ÖBKZ Eigenwerbung

Österreichs Agraraußenhandelsdefizit ist im ersten Halbjahr 2026 kleiner geworden. Das geht aus der AMA-Pressemitteilung vom 27. Oktober 2026 hervor, für die vorläufige Daten der Statistik Austria ausgewertet wurden. Ausfuhren von 8,73 Milliarden Euro standen Einfuhren von 9,65 Milliarden Euro gegenüber. Das Defizit sank damit auf rund 917 Millionen Euro, knapp 394 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum.

AMA-Marketing stellte die Zahlen bei einer Pressekonferenz in Wien vor. Für die Fleischwirtschaft zeigt die Auswertung ein differenziertes Bild: Rindfleisch und Geflügel wurden sowohl in größerer Menge als auch zu einem höheren Gesamtwert ausgeführt. Bei Wurstwaren und Speck blieben Wert und Menge hingegen nahezu auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2025.

Rindfleischexporte aus Österreich wachsen auch in der Menge

Der Wert der Rindfleischausfuhren stieg gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 12,2 Prozent auf 366,3 Millionen Euro. Gleichzeitig nahm die Menge um 3,8 Prozent auf 45.456 Tonnen zu. Das Plus beruht somit nicht allein auf einem höheren Warenwert je Kilogramm: Es wurde auch mehr Rindfleisch exportiert.

Der durchschnittliche Exportwert erhöhte sich laut den Charts zur AMA-Pressemitteilung von 7,45 auf 8,06 Euro pro Kilogramm. Dieser rechnerische Wert ist kein Erzeugerpreis und sagt nichts über den Erlös eines einzelnen Betriebs aus. Welche Rolle Teilstücke, Produktmix und Absatzmärkte bei seiner Veränderung spielten, lässt sich aus der veröffentlichten Auswertung nicht bestimmen.

SRH Fernhochschule

Geflügel legt zu, Wurstwaren und Speck halten das Niveau

Beim Geflügelfleisch war das Mengenwachstum besonders deutlich: Die Ausfuhren stiegen um 10,2 Prozent auf 45.469 Tonnen. Der Warenwert nahm um 9,2 Prozent auf 194,7 Millionen Euro zu. Anders als beim Rindfleisch ging der rechnerische Exportwert je Kilogramm leicht zurück, von 4,32 auf 4,28 Euro.

Wurstwaren und Speck bleiben trotz stagnierender Entwicklung die größere der drei betrachteten Exportpositionen. Ihr gemeinsamer Warenwert lag bei knapp 478 Millionen Euro und damit um 0,1 Prozent unter dem Vorjahreswert; die Menge verringerte sich um 0,2 Prozent auf 71.054 Tonnen.

Rindfleisch und Geflügel legten im ersten Halbjahr 2026 beim Exportwert zu. Wurstwaren und Speck blieben nahezu auf Vorjahresniveau.Credit: Grafik: Fleisch & Co; Daten: Statistik Austria, vorläufige Ergebnisse; Auswertung: AMA-Marketing.

Deutschland bleibt der wichtigste Markt für Agrarwaren

Über alle Agrar- und Lebensmittelwarengruppen hinweg gingen Ausfuhren im Wert von 3,35 Milliarden Euro nach Deutschland. Das entspricht 38,4 Prozent des gesamten österreichischen Agrarexports. Da die Einfuhren aus Deutschland auf 3,07 Milliarden Euro sanken, erzielte Österreich mit dem Nachbarland in diesem Bereich einen Überschuss von 283 Millionen Euro.

„Beim Export nach Deutschland profitieren wir von der geografischen Nähe, der gemeinsamen Sprache und ähnlichen Konsumgewohnheiten“, sagt Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing. Italien bleibt mit rund 931 Millionen Euro der zweitgrößte Abnehmer. Die Agrarexporte dorthin stiegen um 4,3 Prozent, jene in die Niederlande um 6 Prozent und nach Tschechien um 9,9 Prozent. Diese Länderzahlen betreffen den gesamten Agraraußenhandel; sie weisen die Absatzmärkte für Rindfleisch oder Geflügel nicht gesondert aus.

Exportstärke und heimische Versorgung sind verschiedene Größen

Mehr Ausfuhren bedeuten nicht, dass Österreich auf Einfuhren derselben Fleischart verzichten könnte. Bei Rind- und Kalbfleisch liegt der Selbstversorgungsgrad zwar über 100 Prozent; warum dennoch Fleisch importiert wird, hängt unter anderem mit gefragten Teilstücken und Absatzwegen zusammen. Die Versorgungsbilanz für Rindfleisch beantwortet daher eine andere Frage als die aktuelle Außenhandelsstatistik.

Auch außerhalb der Fleischwirtschaft zeigen die Halbjahresdaten bedeutende Exportpositionen: Käse erreichte einen Warenwert von 459,3 Millionen Euro, Brot und Backwaren 428 Millionen Euro. Das Deutschlandgeschäft mit österreichischen Backwaren hatte die ÖBKZ bereits anhand früherer Exportdaten beleuchtet.

Für Fleischbetriebe wird im weiteren Jahresverlauf entscheidend sein, ob die gestiegenen Rind- und Geflügelmengen auch bei veränderten Marktpreisen Absatz finden. Die Halbjahreszahlen belegen höhere Ausfuhren; über Gewinnspannen und die Verteilung der Erlöse zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel geben sie keine Auskunft.