ÖBKZ Eigenwerbung

401 Gemeinden hatten 2024 keinen eigenen Standort des Lebensmitteleinzelhandels (LEH). Rund 423.000 Menschen lebten in einem solchen Ort, das entspricht etwa fünf Prozent der Bevölkerung. Diese Zahlen nennt die am 29. September präsentierte Nahversorgerstudie 2026 der KMU Forschung Austria, erstellt im Auftrag des Bundesgremiums Lebensmittelhandel der Wirtschaftskammer Österreich. Für die bundesweite Auswertung wurden 2.114 räumliche Einheiten gezählt: Österreichs Gemeinden, wobei die 23 Wiener Bezirke einzeln berücksichtigt wurden.

Die Studie von 2025 hatte für das Erhebungsjahr 2023 noch 389 Gemeinden und rund 411.000 Menschen ohne örtlichen LEH-Standort ausgewiesen. Die aktuelle Fortschreibung zeigt damit einen Anstieg, obwohl die Zahl der Lebensmittelhandelsstandorte österreichweit wächst.

Die Nahversorgerstudie 2026 zeigt ein deutliches Stadt-Land-Gefälle

Zwischen 2021 und 2024 stieg die Zahl der erfassten LEH-Standorte von 8.806 auf 9.126, ein Plus von 3,6 Prozent. Der Zuwachs konzentrierte sich jedoch auf dicht besiedelte Gebiete, wo die Standortzahl um rund 14 Prozent zunahm. In dünn besiedelten Gebieten ging sie im selben Zeitraum um rund drei Prozent zurück.

Auch zwischen den Bundesländern verlaufen die Entwicklungen unterschiedlich. In Oberösterreich stieg die Zahl der Gemeinden ohne LEH-Standort von 97 im Jahr 2023 auf 105 im Jahr 2024, in der Steiermark von 24 auf 30. Im Burgenland sank sie dagegen von 51 auf 48; mit 28,1 Prozent weist das Bundesland dennoch den höchsten Anteil an Gemeinden ohne eigenen LEH-Standort auf. Besonders stark hängt die Versorgungslage mit der Ortsgröße zusammen: 79 der 110 Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnerinnen und Einwohnern hatten keinen erfassten Lebensmittelhändler im Gemeindegebiet.

Eine Gemeinde ohne LEH-Standort ist nicht ohne jedes Lebensmittelangebot

Die Abgrenzung ist gerade für das Fleischerhandwerk wichtig. Die aktuelle Untersuchung wertet Arbeitsstätten des Lebensmitteleinzelhandels nach der ÖNACE-Klasse 47.11-0 aus. Eigenständige Fleischereien, Bäckereien und bäuerlicher Direktverkauf werden damit nicht als eigene Versorgungsformen erfasst. Bereits die veröffentlichte Vorjahresstudie hat diese Grenze ausdrücklich beschrieben. Die Zahl von 401 Gemeinden sagt folglich nicht, wie viele dieser Orte noch eine Fleischerei oder andere Anbieter haben.

Hinzu kommt eine zweite Einschränkung: Die Studie misst, ob ein LEH-Standort innerhalb der Gemeindegrenze liegt. Sie ermittelt weder die Entfernung zum nächsten Geschäft noch dessen Erreichbarkeit für Menschen ohne Auto. Ein Ort kann über die Nachbargemeinde gut angebunden sein; umgekehrt kann ein vorhandenes Geschäft für Bewohnerinnen und Bewohner verstreuter Ortsteile schwer erreichbar bleiben.

Bestehende Betriebe zuerst prüfen, dann passende Modelle wählen

Die Forschenden empfehlen deshalb, vor einer Förderung den tatsächlichen Bedarf vor Ort zu untersuchen: Verkehrsverbindungen, Altersstruktur, Siedlungslage, Kaufkraft und bestehende regionale Partner. Wo ein Geschäft gefährdet ist, kommen zunächst Stabilisierung, Nachfolge und Unterstützung bei Einkauf oder Logistik infrage. Für andere Gemeinden nennt die Studie multifunktionale Dorfläden, gemeinschaftliche Trägerschaften, hybride Öffnungszeiten oder mobile Angebote. Ein neuer Standort allein ist noch keine dauerhaft tragfähige Lösung.

Christian Prauchner, Obmann des WKÖ-Bundesgremiums Lebensmittelhandel, betont in der Aussendung zur Studie: „Nahversorgung ist weit mehr als Einkaufsmöglichkeit. Sie schafft kurze Wege, regionale Wertschöpfung und ist wichtig für ein lebendiges Gemeindeleben.“ Zusätzlich regt er an, über einen leichteren Zugang zum Tabakverkauf sowie zu Lotto und Toto und über Ausnahmen bei Öffnungszeiten in Gemeinden ohne weiteren Nahversorger zu diskutieren. Das sind Vorschläge des Bundesgremiums, keine bereits beschlossenen Regeln.

Für Fleischereien stellt sich bei solchen Konzepten die Frage, welche vorhandenen Leistungen eingebunden werden können. Wie ein Betrieb mehrere Aufgaben vor Ort verbindet, zeigt die Fleischerei Ströbel in Tullnerbach mit Verkauf, Verarbeitung und Gemeinschaftsverpflegung. Das Beispiel ist kein Beleg für die Situation der 401 Gemeinden. Es zeigt aber, warum eine örtliche Bestandsaufnahme über die LEH-Statistik hinausgehen sollte, bevor über einen neuen Laden oder eine Förderung entschieden wird.