Ronny Paulusch über Wertschätzung für die Kundschaft
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Wenn in unserer Branche über Kunden gesprochen wird, fällt irgendwann der Satz: Die Menschen wissen gute Qualität einfach nicht mehr zu schätzen. Dann geht es um Aktionen und die Frage, warum für vieles Geld da ist, aber angeblich nicht für gutes Fleisch. Den Ärger kann ich verstehen. Trotzdem machen wir es uns damit manchmal ziemlich bequem.
Wer morgens aufsperrt, trägt Verantwortung und steckt viel Arbeit in seine Produkte. Aber daraus entsteht keine Verpflichtung für den Kunden. Er muss weder unsere Familiengeschichte noch unseren Meisterbrief mit seinem Einkauf belohnen. Auch 100 Jahre Tradition erklären ihm nicht automatisch, warum er heute bei uns einkaufen soll. Für uns ist der Betrieb ein Lebenswerk. Für ihn ist der Einkauf ein Teil seines Tages.
Wir beschäftigen uns den ganzen Tag mit Fleisch. Wer nach der Arbeit etwas fürs Essen will, hat andere Fragen. Was schmeckt der Familie? Was bekomme ich zubereitet? Was kann ich ausgeben? Wer daraus mangelndes Qualitätsbewusstsein ableitet, urteilt über Menschen, deren Alltag er oft gar nicht kennt. Wir müssen unsere Arbeit deshalb nicht unter Wert verkaufen. Aber wer Wertschätzung erwartet, sollte sie selbst zeigen. Dazu gehört, einen kleinen Einkauf ebenso ernst zu nehmen wie die große Bestellung – und einem Kunden mit kleinem Budget etwas Gutes anzubieten, ohne ihm das Gefühl zu geben, er habe beim Thema Genuss versagt.
Der Kunde muss das Fleischerhandwerk nicht retten. Wir können ihm aber Gründe geben, gerne zu kommen. Mit Qualität, ehrlicher Beratung und dem Gefühl, willkommen zu sein. Ob er wiederkommt, entscheidet er. Ein schlechtes Gewissen sollte nicht das sein, was von seinem Besuch bei uns hängen bleibt.
Schreiben Sie uns Ihre Meinung an: office@fleischundco.at.




