Der Einzelhandel verändert sich sichtbar. Leerstände in Ortszentren, steigender Kostendruck und neue Konsumgewohnheiten zwingen die Branche zum Umdenken. Was lange als stabil galt, gerät zunehmend unter Druck. Parallel dazu wächst ein Konzept, das lange als Nische wahrgenommen wurde. Automatenshops, also unbemannte Verkaufsstellen mit 24-Stunden-Zugang, entwickeln sich zunehmend zu einem ernstzunehmenden Baustein im Versorgungssystem. Eine aktuelle, repräsentative Studie mit 1.000 Befragten zeigt, wie stark dieses Modell bereits in der Bevölkerung verankert ist und welches Potenzial noch besteht.

Leerstand als Treiber

Die Ausgangslage ist eindeutig. 77 Prozent der Österreicher nehmen steigende Leerstände wahr, 87 Prozent bewerten diese Entwicklung als problematisch. Ortskerne verlieren an Frequenz, klassische Handelsstrukturen geraten unter Druck. Damit wächst der Bedarf nach neuen Nutzungskonzepten für bestehende Flächen. Automatenshops bieten hier einen vergleichsweise einfachen Ansatz. Geringe Personalkosten, flexible Nutzung und ein Betrieb rund um die Uhr machen sie wirtschaftlich attraktiv und schnell umsetzbar.

Hohe Bekanntheit, wachsende Nutzung

Das Konzept ist längst in der Breite angekommen. 93 Prozent der Befragten kennen Automatenshops, knapp ein Drittel hat bereits dort eingekauft. Besonders dynamisch entwickelt sich die Nutzung bei jüngeren Zielgruppen. In der Generation Z liegt der Anteil der Nutzer bereits bei rund 40 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich auch ein klarer Blick nach vorne. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung kann sich vorstellen, künftig in Automatenshops einzukaufen. Bei jungen Konsumenten steigt dieser Wert nochmals deutlich.

Convenience als Schlüssel

Der größte Vorteil liegt aus Konsumentensicht in der Verfügbarkeit. 64 Prozent schätzen den 24-Stunden-Zugang, 61 Prozent sehen Automatenshops als praktische Lösung für kurzfristige Besorgungen außerhalb klassischer Öffnungszeiten. Für die Lebensmittelbranche ergibt sich daraus ein zusätzlicher Hebel. Automatenshops erweitern Verkaufszeiten ohne zusätzlichen Personalaufwand und schaffen neue Kontaktpunkte mit Konsumenten. Das Sortiment spiegelt diesen Nutzungskontext wider. Besonders gefragt sind Snacks und Süßwaren, alkoholfreie Getränke sowie haltbare Lebensmittel. Gleichzeitig zeigt sich Potenzial für Drogerieartikel oder klassische Notfallprodukte.

Zwischen Akzeptanz und Kritik

Trotz der positiven Grundhaltung gibt es klare Vorbehalte. Knapp die Hälfte der Befragten kritisiert höhere Preise, die durch Betrieb und Technik entstehen können. Auch die eingeschränkte Produktauswahl wird als Nachteil wahrgenommen. Ein weiterer Aspekt betrifft die Rolle des Personals. 43 Prozent sehen Automatenshops kritisch im Hinblick auf mögliche Arbeitsplatzverluste im Handel. Die Akzeptanz wächst, die gesellschaftliche Einordnung ist jedoch noch nicht abgeschlossen.

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Ergänzung statt Ersatz

Entscheidend ist die Rolle im Gesamtsystem Handel. Eine klare Mehrheit sieht Automatenshops nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. 64 Prozent bewerten sie als sinnvolle Erweiterung des stationären Handels. Besonders geeignet erscheinen Standorte mit hoher Mobilität oder eingeschränkter Infrastruktur. Bahnhöfe, Haltestellen und ländliche Regionen werden am häufigsten genannt. Dort können Automatenshops Versorgungslücken schließen, ohne bestehende Strukturen zu verdrängen. Auch für Ortszentren ergibt sich Potenzial. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass Automatenshops helfen können, leerstehende Flächen wieder zu nutzen. Gleichzeitig wird Regulierung eingefordert. 48 Prozent sprechen sich für Einschränkungen etwa in der Nacht oder in Wohngebieten aus. Der Wunsch nach klaren Rahmenbedingungen begleitet die Entwicklung.

Neue Schnittstelle der Nahversorgung

Automatenshops treffen ein verändertes Konsumverhalten. Sie verbinden Versorgung, Flexibilität und Flächennutzung in einem Modell, das sich vergleichsweise schnell umsetzen lässt. Für das Lebensmittelhandwerk eröffnet das zusätzliche Perspektiven. Regionale Produkte, Direktvermarktung oder ergänzende Vertriebskanäle lassen sich in solche Systeme integrieren und strategisch nutzen.

Mehr als ein kurzfristiger Trend

Der Trend ist klar. Automatenshops sind kein kurzfristiges Phänomen, sondern Ausdruck eines strukturellen Wandels im Handel. Entscheidend wird sein, wie gut es gelingt, sie sinnvoll in bestehende Systeme zu integrieren. Dort, wo das gelingt, können sie nicht nur Versorgung sichern, sondern auch neue Impulse für Handel, Handwerk und Ortszentren setzen.