Rinder, Ziegen und Schafe können weit mehr als Lebensmittel erzeugen. In der nordwestspanischen Region Galicien werden die Tiere gezielt eingesetzt, um trockenes Gras, Sträucher und leicht brennbares Unterholz abzufressen. Damit verringern sie jene Biomasse, die einem Waldbrand als Brennstoff dient.

Besonders wichtig sind dabei die kleinen, robusten Cachena-Rinder. Die Tiere kommen auch in steilem, schwer zugänglichem Gelände zurecht und fressen unter anderem Brombeersträucher und Ginster. Gemeinsam mit Ziegen und Schafen halten sie das Buschwerk niedrig und erschweren es den Flammen, vom Boden bis in die Baumkronen vorzudringen.

Galicien setzt wieder auf heimische Rinder

Der verstärkte Einsatz der Tiere ist eine Reaktion auf tiefgreifende Veränderungen im ländlichen Raum. Viele Flächen wurden nach der Abwanderung der Bevölkerung nicht mehr bewirtschaftet. Gleichzeitig breiteten sich leicht entzündliche Kiefern- und Eukalyptusbestände aus.

Nach schweren Bränden begannen Gemeinden wie Vincios, die Haltung heimischer Nutztiere wieder aufzubauen. Die Zahl der Cachena-Rinder in Galicien stieg von rund 400 Tieren auf etwa 8.000. Insgesamt erhöhte sich der Bestand einheimischer Weidetiere von gut 1.800 Ende der 1990er-Jahre auf mehr als 30.000 Tiere Anfang 2026.

Beweidung ersetzt keine Feuerwehr. Fachleute sehen sie vielmehr als Teil eines integrierten Waldbrandmanagements. Mechanische Entfernung von Biomasse, kontrolliertes Abbrennen unter professioneller Aufsicht, angepasste Waldbewirtschaftung und funktionierende Einsatzstrukturen bleiben notwendig. Auch EU-Projekte untersuchen inzwischen gezielt, an welchen Übergängen zwischen Wald und Grünland Rinder, Schafe oder Ziegen natürliche Brandschutzstreifen schaffen können.

Österreich braucht bewirtschaftete Almen

In Österreich ist die Beweidung bislang kein flächendeckendes Instrument der Waldbrandprävention. Der Grundgedanke ist dennoch hochaktuell: Wo landwirtschaftliche Nutzung aufgegeben wird, wachsen offene Flächen mit Sträuchern und Gehölzen zu. Brennbare Biomasse nimmt zu, während artenreiche Weidelebensräume verloren gehen.
Die Bewirtschaftung des Almraums ist deshalb weit mehr als eine Frage der Lebensmittelproduktion. Rinder, Schafe und Ziegen halten Flächen offen, nutzen Futter, das für den Menschen nicht direkt verwertbar ist, und schaffen durch Tritt, Verbiss und unterschiedlich intensive Beweidung vielfältige Lebensräume.

Laut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein zählen neben der traditionellen Lebensmittelerzeugung auch Naturschutz und Biodiversität, Tierwohl, Kulturerbe, Tourismus und die Vitalität des ländlichen Raums zu den zentralen Leistungen der österreichischen Almen. Ohne menschliche Nutzung würden viele charakteristische Almflächen innerhalb weniger Jahrzehnte ihren offenen Landschaftscharakter verlieren.

Nutztierhaltung sichert Kulturlandschaft

Für Österreich bedeutet das: Der Erhalt der Almwirtschaft ist ohne Nutztierhaltung nicht möglich. Es braucht Tiere auf den Flächen, aber ebenso Menschen, die Herden betreuen, Weiden lenken, Wege erhalten, Gehölze zurückdrängen und auf eine standortgerechte Nutzung achten.

Eine gelenkte Beweidung verhindert, dass einzelne Bereiche übernutzt werden, während andere verbuschen. Richtig eingesetzt verbindet sie Lebensmittelproduktion, Landschaftspflege und Biodiversität. Das Bundesministerium nennt die Almwirtschaft daher ausdrücklich als Beitrag zur biologischen Vielfalt, zur Landschaftspflege und zum Schutz vor Naturgefahren.

Die spanischen „Feuerwehr-Herden“ lassen sich nicht eins zu eins auf Österreich übertragen. Sie machen aber sichtbar, welchen praktischen Wert eine aktive Land- und Weidewirtschaft besitzt. Wo Nutztiere aus der Landschaft verschwinden, verschwindet nicht nur regionale Lebensmittelproduktion. Auch die regelmäßige Pflege großer, ökologisch wertvoller Flächen geht verloren.