Schweinefutter ohne Soja
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Schweine wachsen mit einer sojafreien Ration ebenso gut wie mit dem Vergleichsfutter, und bei der Verkostung fällt das Fleisch in der Gesamtbewertung nicht ab. Für einen Mäster wäre damit die nächste Frage offen: Was kostet ihn jedes Kilo Zuwachs? Im schwedischen Praxisversuch, über den die Axfoundation in ihrer Aussendung zum Projektabschluss berichtet, war das Versuchsfutter rund 50 Prozent teurer als das Referenzfutter. Zugleich fiel der berechnete Flächenbedarf geringer aus. Beide Ergebnisse gehören zusammen, wenn aus einem Fütterungsversuch ein Angebot für die Praxis werden soll. Aussendung der Axfoundation zum Projektabschluss.
Was im Schweinefutter steckte
Die Axfoundation und die Schwedische Universität für Agrarwissenschaften (SLU) leiteten das Projekt Feed of the Future. Von 2023 bis 2026 erprobten die Partner alternative Futterzutaten bei Schweinen, Masthühnern, Legehennen und Forellen. Der Schweineversuch fand auf dem schwedischen Betrieb Tå Gård statt. Dort erhielten 18 Tiere die sojafreie Mischung.
Die Versuchsration enthielt laut Abschlussbericht 12,4 Prozent Mykoprotein. Gemeint ist eiweißreiche Biomasse, die durch Fermentation mit Pilzen entsteht. In der Mischung steckten außerdem unter anderem Weizen, Gerste, Weizenkleie, Nebenprodukte aus der Malz- und Alkoholherstellung sowie Ackerbohnen. Das auf dem Hof eingesetzte Referenzfutter enthielt acht Prozent Soja und deutlich höhere Anteile an Weizen und Gerste. Die Forscher verglichen damit zwei unterschiedlich zusammengesetzte Rationen. Wie viel vom Ergebnis allein auf das Pilzprotein zurückgeht, lässt sich aus diesem Vergleich nicht ablesen. Abschlussbericht, Abschnitt zum Schweineversuch.
Was Wachstum und Verkostung zeigen
Nach Angaben des Projektteams war das Wachstum der Schweine mit jenem der Referenzgruppe vergleichbar. In der sensorischen Prüfung zeigten sich bei Geschmack, Textur und Gesamtgefallen keine statistisch signifikanten Unterschiede. Bei einzelnen Aromamerkmalen verzeichnete das Team dennoch Abweichungen, darunter eine ausgeprägtere nussige Note bei Schopf und Kotelett. Für die Fleischwirtschaft ist das ein erster Hinweis. Ob sich die Ergebnisse bei größeren Tiergruppen und über mehrere Mastdurchgänge bestätigen, wäre der nächste Schritt. Auch wie sich das Fleisch bei der Verarbeitung zu Wurst oder Schinken verhält, wäre gesondert zu prüfen. Ergebnisse zu Wachstum und Sensorik im Abschlussbericht.
Für die Rationsplanung kommt es darauf an, was das Tier aus dem Futter tatsächlich aufnehmen kann. In einer gesonderten Untersuchung an Schweinen zeigten zwei der geprüften Mykoprotein-Zutaten laut SLU eine gute Proteinverdaulichkeit, vergleichbar mit Raps- und Sojaextraktionsschrot. Für den Einsatz im Mischfutter bleiben der tatsächliche Proteingehalt, die Aminosäurenzusammensetzung und eine gleichbleibende Qualität entscheidend. Untersuchung zur Verdaulichkeit im Abschlussbericht.
Weniger Fläche, nahezu gleiche Klimabilanz
In der Ökobilanz des Projekts beanspruchte die Versuchsration für Schweine pro Kilogramm Futter 23 Prozent weniger Fläche als das für die Umweltbewertung herangezogene Vergleichsfutter. Das Potenzial, durch Nährstoffeinträge zur Überdüngung von Meeresgewässern beizutragen, lag 19 Prozent niedriger. Beim Treibhauspotenzial lag die Versuchsmischung um ein Prozent höher. Die drei Werte beziehen sich auf die Futterherstellung und ihre vorgelagerten Prozesse, gerechnet je Kilogramm Futter. Für eine Klimabilanz je Kilogramm Schweinefleisch müssten unter anderem der Futterverbrauch je Kilogramm Zuwachs und die weiteren Stufen der Erzeugung und Verarbeitung einbezogen werden. Ökobilanz im Projektabschlussbericht.
Wie wichtig diese Bezugsgröße ist, zeigt der Geflügelversuch. Das Futter für die Masthühner hatte je Kilogramm ein geringeres Treibhauspotenzial als das Vergleichsfutter. Die Tiere wuchsen aber langsamer. Das Projektteam nennt Einschränkungen bei der Herstellung der Zutaten im Pilotmaßstab und mehrere gleichzeitige Änderungen in der Futterlieferkette als mögliche Gründe. Wie viel Futter pro Kilogramm Zuwachs tatsächlich benötigt wird, gehört deshalb in jede wirtschaftliche und ökologische Bewertung. Ergebnisse der Versuche nach Tierart.
Womit Österreich vergleichen müsste
Für österreichische Betriebe ist die naheliegende Vergleichsgröße die Ration, die sie heute einsetzen. Das kann je nach Betrieb etwa eine Mischung mit regionalem Soja, Rapsschrot oder heimischen Körnerleguminosen sein. Die österreichische Eiweißstrategie ordnet die Frage der Sojaimporte vor allem der Schweine- und Geflügelfütterung zu. Wie viel eine alternative Zutat bringt, hängt auch davon ab, welche Herkunft und welche Eigenschaften das eingesetzte Vergleichsfutter hat.
Für den Mäster wären Futterkosten je Kilogramm Zuwachs und die Schlachtleistung entscheidend. Der Futtermittelhersteller müsste verlässliche Liefermengen und gleichbleibende Nährstoffwerte absichern. Für Verarbeiter und Handel stellt sich die Frage, ob sie den Mehraufwand über längerfristige Abnahmevereinbarungen mittragen würden. Wie eng Erzeuger und Vermarktungspartner bei heimischen Programmen zusammenarbeiten, zeigt das österreichische Gustino-Schweinefleischprogramm. Bei einer neuen Futterzutat käme es darauf an, vorab zu vereinbaren, welche Mehrkosten entstehen, wer sie trägt und welche Leistung über mehrere Mastdurchgänge erreicht werden soll.
Der schwedische Versuch zeigt, dass sich Pilzprotein in einer sojafreien Schweineration praktisch einsetzen lässt. Für eine österreichische Fortsetzung wäre der aussagekräftigste Test ein direkter Vergleich mit einer hier üblichen Ration. Wenn dabei Futteraufnahme, Zuwachs, Schlachtleistung und tatsächliche Kosten gemeinsam erfasst werden, lässt sich beurteilen, unter welchen Bedingungen die Mischung für einen Betrieb infrage kommt.





