Die Zahlen könnten gegensätzlicher kaum sein: Während die österreichische Landwirtschaft 2025 ihren Produktionswert um 9,7 Prozent und die Wertschöpfung um 17,3 Prozent steigert, kommt das Fleischerhandwerk laut aktuellem Konjunkturbericht nominell nur auf ein Plus von 0,6 Prozent – real bedeutet das sogar ein Minus von 2,3 Prozent.
Damit verschiebt sich die wirtschaftliche Dynamik innerhalb der Wertschöpfungskette deutlich. Die Erzeugung profitiert von höheren Preisen und guten Mengen, in der Verarbeitung schlagen genau diese Effekte als Kosten und Nachfragerückgang durch.
9,7 Prozent mehr Produktionswert, plus 17,3 Prozent bei der Wertschöpfung und ein Einkommensanstieg von 20,8 Prozent: Die österreichische Landwirtschaft hat 2025 wirtschaftlich deutlich zugelegt, das zeigt der aktuelle Bericht Wertschöpfung der Landwirtschaft 2025 gestiegen der Statistik Austria.
Was auf den ersten Blick nach Entlastung klingt, ist für das Fleischerhandwerk jedoch nur bedingt eine gute Nachricht.
Denn der Aufschwung findet vor allem auf der Rohstoffseite statt – und genau dort steigen gleichzeitig die Preise.
Rind treibt, Schwein bleibt Problemzone
Die tierische Produktion legte 2025 um beachtliche 10,7 Prozent zu. Treiber waren vor allem höhere Preise in der Rinderproduktion sowie stabile Erlöse in der Milch. Das wirkt natürlich direkt in die Kalkulation vieler Betriebe hinein. Rindfleisch wird teurer – und damit auch das Risiko, diese Preissteigerungen im Verkauf nicht vollständig weitergeben zu können. Die Nachfrage ist bereits angespannt, die Preissensibilität hoch.
Anders beim Schwein: Hier sinken die Preise das zweite Jahr in Folge. Was kurzfristig entlasten kann, bleibt strukturell problematisch. Der Markt ist volatil, die Margen schwanken stark und die Planungssicherheit fehlt.
Die Folge ist eine zunehmend unausgewogene Rohstoffbasis, die betriebliche Entscheidungen erschwert.
Gute Ernten stabilisieren – aber nicht die Preise
Auch im Pflanzenbau zeigte sich 2025 stark. Der Produktionswert steigt um 9,6 Prozent, gute Erträgen im Feldbau sowie überdurchschnittlichen Mengen bei Obst und Wein sei Dank. Doch die Preisentwicklung läuft in die entgegengesetzte Richtung, denn im Durchschnitt sinken die Erzeugerpreise bereits das dritte Jahr in Folge.
Für das heimische Fleischerhandwerk ist das freilich mehr als eine Randnotiz. Futtermittelpreise, Flächennutzung und alternative Verwertungen beeinflussen direkt die Kostenstruktur entlang der gesamten Lebensmittel-Kette.
Das Beispiel Zuckerrübe zeigt, wie schnell sich Produktionsschwerpunkte verschieben können. Der massive Rückgang im Anbau ist Ausdruck einer Branche, die zunehmend flexibel reagieren muss.
Mehr Wertschöpfung, aber keine Entspannung
Die Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft steigt auf rund 5 Milliarden Euro, das Faktoreinkommen auf etwa 3,6 Milliarden. Pro Arbeitskraft ergibt sich ein reales Plus von 18,4 Prozent. Diese Zahlen markieren eine deutliche Erholung – aber keine flächendeckende Verbesserung. Sie sind stark preisgetrieben und konzentrieren sich auf bestimmte Segmente.
Gleichzeitig sinkt der Arbeitseinsatz weiter. Die Produktivität steigt, doch die Struktur verändert sich.
Für das Fleischerhandwerk bedeutet das eine klare Verschiebung: Während die Primärproduktion an wirtschaftlicher Stärke gewinnt, verlagert sich der Druck zunehmend in Richtung Verarbeitung und Vermarktung.
Kosten bleiben das zentrale Risiko
Parallel zur positiven Entwicklung auf der Produktionsseite steigen die Kosten wieder an. Die Vorleistungen erhöhen sich 2025 um 3,9 Prozent auf rund 5,9 Milliarden Euro.
Treiber sind bekannte Faktoren: Energie, Futtermittel und betriebliche Aufwendungen.
Diese Kosten werden entlang der Kette weitergegeben – und treffen im Fleischerhandwerk direkt auf eine bereits geschwächte Nachfrage. Das führt zu einer doppelten Belastung in der ohnehin bereits geschwächten Branche: steigende Einkaufspreise bei gleichzeitig begrenztem Spielraum im Verkauf.
Verschiebung entlang der Wertschöpfungskette
Die aktuellen Zahlen zeigen keine klassische konjunkturelle Erholung, sondern eine strukturelle Verschiebung. Die Landwirtschaft stabilisiert sich über Preise und Produktionsmengen. Das Fleischerhandwerk steht gleichzeitig unter Druck durch Kosten, Nachfrage und Marktveränderungen. Entscheidend ist daher nicht das Wachstum am Anfang der Kette, sondern die Frage, wie viel davon tatsächlich in der Verarbeitung ankommt. Denn genau hier entscheidet sich, ob aus starken Zahlen in der Landwirtschaft auch wirtschaftliche Stabilität im Fleischerhandwerk wird. Einmal mehr gilt, es braucht eine faire Angleichung, wie unter anderem Wolfgang Seidl in seiner vielbeachteten Ansprache zum Fleisch-Könner-Treffen 2026 ausführlich erörtert hat.







