rückwand sowie die Umsetzung des Gesamtkonzepts. Bereits vor dem Umbau hat man in der Fleischerei Turza Verkaufsautomaten betrieben und wertvolle Erfahrungswerte bezüglich Topsellern und Absatzmengen gesammelt. Produkte, die früher im Automaten vor dem Geschäft angeboten wurden, finden heute ihren Platz in einem ansprechenden Umfeld – hochwertig präsentiert im SB-Kühlmöbel TopSpot Mio+Ecoplus mit Glasschiebeelementen sowie in einer offenen SB-Variante der Kühltheke Sirius 3.
Der SB-Shop ist täglich von 4 bis 23 Uhr geöffnet. Der Zugang erfolgt außerhalb der Bedienzeiten berührungslos mit der Bankomatkarte. Im Geschäft selbst stehen den Kundinnen und Kunden unterschiedliche Zahlungsmethoden zur Verfügung, darunter auch Bar- sowie andere elektronische Zahlungsmöglichkeiten. Bezahlt wird unter anderem am Self-Check-out-Terminal durch Scannen des Barcodes und anschließende Bezahlung mit Bankomatkarte. Der SB-Bereich ist auch während der Bedienzeiten durchgehend bestückt und fungiert als Frequenzpuffer bei Spitzenzeiten. Der Kundenweg führt von dort direkt zur Bedientheke, an der die Kundschaft empfangen, beraten und bedient wird.
Mittelpunkt der fünfeckigen Thekenanlage ist das halbrunde Thekenelement Maxx-Point, in dem Schinken- und Selchspezialitäten inszeniert werden. An die Fleisch- und Wursttheke schließt die Heiße Theke Gourmet mit Platte 64 sowie die Essenausgabe an. Mittags gehen 50 bis 70 komplette Menüs mit Suppe und Salat über die Theke, dazu rund 60 weitere Speisen sowie etwa 150 belegte Semmeln mit Schnitzel, Fleischkäse und anderen Schmankerln. Früher arbeiteten zwei Köche in einer acht Quadratmeter großen Küche. Heute steht eine vollwertige einsehbare Gastroküche zur Verfügung.
Architektur, Atmosphäre, Familie
Für den Sitzbereich wurde das Gebäude rückwärtig erweitert und um eine überdachte Terrasse ergänzt. Die Fassade aus Alucobond verändert je nach Lichteinfall ihren Farbton. „Guter Ladenbau beginnt an der Fassade. Diese verbindet perfekt den Außen- mit dem Innenbereich“, betont Philipp Turza. Bodentiefe Fenster öffnen den Blick von der B65 ins Geschäft. Das Gestaltungs- und Lichtkonzept nimmt Bezug auf die Vulkanlandschaft: warme Erdtöne, Holz, Stein und strukturierte Wandfliesen mit wellenartiger Textur. Birgit Samer, Lebensgefährtin von Philipp Turza, prägte das Erscheinungsbild maßgeblich. In enger Zusammenarbeit mit Aichinger entstand eine unverwechselbare Atmosphäre. Karl Turza berichtet: „Es war mir eine Freude, die beiden bei diesem umfangreichen und bedeutenden Projekt zu unterstützen. Das beweist unseren unglaublichen Familienzusammenhalt. Die Resonanz unserer Kundschaft ist sensationell. Der Andrang bei der offiziellen Eröffnungsfeier im Oktober war enorm.“
Turza GmbH & Co KG
Ilz 41, 8262 Ilz, www.turza.at
Geschäftsführer: Philipp Turza
Mitarbeiter: 28 in der Produktion, 12 im Verkauf
Öffnungszeiten mit Bedienung:
Mo–Fr: 06.30–18.00 Uhr
Sa: 06.30–13.00 Uhr
Öffnungszeiten in Selbstbedienung:
Mo–So: 04.00–23.00 Uhr
Technologie: berührungsloser Zugang mit Bankomatkarte, Scannen Barcode am SCO-Terminal, Bezahlen mit Bankomatkarte
Fläche: 280 m²
Laden: 128 m², davon 40 m² SB
Sitzplätze: 34 innen, 40 außen
Autoren: Volker Simon, HaRo









