Die Rechnung bitte! Was unser Essen wirklich kostet
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Rund 2 bis 2,5 Millionen Mahlzeiten werden in Österreich täglich außer Haus konsumiert: in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Kantinen. Doch was kostet unser Essen tatsächlich? Im Vorfeld des EU-Bio-Tags am 23. September zeigen Bio Austria und der Verein Zukunft:Essen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Henriette Stadthotel, warum der Preis von Lebensmitteln nicht die ganze Rechnung abbildet und warum ökologische und gesellschaftliche Folgekosten stärker berücksichtigt werden müssen.
Was im Preis nicht sichtbar wird
Dürren, Hitze und Extremwetter setzen die österreichische Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Gleichzeitig verursacht unser Ernährungssystem Kosten, die im Preis der Lebensmittel kaum sichtbar sind: für Klimaschäden, Biodiversitätsverlust, Boden- und Wasserschäden oder gesundheitliche Folgen. „Wir brauchen eine Landwirtschaft, die nicht nur heute produziert, sondern auch morgen noch produzieren kann. Biodiversität ist dafür eine entscheidende Grundlage“, sagt Barbara Riegler, Obfrau von Bio Austria. Riegler weiter: „Die biologische Landwirtschaft bringt durch ihre Bewirtschaftungsweise bereits heute wichtige Leistungen für Biodiversität, Klimaanpassung und den Schutz unserer Lebensgrundlagen. Der seit 2022 eingesetzte Biodiversitätsrechner von Bio Austria macht diese Leistungen zusätzlich schwarz auf weiß sichtbar und messbar.“ Bereits 8.134 Bio-Betriebe haben ihre Biodiversitätsleistungen dokumentiert, so die Obfrau.
Wer einkauft, entscheidet mit
Doch die Verantwortung für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem darf nicht allein bei den Biobäuerinnen und Biobauern liegen. Genau hier setzt die Gemeinschaftsverpflegung an: Wer Lebensmittel einkauft, entscheidet mit darüber, welche Landwirtschaft sich am Markt durchsetzen kann.
Die Rechnung, die niemand stellt
„Kostenwahrheit bedeutet nicht, Lebensmittel einfach teurer zu machen. Es geht darum, sichtbar zu machen, was unser Ernährungssystem die Gesellschaft tatsächlich kostet. Etwa durch Umwelt- und Gesundheitsschäden oder die Folgen des Klimawandels“, erklärt Sigrid Stagl, Ökonomin und Expertin für ökologische Ökonomie. Die externen Kosten unseres Ernährungssystems in Österreich liegen gemäß einer Berechnung von Zukunft:Essen in der Größenordnung von 5 bis 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts– umgerechnet rund 27 bis 53 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Kosten werden heute vielfach von der Allgemeinheit getragen und nicht dort berücksichtigt, wo die Entscheidungen über Produktion und Konsum getroffen werden.
Stagl weiter: „Der außergewöhnlich heiße und trockene Sommer macht die versteckten Kosten unseres Ernährungssystems unmittelbar sichtbar. Die Österreichische Hagelversicherung beziffert die Dürreschäden in der österreichischen Landwirtschaft 2026 auf rund eine Milliarde Euro.“ Diese Summe bilde vor allem Ertrags- und Produktionsausfälle ab – nicht alle weiteren Folgen für Betriebe, Lebensmittelpreise, Wasserversorgung und öffentliche Haushalte. Investitionen in nachhaltige Landwirtschaft seien daher nicht nur Umweltpolitik, sondern auch wirtschaftliche Risikovorsorge.
Für Bio Austria und Zukunft:Essen ist klar: Wer öffentlich einkauft, entscheidet mit über die Landwirtschaft von morgen. Kostenwahrheit bedeutet dabei, sowohl die Leistungen einer nachhaltigen Landwirtschaft als auch die Folgekosten nicht nachhaltiger Produktionsweisen sichtbar zu machen.
Was jetzt passieren muss:
- Kostenwahrheit bei politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen im Ernährungssystem berücksichtigen
- transparente und verbindliche Monitoringsysteme für öffentliche Lebensmitteleinkäufe
- Gemeinschaftsverpflegung als Hebel für mehr Bio und regionale Wertschöpfung nutzen
- nachhaltige und resiliente Landwirtschaft gezielt stärken
Denn eine zukunftsfähige Ernährung beginnt dort, wo wir bereit sind, die ganze Rechnung zu betrachten und bei unseren Entscheidungen nicht nur den Preis, sondern auch die ökologischen und gesellschaftlichen Folgen unseres Ernährungssystems mitzudenken.

