Künstliche Intelligenz kann heute in Sekunden Designs liefern, Texte formulieren und visuelle Ideen generieren. Was nach einer effizienten Abkürzung klingt, stößt in der Praxis des Etikettendrucks jedoch schnell an klare Grenzen. Darauf weist das niederösterreichische Familienunternehmen Marzek Etiketten+Packaging hin.

„Was auf den ersten Blick am Bildschirm attraktiv wirkt, ist für den professionellen Etikettendruck meist nicht geeignet“, sagt Stefanie Wareka, MSc, MSc, Vertreterin der fünften Generation des Unternehmens. Der Grund liegt in der Komplexität: Ein Etikett ist kein Einzelbild, sondern Teil eines durchdachten Verpackungssystems.

Gestaltung beginnt beim System

Professionelle Etiketten entstehen nicht isoliert. Sie sind eingebettet in ein Gesamtkonzept aus Primärverpackung, Vorder- und Rückenetikett, Siegeln, Emblemen und weiteren Elementen. Formate, Materialien und Gestaltung müssen aufeinander abgestimmt sein und gleichzeitig das Corporate Design eines Betriebs widerspiegeln.

KI-generierte Vorlagen liefern hingegen meist starre Pixelgrafiken. Diese sind weder sauber skalierbar noch flexibel editierbar. Anpassungen bei Text, Farbe oder Form sind nur eingeschränkt möglich. Für die industrielle Produktion, die präzise und reproduzierbare Daten verlangt, ist das ein entscheidender Nachteil.

Veredelung braucht Erfahrung

Besonders deutlich wird die Grenze bei Veredelungen. Prägungen, Lacke, Spezialfarben, haptische Effekte oder komplexe Stanzungen erfordern ein enges Zusammenspiel von Gestaltung und Produktion. Diese Effekte müssen frühzeitig mitgedacht und technisch korrekt umgesetzt werden. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Inspiration und Umsetzung. Während KI Ideen liefern kann, fehlt ihr das Verständnis für Druckprozesse, Materialien und Maschinenparameter.

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Technik und Recht als kritische Faktoren

Neben der Gestaltung entscheidet vor allem die technische Datenaufbereitung über die Qualität eines Etiketts. Vektorgrafiken, Farbdefinitionen, Überfüllungen, Stanzkonturen oder maschinenspezifische Parameter müssen exakt angelegt sein. Fehler führen unmittelbar zu Produktionsproblemen oder Qualitätsverlust. Hinzu kommen rechtliche Anforderungen. Pflichtangaben, Mindestschriftgrößen oder Nutzungsrechte variieren je nach Markt und Produkt. KI-Tools liefern hierfür keine verlässliche Grundlage und übernehmen keine Haftung.

Klare Rollenverteilung

Die Einschätzung aus der Praxis ist eindeutig: KI kann den kreativen Prozess unterstützen, ersetzt aber keine professionelle Umsetzung. „KI-Tools sind eine wertvolle Inspirationsquelle. Gestaltung, Technik und Datenaufbereitung gehören jedoch in die Hände erfahrener Profis“, so Wareka.

Tradition und Technologie

Marzek Etiketten+Packaging, gegründet 1879, produziert mit über 750 Mitarbeitenden an mehreren europäischen Standorten Etiketten und Verpackungslösungen für Handwerk, Weinwirtschaft und Industrie. Das Spektrum reicht vom hochveredelten Spezialetikett bis zur industriellen Standardlösung. Mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen und mehreren Weltmeistertiteln im Etikettendruck zählt das Unternehmen zu den technologischen Vorreitern der Branche. Gleichzeitig zeigt sich: Auch im Zeitalter von KI bleibt die Kombination aus Erfahrung, Technikverständnis und gestalterischer Kompetenz der entscheidende Faktor für erfolgreiche Verpackungslösungen.