Die wirtschaftliche Lage im österreichischen Fleischerhandwerk zeigt ein klares Spannungsfeld: nominell leicht steigende Umsätze stehen einer realen Schrumpfung gegenüber. Laut aktueller Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria konnte die Branche im Jahr 2025 zwar ein Umsatzplus von 0,6 Prozent erzielen, doch inflationsbereinigt ergibt sich ein deutlicher Rückgang der Absatzmengen um 2,3 Prozent.
Damit entwickelt sich das Fleischergewerbe doch recht deutlich schwächer als die Gesamtwirtschaft. Während das Bruttoinlandsprodukt nominell um 3,8 Prozent gewachsen ist, bleibt diese Branche real leider im Minus. Der Grund liegt vor allem in der Preisentwicklung: 69 Prozent der Betriebe haben ihre Verkaufspreise erhöht, im Schnitt um 3,0 Prozent. Gleichzeitig lag die Inflation mit 3,6 Prozent allerdings darüber.
Die Konsequenz ist eindeutig: Die höheren Preise konnten den realen Nachfrageverlust nicht kompensieren. Die Konsumenten kaufen zwar, aber doch weniger.
Zwei Klassen im Markt: Wachstum bei wenigen, Rückgang bei vielen
Die Detailstruktur zeigt allerdings auch eine Spaltung der Branche. 47 Prozent der Betriebe konnten ihre Umsätze steigern, während 28 Prozent Rückgänge verzeichneten.
Darüberhinaus geht die Spaltung weiter: Während das Fleischerhandwerk kämpft, gewinnt die Landwirtschaft deutlich.
Besonders deutlich wird diese Entwicklung im vierten Quartal 2025, die dank Feiertage traditionell zur umsatzstärksten Zeit gehört. Im klassischen Kerngeschäft Fleisch und Wurst berichten nur 22 Prozent der Betriebe von steigenden Umsätzen, während 24 Prozent Rückgänge melden. Noch problematischer ist die Lage im Großkundengeschäft, wo 44 Prozent Einbußen verzeichnen.
Stabiler zeigen sich Zusatzbereiche wie Partyservice oder Imbiss, die teilweise höhere Wachstumsanteile aufweisen. Hier zeigt sich, dass Diversifikation zunehmend zur strategischen Notwendigkeit wird.
Investitionen laufen weiter, aber vorsichtiger
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bleibt die Investitionsbereitschaft im Jahr 2025 erfreulicher Weise vergleichsweise ziemlich stabil. 50 Prozent der Betriebe haben investiert, durchschnittlich rund 3.300 Euro pro Beschäftigten.
Auffällig allerdings die Struktur der Investitionen: Der Großteil entfällt auf Ersatzinvestitionen mit 59 Prozent. Erweiterungsinvestitionen machen lediglich 20 Prozent aus. Das zeigt eine klare defensive Haltung der Betriebe.
Für 2026 verschärft sich dieses Bild deutlich. Nur noch 36 Prozent der Unternehmen gaben an weitere Investitionen zu planen. Der Anteil jener Betriebe, die überhaupt investieren wollen, sinkt damit spürbar.
Kosten bleiben der dominierende Druckfaktor
Die größten Herausforderungen sind eindeutig kostengetrieben. 73 Prozent der Betriebe nennen steigende Rohstoffpreise als Hauptproblem, 65 Prozent die Energiekosten und 57 Prozent die Arbeitskosten .
Hinzu kommen strukturelle Belastungen: Bürokratie und Verwaltung betreffen 54 Prozent der Betriebe, Steuern und Abgaben 52 Prozent.
Der Fachkräftemangel bleibt zwar relevant, verliert aber leicht an Gewicht im Vergleich zu den Kostenfaktoren. Gleichzeitig gewinnt ein neuer Faktor an Bedeutung: schwache Kundennachfrage, die bereits von 30 Prozent der Betriebe als Problem genannt wird .
Stimmung kippt langsam: Geschäftslage negativer
Im ersten Quartal 2026 verschlechtert sich die Einschätzung der Betriebe zudem deutlich. Nur noch 3 Prozent (!) bewerten ihre Geschäftslage als gut, während 29 Prozent sie als schlecht einstufen.
Der Saldo liegt bei minus 26 Prozentpunkten. Das bedeutet: Der Anteil negativer Einschätzungen überwiegt deutlich.
Auch bei den Umsätzen zeigt sich ein klares Bild: 37 Prozent der Betriebe melden Rückgänge, nur 6 Prozent Zuwächse.
Die Branche befindet sich damit in einer Phase anhaltender Schwäche, auch wenn sich einzelne Kennzahlen im Vergleich zum Vorjahr eigentlich leicht verbessert haben.
Ausblick bleibt verhalten: Pessimismus überwiegt
Für das zweite Quartal 2026 erwarten 31 Prozent der Betriebe sinkende Umsätze, nur 12 Prozent rechnen mit Zuwächsen .
Der Erwartungssaldo liegt bei minus 19 Prozentpunkten und hat sich damit im Vergleich zum Vorquartal weiter verschlechtert.
Auch bei der Beschäftigung zeigt sich Zurückhaltung: 83 Prozent der Betriebe planen keine Veränderung beim Personalstand, nur 10 Prozent wollen aufstocken .
Der aktuelle Konjunkturbericht zeichnet kein kurzfristiges Krisenbild, sondern eine strukturelle Verschiebung im Fleischerhandwerk.
Drei Entwicklungen stechen dabei doch heraus:
- Die Nachfrage verändert sich. Preissteigerungen führen nicht mehr automatisch zu höheren Umsätzen.
- Kosten dominieren die unternehmerischen Entscheidungen. Investitionen werden vorsichtiger, Expansion bleibt die Ausnahme.
- Betriebe mit breiterem Geschäftsmodell sind stabiler. Zusatzangebote wie Imbiss oder Partyservice gewinnen an Bedeutung.
Für das Fleischerhandwerk bedeutet – wie bereits die letzten Jahre gewohnt – das eine klare Herausforderung: Effizienz, Positionierung und Angebotsstruktur werden entscheidend für die wirtschaftliche Stabilität der kommenden Jahre. Zudem wird eine politische Kurskorrektur in Sachen Bürokratie und Kosten immer dringlicher.







